Schlammlawinen auf Sizilien: Mindestens 21 Leute in Messina ums Leben gekommen

95 Menschen verletzt, 400 weitere wurden obdachlos Berlusconi verzichtete auf Besuch bei den Opfern

Schlammlawinen auf Sizilien: Mindestens 21 Leute in Messina ums Leben gekommen © Bild: APA/EPA/Saya

21 Leichen sind in den von Schlammlawinen verheerten Vororten der sizilianischen Hafenstadt Messina geborgen worden. Mindestens 30 Menschen werden nach Angaben des italienischen Zivilschutzes noch vermisst, 95 Personen wurden verletzt. Schwere Regenfälle behinderten die Bergungsarbeiten. Regierungschef Silvio Berlusconi, der die von der Katastrophe betroffene Gegend besuchen wollte, verzichtete auf sein Vorhaben, um den Rettungsmannschaften nicht im Weg zu stehen.

Der Katastrophenschutz bemühte sich unterdessen darum, die Straßen zu den am schlimmsten betroffenen Orten wieder freizuräumen. Zwischenzeitlich waren die Einwohner über Hubschrauber mit dem Nötigsten versorgt worden. Die 435 Sizilianer, die sich in der Gemeinde Giampilieri in eine Volksschule geflüchtet hatten, sind inzwischen in Sicherheit gebracht worden. Sie wurden in einer bis in die Nacht andauernden Evakuierungsaktion auf Hotels und Gasthöfe in Messina verteilt. Teile der Stadt Messina wurden in der Nacht auf Freitag von einer Schlammlawine überflutet. Die Regierung hat den Notstand über das Katastrophengebiet verhängt. Die Schulen blieben geschlossen.

Umweltministerin Stefania Prestigiacomo machte mangelnde Finanzierungen zum geologischen Schutz für die Katastrophe verantwortlich. "Dieses Jahr hatten wir 50 Mio. Euro zum geologischen Schutz des Bodens zur Verfügung, im nächsten Jahr wird es keinen Euro mehr geben", klagte die Ministerin. Kritisch zeigte sich auch Tourismusministerin Michela Brambilla: "Zu lang hat sich die Politik in diesem Land nicht um Umwelt und um den Kampf gegen Bausünder gekümmert. Das sind die Resultate."

Kritik von Napolitano
Staatspräsident Giorgio Napolitano forderte die Regierung auf, mehr in die Sicherheit des Landes als in "pharaonische Bauwerke" zu investieren. Ministerpräsident Silvio Berlusconi plant den Bau einer riesigen Hängebrücke über die Meeresenge von Messina, um Sizilien mit dem Festland zu verbinden, die über drei Milliarden Euro kosten soll. Die Naturschutzorganisation WWF rief den Regierungschef bereits dazu auf, das umstrittene Brückenprojekt fallen zu lassen.

Solange wild gebaut werde, sei der Kampf gegen Erdrutsche hoffnungslos, mahnen Experten der Umweltschutzverbands Legambiente. "Die Natur rächt sich, wenn sie misshandelt wird. In 77 Prozent der Gemeinden sind Wohnungen in Gebieten errichtet worden, die vom hydrogeologischen Standpunkt aus gefährlich sind", warnte Vittorio Cogliati Dezza, Präsident von Legambiente. Die Zahlen seien erschreckend. 1.700 italienische Gemeinden sind von Erdrutschen, 1.285 von Überschwemmungen gefährdet. Allein auf Sizilien sind laut den Geologen 272 Gemeinden durch Erdrutsche oder Überschwemmungen gefährdet.

Italien war in den vergangenen Jahren von schweren Erdrutschen betroffen. Das schlimmste Unglück ereignete sich im Mai 1998. Damals waren 137 Personen in der süditalienischen Ortschaft Sarno südlich von Neapel ums Leben gekommen, als nach sintflutartigen Regenfällen eine Schlammlawine Dutzende Gebäude unter sich begraben hatte.

(apa/red)