Damen-Abfahrt Analyse von

Traurige Speed-Nullnummer

Keine einzige Medaille in Super-G oder Abfahrt für den ÖSV. Damen weit weg.

Andrea Fischbacher im Ziel der Damen-Abfahrt in Schladming © Bild: GEPA pictures/Kneisl

Jetzt ist es also tatsächlich passiert: Österreich hat bei der Heim-WM in Schladming in allen vier Speedbewerben keine einzige Medaille gemacht. Im letzten Event, der Damen-Abfahrt, belegten die ÖSV-Damen die Plätze 8, 10, 11, 18 und hatten mit Stefanie Moser einen Ausfall. Das ist vorsichtig gesagt, ein wenig wenig für die Ski-Nation Österreich. Und damit wächst der ohnehin große Druck noch weiter, wie Aktive und ehemalige ÖSV-Athleten einhellig bestätigen.

Dass bis auf Weltmeisterin Marion Rolland aber alle Fahrerinnen im Mittelteil bis zu einer Sekunde auf Nadia Fanchini verloren haben, war immerhin kein exklusives Problem der Österreicherinnen. Damit hat die italienische Vize-Weltmeisterin auch fast allen den Zahn gezogen. Erst die Französin Rolland raste mit Nummer 22 noch an ihr vorbei. Da hatten Top-Favoritinnen wie Maria Höfl-Riesch oder Tina Maze schon abgeschwungen und sich eine weitere Speed-Enttäuschung für die Gastgeber manifestiert.

Bei der letzten Weltmeisterschaft in Garmisch-Patenkirchen waren es noch drei Medaillen für den ÖSV in den schnellen Disziplinen, darunter zwei Goldene durch Elisabeth Görgl. Bei der letzten Heim-WM in St. Anton hat der ÖSV sogar sieben Medaillen in Super-G und Abfahrt geholt. Hannes Trinkl und Hermann Maier haben damals für einen Abfahrts-Doppelsieg gesorgt, Michi Dorfmeister, Renate Götschl und Selina Heregger sogar für einen dreifachen Erfolg bei den Damen. Davon waren die Österreicher 2013 teilweise sogar deutlich entfernt.

Die Herren hatten immerhin Pech und mit Klaus Kröll (Abfahrt) und Hannes Reichelt (Super-G) zwei vierte Plätze. Die Damen kamen aber über die Plätze acht (Abfahrt) und neun (Super-G) nicht hinaus. Insgesamt muss das leider als Debakel bezeichnet werden.

Hoffnung mit neuem Personal
Die gute Nachricht ist aber: Die Bewerbe, in denen der ÖSV schon die ganze Saison über stark war, kommen erst. Und mit ihnen auch einige Läufer, die an der bisherigen Pleite nicht beteiligt waren. Kathrin Zettel oder Marcel Hirscher werden am Speed-Trauma kaum zu kiefeln haben – und gerade Hirscher hat schon mehrfach bewiesen, unter Druck noch schneller zu sein. Und sollte Marlies Schild tatsächlich im Slalom starten, wird auch ihr das bisherige Abschneiden relativ egal sein.

Das Problem des ÖSV ist: Er war einfach zu gut. Natürlich bewegen sich die heimischen Ski-Sportler auf absolutem Top-Niveau. Das Land ist aber an überirdische Leistungen gewöhnt – und darauf verzichtet man eben nicht gern. Aber die Hoffnung auf eine insgesamt erfolgreiche WM lebt noch.

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