Schlankheitswahn trotz Wespentaille: Asiatische Schönheiten nicht zu bremsen!

Auf der Jagd nach Konturen: Essstörungen & Diätwahn Singapur: Seltsame Vorstellungen von Schönheit

Schlankheitswahn trotz Wespentaille: Asiatische Schönheiten nicht zu bremsen!

Die Zahl der Schlankheitssalons, Diäten und Zeitungsanzeigen mit unglaublichen Vorher-Nachher-Bildern in Singapur lässt darauf schließen, dass die Frauen vom Schlankheitswahn besessen sind. Was höchst erstaunlich ist, schaut man sich auf der Einkaufsmeile, der "Orchard Road", um: Auf spindeldürren Beinen flanieren die Asiatinnen hier reihenweise entlang, mit Figürchen, die in anderen Ländern allenfalls in der Kinderabteilung bekleidet werden könnten.

Tamara lehnt im Pediküresalon "Nail Addiction" in Singapur entspannt im Liegestuhl. Es ist ihre zweite Schönheitsaktion des Tages, nach einer Schlankheitsbehandlung mit Injektionen, die die Fettverbrennung beschleunigen sollen. "Ich fühle mich schlanker", sagt sie überzeugt. Dabei ist Tamara (28) eine typisch zierliche Singapurerin chinesischer Abstammung, mit einer Figur, die jede Durchschnittsfrau in Deutschland neidisch machen würde. Geschätzte Größe: 36. Tamara lacht. "34, aber hier muss noch was weg", sagt sie, und deutet auf ein für europäische Augen nicht vorhandenes Fettpolster an ihrer Wespentaille.

Skurrile Salons
Einschlägige Etablissements können sich offensichtlich über zu wenig Kundschaft nicht beklagen. Überall schießen neue Läden aus dem Boden. "Verlier ein Kilo in zehn Minuten!" verheißt zum Beispiel der "BottomSlim"-Salon, der "Bilaterale Symmetrische Schwingungsweiten- Energie" bietet. "Cromoleichte Fettreduktion, Bindegewebestimulation und Ultra-Schlank-Therapie für den Po" bietet das "Expressions"- Institut. Der "Zufluchtsort fürs Abnehmen" verspricht atemberaubende Ergebnisse mit 30 "Wunder-Bambus-Konturenbehandlungen". Das ganze bekommt man meist im Paket von mehreren Behandlungen für ein paar hundert Euro. "Metabolismus-Stimulanz durch Ultrawellen" gibt es dagegen beim "Fil Intelligence-WelnessCenter" schon für schlappe zehn Euro.

Schlank-Tourismus boomt
Das Phänomen der überwiegend schlanken Taillen in Singapur treibt auch so manche Touristin in den Frust. Tausende von Boutiquen locken in unzähligen Shopping Malls mit dem letzten Modeschrei, doch ist bei Größe 38, höchstens 40 in aller Regel Schluss. "Der durchschnittliche westliche Besucher kann das Einkaufen ein bisschen deprimierend finden", erklärt die Shopping-Bibel "Shopsmart". "Verzweifeln Sie nicht, wenn Sie nichts größer als 38 finden", rät das Buch. "Fragen Sie, ob Ihre Größe im Hinterzimmer hängt." Naja.

Diätwahn
"Die unerbittliche Jagd aufs Schlanksein ist in Singapur an der Tagesordnung", stellte Psychiater E.K. Ung schon 1999 fest. In einer medizinischen Umfrage sagten 53 Prozent der Frauen, sie müssten abnehmen, selbst jede zehnte, die nach internationalem Body-Mass- Index als untergewichtig gilt, wollte noch weiter abnehmen. "Solche Zahlen bereiten Sorge, weil sie meist Vorboten von Essstörungen sind", warnte er in Singapurs Medizinerzeitung.

Erschreckend
In der Tat: Im vergangenen Jahr wurden an einer einzigen Mädchenschule acht 14- bis 16-Jährige wegen Essstörungen behandelt. Sie waren besessen von dem Ziel, Gewicht zu verlieren. Vor allem an reinen Mädchenschulen sei das Problem groß, berichtete Psychiater Lee Huei Yen gerade bei der Vorstellung einer neuen Studie. "Ich habe mich zeitweise von zehn Mini-Karotten am Tag ernährt", sagte eine Studentin den Forschern. Bei einer Größe von 1,67 und 43 Kilogramm Gewicht nahm sie ärztliche Hilfe in Anspruch. Vor vier Jahren starb eine junge Frau, eine zweite brauchte eine Lebertransplantation, nachdem sie ominöse Schlankheitspillen aus China eingenommen hatten. Im Pediküresalon lassen Tamaras Erzählungen über die Fettschmelzinjektionen niemanden erschauern. "Ich wollte, das könnte ich mir auch leisten", flüstert Aisha, eine malaysische Schönheit mit Model-Qualitäten sehnsüchtig, während sie Nägel feilt. (dpa/red)