Schlägerei im Viertelfinale: Deutschlands Frings von FIFA für ein WM-Spiel gesperrt!

Mittelfeldspieler muss damit im Halbfinale zusehen Außerdem Geldstrafe von 5.000 Schweizer Franken

Der Fußball-Weltverband FIFA hat Torsten Frings für das WM-Halbfinale gesperrt und damit im deutschen Lager Entsetzen und großes Unverständnis ausgelöst. "Wir sind enttäuscht. Wir waren der Meinung, dass wir einen schlüssigen Beweis für einen Freispruch geliefert hatte. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als die Entscheidung zu akzeptieren und alle Konzentration auf das Spiel gegen Italien zu richten", sagte Nationalteammanager Oliver Bierhoff.

Die FIFA-Disziplinarkommission sah es am Montag nach dem Studium neuer TV-Bilder und mehrerer Anhörungen als erwiesen an, dass der deutsche Nationalspieler Frings in einer Massenrangelei den Argentinier Julio Cruz mit der Faust ins Gesicht geschlagen hatte. Der Mittelfeldspieler kann erst in einem Finalspiel wieder eingesetzt werden und steht in dieser Partie unter Bewährung. Bei einer weiteren entsprechenden Verfehlung im nächsten halben Jahr müsste Frings, der auch 5.000 Schweizer Franken Strafe zahlen muss, erneut aussetzen.

"Wir finden es natürlich schade, dass etwas aufgerollt wurde, was zum einen abgeschlossen war. Und was zum anderen allein von den Argentiniern ausging. Wir waren nur die Reagierenden", erklärte Bundestrainer Jürgen Klinsmann zu den weit reichenden Nachwirkungen der Tumulte im Anschluss an das Viertelfinale Deutschland gegen Argentinien. Als Ersatz für Frings werden nun Tim Borwoski oder Sebastian Kehl erwartet.

Der Geschäftsführende DFB-Chef Theo Zwanziger ergänzte ernüchtert: "Ich bin schon ein Stück enttäuscht. Ich habe unsere Stellungnahme genau gelesen und bin davon ausgegangen, dass wir eine große Chance auf einen Freispruch haben."

Frings selbst hatte seine Unschuld beteuert und war auch vom vermeintlichen Opfer entlastet worden. "Ich bin nicht geschlagen worden oder habe es zumindest nicht gemerkt", sagte Cruz der italienischen "La Gazzetta dello Sport". Die Disziplinarkommission unter Vorsitz des Schweizers Marcel Mathier sah Frings dennoch schuldig.

Die FIFA war bereits durch die verspätete Sichtung von belastenden Fernsehbildern im "Fall" Frings in Bedrängnis und Erklärungsnot geraten. "Das kann passieren. Wichtig ist, dass so etwas nicht durchgeht", entgegnete FIFA-Mediendirektor Markus Siegler und betonte scharf: "Ich lasse es nicht zu, dass man uns vorwirft, dass wir die Arbeit nicht richtig gemacht haben."

Die Hinweise im aktuellen Fall seien keinesfalls vom italienischen Fußball-Verband gekommen. Vielmehr hätten laut Siegler mehrere FIFA-Verantwortliche die TV-Bilder zu Frings entdeckt. Bei der Verhandlung am Nachmittag war der DFB durch Team-Manager Oliver Bierhoff und Anwalt Christoph Schickhardt vertreten.

FIFA räumte Fehler im Fall Frings ein
Die FIFA hat Fehler im Fall Frings eingeräumt. "Die Entscheidung sollte mehr als einen Tag vor dem Spiel kommen", sagte FIFA-Präsident Joseph Blatter in Berlin. "Ja, wir haben Nachholbedarf in der Auswertung von Fernsehbildern oder von Evidenzen, die in einem Disziplinarfall gebraucht werden."

Er nehme es persönlich auf seine Kappe, dass die Auswertung so lange gedauert habe, sagte Blatter. Daraus müsse man für die Zukunft lernen. Die Disziplinarkommission habe die Entscheidung gefällt, nachdem der Deutsche Fußballbund sich schriftlich und mündlich zu dem Vorfall geäußert habe. Die Entscheidung sei bindend. Blatter betonte, die Kommission sei ein "eigenständiges juristisches Gebilde" und arbeite weder mit dem FIFA-Exekutivkomitee noch mit dem FIFA-Präsidenten zusammen. (apa/red)