"Schlamperei" bei Wahl-Register in Kenia: Oppositionskandidat Odinga nicht vermerkt

Odinga völlig erbost: "Wurde mit Absicht gemacht" Laut Polizei forderte Wahl bereits zwei Todesopfer

"Schlamperei" bei Wahl-Register in Kenia: Oppositionskandidat Odinga nicht vermerkt

Rund 14 Millionen Wähler in Kenia haben ein neues Parlament und einen neuen Präsidenten gewählt. Angesichts des erwarteten äußerst knappen Wahlausgangs war die Stimmung im Lande aufgeheizt. Noch nie zuvor seit der Erlangung der Unabhängigkeit war das Ergebnis so ungewiss. Amtsinhaber Mwai Kibaki von der Nationalen Einheitspartei und der Oppositionspolitiker Raila Odinga vom Orangenen Oppositionsbündnis lagen in Umfragen vor der Wahl nahezu gleichauf.

Entgegen anfänglichen Befürchtungen verliefen die Wahlen aber weitgehend friedlich. Polizisten in Zivil behielten vor allem Wahllokale in Gebieten im Auge, in denen es in den vergangenen Wochen zu politisch motivierter Gewalt gekommen war. Einige Wahllokale öffneten mit mehrstündiger Verspätung, in anderen waren zahlreiche Wähler nicht in den Wählerlisten aufgeführt. Diese Vorkommnisse schürten Ängste vor Wahlfälschung und Manipulation.

"Mir scheint, das wurde mit Absicht gemacht"
Sogar Präsidentschaftskandidat Odinga wurde zunächst abgewiesen, weil sein Name nicht im Wählerverzeichnis stand. "Das ist höchst bedauerlich. Mir scheint, das wurde mit Absicht gemacht", sagte er. Von Unregelmäßigkeiten wurde vor allem in Odingas Wahlkreis, dem riesigen Armenviertel Kibera in der Hauptstadt Nairobi, berichtet. Eine Gruppe junger Männer warf Scheiben ein, da sie nach eigenen Angaben nicht in den Wählerlisten eingetragen waren. In einigen Vierteln der Hauptstadt kontrollierten Bewohner Fahrzeuge, da sie befürchteten, es könne versucht werden, manipulierte Urnen und Wahlzettel in die Lokale zu bringen.

Der Leiter der EU-Wahlbeobachter, Alexander Lambsdorff, rief die Behörden auf, die betroffenen Wahllokale zwei Stunden länger geöffnet zu lassen als ursprünglich vorgesehen. Die Lage sei ziemlich chaotisch, da sehr viele Menschen ihre Stimme abgeben wollten, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Die Wahlkommission müsse sicher stellen, dass jeder tatsächlich vom Wahlrecht Gebrauch machen könne.

Präsidentenwahl forderte zwei Tote
Bei der Präsidentenwahl hat es mindestens zwei Todesopfer gegeben. Beim Verlassen eines Wahllokals im Armenviertel Kibera von Nairobi wurde ein Mann erschossen und zwei weitere verletzt, berichteten Augenzeugen. "Die Bewaffneten tauchten aus dem Wald auf und eröffneten das Feuer", sagte ein Vertreter des Orangenen Oppositionsbündnisses des Präsidentschaftskandidaten Raila Odinga, als dessen Hochburg Kibera gilt.

Die Polizei meldete einen weiteren tödlichen Zwischenfall. Eine aufgebrachte Menge schlug vor einem Wahllokal in der westlichen Provinz Nyanza einen Mann zu Tode, der im Verdacht stand, im Vorfeld der Stimmabgabe einen Parteianhänger ermordet zu haben.

Wahl-Tumulte dauern schon Monate an
Seit Juli waren mehr als 70 Menschen bei Ausschreitungen zwischen den Anhängern der verschiedenen Kandidaten in Kenia ums Leben gekommen. Auch die ethnischen Spannungen in dem Vielvölkerstaat mit 70 verschiedenen Stämmen und ethnischen Gruppen hatten zugenommen.

Der Amtsantritt Kibakis vor fünf Jahren wurde allgemein von der Hoffnung begleitet, dass der als besonders integer geltende Politiker die Korruption entscheidend eindämmen könnte. Diese Erwartungen haben sich jedoch nicht erfüllt. Trotz zahlreicher Skandale wurde in keinem einzigen Fall Anklage gegen einen führenden Beamten erhoben. Dem Herausforderer Odinga werfen Kritiker vor, in seinen 15 Jahren als Parlamentsabgeordneter zu wenig für die Menschen in Kibera getan zu haben.

Kibaki trat 2002 die Nachfolge von Daniel Arap Moi an, der nach 24 Jahren von der Verfassung an einer weiteren Amtszeit gehindert wurde. Die Wahlen von 1992 und 1997 waren von massiven Vorwürfen der Manipulation begleitet gewesen.

(apa/red)