Schlafwandeln von

Schluss mit den Märchen!

Kanadischer Forscher räumt mit Mythen rund um nächtliche Spaziergänge auf

Frau richtet sich im Bett auf © Bild: Thinkstock/iStockphoto

Der Schlafforscher Antonio Zadra von der Universität Montreal räumt mit den Mythen rund ums Schlafwandeln auf: Schlafwandler hätten keine Erinnerung an ihren nächtlichen Spaziergang, dieser wiederum berge keine Motivation und wirke sich auch nicht auf den nächsten Tag aus. ...Stimmt alles nicht!

Vielmehr erinnern sich Schlafwandler durchaus daran, was nachts passiert ist. Sie handeln meist nicht planlos und stellen für sich und andere auch kaum eine Gefahr dar, so Zadra. Christian Baier vom deutschen Zentrum für Integrative Psychiatrie erklärt das mythenumwobene Phänomen folgendermaßen: "Das klassische Schlafwandeln ist eine Aufwachstörung. Es führt dazu, dass sich Teile des Gehirns wie im Wachzustand verhalten. Es ist weder ein vollständiger Wach- noch ein richtiger Schlafzustand." Allerdings erinnere sich die Mehrheit der Betroffenen nicht bewusst an das, was nachts passiert ist.

Sind Schlafwandler gefährdet?

Auch eine Person, die nicht unter dem Phänomen leide, hätte am nächsten Morgen den nächtlichen Gang auf die Toilette vergessen - sofern er nicht länger als drei Minuten gedauert hat, so Baier. Problematisch wird es nur dann, wenn sich der Betroffene während des Schlafwandelns verletzt. "Es gibt den Mythos der schlafwandlerischen Sicherheit", meint Baier. Sollte der Schlafwandler für sich und andere eine Gefahr darstellen, werden Medikamente eingesetzt. In der Regel ist das aber nicht notwendig.

Sich selbst psychisch manipulieren

"Schlafwandler können sich selbst durchaus auch psychisch manipulieren. Es hört sich einfach an, aber man kann beispielsweise mit dem Vorsatz ins Bett gehen nicht schlafzuwandeln", so Baier. Der Betroffene könnte sich auch den Wecker auf zwei, drei Stunden nach dem Einschlafen stellen, um zu der Zeit, zu der er für gewöhnlich schlafwandelt, richtig wach zu werden.

Schlafwandeln meist vererbt

In 80 Prozent der Fälle sei Schlafwandeln vererbt, so Zadra. Aber Schlafstörungen und Stress könnten auch Personen ohne Schlafwandler in der Familiengeschichte zu nächtlichen Spaziergängen führen. Wichtig sei bloß, dass man nicht im Stadium zwischen Schlafen und Wachsein hängen bleibe, so Baier.

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