Schlecker darf nicht zur Apotheke werden: Arzeneimittelgesetz-Änderung notwendig

Drogerie darf Medikamente in Deutschland anbieten Allerdings ist der Versand nach Österreich gestattet

Die deutschen Apotheker haben wenig Freude damit, dass die mächtige Drogeriekette Schlecker groß in das Geschäft mit Medikamenten einsteigt und dabei um bis zu 45 Prozent günstigere Produkte anbieten will. Die österreichischen Pharmazeuten können sich aber entspannt zurücklehnen. "In Österreich ist das verboten, daher ist das momentan nur für Deutschland geplant", hieß es auf APA-Anfrage aus der österreichischen Unternehmenszentrale in Pucking (Oberösterreich).

"Was Schlecker in Deutschland vorhat, betrifft uns derzeit nicht und wäre hier nicht möglich, weil die rechtliche Situation nicht gegeben ist", bestätigte auch die Sprecherin der Österreichischen Apothekerkammer, Jutta Pint. In Österreich sei auch der Versandhandel mit Arzneimitteln schlichtweg nicht erlaubt.

Der Europäische Gerichtshof hatte es den einzelnen EU-Ländern 2004 freigestellt, wie sie das handhaben - Deutschland hat daraufhin den Pharma-Versandhandel freigegeben, Österreich nicht. Allerdings darf man als ausländische Internet-Apotheke nach Österreich liefern, wenn die Produkte eine österreichische Registriernummer haben. In den Filialen ist der Verkauf von Arzneimitteln schlichtweg verboten. Der Schlecker-Mitbewerber dm drogeriemarkt will schon seit Jahren im heimischen Pharma-Handel aktiv werden. "Dafür wäre aber eine Änderung des Arzneimittelgesetzes nötig", betonte Pint.

Medimamente an der Tankstelle
In Ungarn hingegen kann man Medikamente zum Teil schon bei der Tankstelle kaufen. In der Apothekerbranche spricht man von "ersten Versorgungslücken". Denn im Internet oder anderen alternativen Point of Sales sei das Sortiment meist stark eingeschränkt - um günstig anbieten zu können, konzentriert sich das Angebot auf besonders umsatzstarke Medikamente. Außerdem seien ländliche Gegenden benachteiligt, weil sie nicht mit der gleichen Kundenfrequenz aufwarten können wie Ballungsräume.

Reglementierter Verkauf
In Österreich sei der Verkauf von Arzneimitteln reglementiert, um eine flächendeckende Versorgung sicherstellen zu können. Hierzulande sind dafür 1.220 Apotheken zuständig, 400 davon haben nachts geöffnet. Es muss immer mindestens ein an der Universität ausgebildeter Pharmazeut für die Kundenberatung verfügbar sein. Jede Apotheke hat rund 5.000 Präparate auf Lager. Der Großangriff der Drogeriemärkte im Arzneimittelhandel bleibt hier also vorerst aus, der Handel beschränkt sich vorerst im wesentlichen auf Vitamintabletten und Kosmetika.

Auf der österreichischen Schlecker-Website etwa ist zwar seit neuestem die Bestellrubrik "Aus der Apotheke" zu finden. Tatsächlich bestellt werden können aber lediglich einige wenige Vitalstoffe sowie Haar-, Gesichts- und Körperpflegeprodukte. In Deutschland liest sich das Website-Angebot des schwäbischen Drogerieimperiums, das in Österreich 1.175 Märkte betreibt, bereits eine Spur aggressiver: hier gibt es zusätzlich die Warengruppe "Diätprodukte", unter der etwa Knollen zum Abnehmen und Power-Eiweiß-Produkte offeriert werden.

(APA/red)