Schlecker Österreich von

Austro-Fonds TAP 09 übernimmt

In letzter Sekunde hat die angeschlagene Drogeriemarktkette einen Käufer gefunden

Schlecker Österreich - Austro-Fonds TAP 09 übernimmt © Bild: REUTERS/Rehle

Wenig ist in der Öffentlichkeit bisher bekannt über den österreichischen Fonds "TAP 09", der nun überraschend Schlecker Österreich zur Gänze übernommen hat. "TAP 09" steht laut Homepage für "The Turnaround-Platform", 2009 war der Private Equity-Fonds von Rudolf Haberleitner gegründet worden. Der heute 67-jährige firmiert als Alleingeschäftsführer und Alleingesellschafter und tritt schon seit Jahrzehnten immer wieder als Krisen- und Insolvenzberater auf. Der Kauf von Schlecker Österreich gilt als sein bisher größter Coup. Haberleitner geriet aber auch schon in die Kritik als 2001 bekannt wurde, dass er für eine staatliche Gesellschaft nicht nur als Aufsichtsrat, sondern auch als Berater tätig war.

Welche Investoren bei der Schlecker-Übernahme hinter dem Fonds stecken, wurde offiziell nicht bekanntgegeben und ist bisher auch nicht durchgedrungen. Laut Firmenbuch ist das Unternehmen als "GmbH und Co KG" aufgebaut. Haberleitner ist 100-prozentiger Gesellschafter der TAP 09 Management GmbH, diese ist Kommanditistin der TAP 09 Invest GmbH & Co KG und Gesellschafterin der TAP 09 Invest GmbH.

Auf der Homepage wirbt der Fonds mit seiner Unabhängigkeit von Banken und Finanzmärkten. Man biete Investoren eine "Plattform" zum Erwerb von Mehrheitsbeteiligungen an Substanzunternehmen mit Liquiditätsschwierigkeiten. Die Mindesteinlage für Kommanditisten betrage 150.000 bzw. 200.000 Euro für Investoren aus Deutschland. Ausgesprochen hoch schätzt Haberleitner die Profitabilität seiner Investments ein: "Die Renditeerwartung für den Investor beträgt > 20 Prozent p.a. inkl. einer laufenden Verzinsung in der Höhe von 3 Monats-Euribor + 300 BP", wirbt er auf der Homepage um Finanziers.

Schlecker wird „daily“
Schlecker Österreich mit 1.350 Filialen in fünf Ländern war seit der Insolvenz der deutschen Muttergesellschaft im Jänner schwer angeschlagen. Nach monatelangem Ringen um die Zukunft der Handelskette hat nun der Fonds "TAP 09" das Rennen entschieden. Die Drogeriemarktkette soll in "daily" umbenannt und zum Nahversorger umgestaltet werden.

Immer wieder wurde Haberleitner rund um Übernahmen von Pleite-Unternehmen oder angeschlagenen Betrieben genannt. Der Unternehmensberater wollte schon beim insolventen Buch- und Papierhändler Libro einsteigen - wurde aber vom Investor und Ex-ÖVP Obmann Josef Taus ausgebootet. Diesmal hat Haberleitner das Rennen für sich.

Kritik an Engagement für Republik
Kritik hatte Haberleitner auf sich gezogen, als 2001 bekannt wurde, dass er bei der staatlichen Gesellschaft des Bundes für industriepolitische Maßnahmen (GBI) nicht nur als Aufsichtsrat tätig war, sondern für eine Tagesgage von 30.000 Schilling auch als Berater für die "Pleitenholding" werken sollte. Auch die damalige Infrastrukturministerin Monika Forstinger (FPÖ) geriet in die Kritik, sie wies die Vorwürfe zurück.

Auf der eigenen Homepage wirbt Haberleitner mit seiner Sanierungserfahrung: Seit 30 Jahren sei er als Unternehmer und Eigentümer eines internationalen Consultingunternehmens mit Fokus Restrukturierung, Turnaround-Management, M&A und Corporate Finance tätig. Doch auch in eigener Sache setzt der Sanierer hier auf Diskretion: Namen werden keine genannt.