Schlankes Personen-Komitee für Schalle: Pretterebner an Seite des Quereinsteigers

FPÖ sei auf "fürchterlichen Links-Überhol-Trip"

BZÖ-Quereinsteiger Veit Schalle verfügt nun über ein eigenes Personen-Komitee. Als Spitze der nach Bündnisangabe etwa 30-köpfigen Fan-Gruppe präsentierten sich der frühere Aufdecker Hans Pretterebner ("Der Fall Lucona") und der bekannte Historiker Lothar Höbelt. Letzterer drückte seine besondere Unterstützung für den ehemaligen Billa-Chef mit einem orange-farbenen Vergleich aus: "Für den Peter Wesenthaler wäre ich nie um die Uhrzeit aufgestanden."

So und so hatte Höbelt nur Gutes über Schalle zu bereichten. Dieser sei der erste direkt wählbare Nicht-Knittelfelder und stehe damit in der Tradition von Susanne Riess-Passer, Karl-Heinz Grasser und Peter Westenthaler. Eine Stimme für das Bündnis bezeichnete der frühere Parteihistoriker der Freiheitlichen als unbedingt notwendig, da die FPÖ zwar nette Menschen in ihren Reihen habe, aber auf einem "fürchterlichen Links-Überhol-Trip" sei und das Land keine Rechtspartei brauche, "die im Zweifelsfall nach links umfällt."

Pretterebner, nach Eigendefinition wertkonservativ, wirtschaftsliberal und seit 40 Jahren gegen alle Spielarten linker Politik publizierend, sieht durch Schalle und dessen Gefährten den Kampf für Privatisierungen, Bürokratie-Abbau und gegen Korruption als gesichert an. Gleichzeitig bezeichnete er die Möglichkeit einer rot-grünen Mehrheit als "Katastrophe" und sieht auch in Schwarz-Grün oder einer großen Koalition nicht viel bessere Alternativen.

Daher bleibt aus seiner Sicht nur zu hoffen, dass ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel Bundeskanzler bleibe und er einen Mehrheitsbeschaffer finde, der möglichst das BZÖ sein sollte. Eine schwarz-blaue Koalition würde Pretterebner nicht für die noch am ehesten akzeptable Alternative halten, da die Strache-FPÖ weder regierungswillig noch regierungsfähig sei. Ähnlich sieht das Höbelt. Die "Tragik" sei, dass es am 1. Oktober wohl wieder eine Mehrheit für "Schwarz-Bunt" geben werde, es aber in der Verantwortung der FPÖ liege, dass es deswegen trotzdem zu keiner Regierung rechts der Mitte kommen werde.

Schalle selbst spulte nochmals sein Wirtschaftsprogramm ab. Als Sofortmaßnahme, weil schnell umzusetzen, plädierte er für Entlastungen von Pendlern. Zusätzlich warb er dafür, dass sich Dienstgeber entsprechend für ihre Lehrlinge einsetzen und nicht allzu streng mit ihnen umgehen sollten. Ein besonderes Anliegen ist Schalle noch neben der Business-Tax eine umfassende Verwaltungsreform.

Dem Personenkomitee gehören neben Höbelt und Pretterebner Volksanwalt a.D. Horst Schender, der Präsident des Instituts für liberale Politik, Erich Reiter, die ehemalige FPÖ-Generalsekretärin Theresia Zierler und der frühere FPÖ-Seniorenchef und Ex-Vizebürgermeister von Graz Paul Tremmel an. Weitere Namen wurden nicht genannt.

Pretterebner war in diesem Wahlkampf übrigens schon vor seinem offiziellen Engagement für das BZÖ aufgetaucht. Er vermutete in mehreren Zeitungen, dass die Zahlungen von Investmentbanker Wolfgang Flöttl an Alt-Kanzler Franz Vranitzky dazu gedient haben könnten, dem früheren SPÖ-Chef den Schaden aus einer verlorenen Prozessserie gegen ihn, Prettenebner, abzugelten. Dazu hat der Publizist auch bereits eine Sachverhaltsdarstellung abgegeben. Bei der heutigen Pressekonferenz wiederholte er seine Vermutungen, Beweise blieb er freilich neuerlich schuldig.

(apa/red)