Schladming 2013 von

"So ein Scheiß"

Abfahrer Max Franz über seine WM, Enttäuschung, Selbstkritik & die Kollegen

Max Franz im Ziel der WM-Abfahrt in Schladming © Bild: GEPA pictures/Steiner

Max Franz gilt als Versprechen für die Zukunft. Bei der WM in Schladming blieb er aber unter seinen Möglichkeiten. Bei NEWS.AT hat der Kärntner seine Bilanz gezogen und über Selbstkritik gesprochen. Außerdem erklärt er, wie er Romed Baumann zu Kombi-Bronze gebrüllt hat und dass die Ski-Fans allgemein die Besten sind.

Deine WM ist ja schon seit der Abfahrt vorbei. Wie groß war die Enttäuschung, dass du unter deinen Möglichkeiten geblieben bist?
"Es ist vorbei und schade drum, dass so ein Blödsinn, so ein Scheiß passiert ist. Die Saison hat stark angefangen, dann bin ich ordentlich auf den Kopf gefallen. Das hat mich ein bisschen zurückgeworfen. Dann habe ich mich wieder gut zurückgekämpft. Nach dem guten Ergebnis in Kitzbühel habe ich eigentlich ein gutes Gefühl gehabt und war wieder fit. Und dann passiert in der Früh beim Training so was. Ich weiß gar nicht richtig, was ich dazu sagen soll. Ich muss es eh so nehmen, wie es ist. Ich habe es mir trotzdem nicht nehmen lassen, dass ich hier fahre. Jetzt heißt es fit werden für die restliche Saison."

Was nimmt man als junger Läufer von dieser WM mit und wie sie gelaufen ist?
"Das ganze Drumherum. Bei einer Heim-WM in Österreich ist das alles noch viel mehr. Und vor allem die Erfahrung für die nächste WM. Wie man an das Ganze herangeht."

»Einfach cool Skifahren«

Wie geht man mit der teils massiven Kritik um? Das ist ja sicher nicht lustig.
"Ja, aber ich versuche solche Sachen nicht an mich heranzulassen. Ich will einfach nur cool Skifahren. Das macht mir riesig Spaß. Das andere gehört mittlerweile dazu, aber für mich steht das Skifahren im Vordergrund. Den Rest muss man nehmen, wie er kommt. Ob’s gut ist oder schlecht."

Und wie selbstkritisch muss man als Sportler sein um Erfolg zu haben?
"Das kommt auf den Sportler an. Ich bin bei gewissen Sachen schon sehr dahinter. Leichte Fehler verzeihe ich mir schwer. Zum Beispiel in Beaver Creek. Das war schon kein Innenskifehler mehr, das war ein Hinlegen. Das hat mir mehr wehgetan, als der Ausfall. Der Ausfall kann passieren, aber solche Fehler verzeihe ich mir wirklich schwer."

Wie schwierig ist es dabei die Balance zwischen Selbstkritik und Selbstvertrauen zu finden?
"Gar nicht so. Man muss mit einer Leichtigkeit Skifahren, dann geht das alles. Du machst immer wieder Fehler und versuchst es besser zu machen. Teilweise gelingt das, teilweise nicht. Wenn du den ganzen Herbst trainierst und es schaut gut aus, dann kannst du locker in die Saison starten. Aber wenn du zum Beispiel immer ein bisschen zu früh am Innenski bist, dann steigst du nicht so leicht ein. Mit diesen Dingen kann man leicht umgehen, wenn man sich keinen zu großen Kopf deshalb macht."

Und wie tickst du?
"Ich zerbreche mir über solche Dinge nicht so recht den Kopf. Weil je länger ich weg bin von den Ski, umso mehr freue ich mich wieder drauf. Und wenn ich mich richtig aufs Skifahren freue, dann bin ich ganz gefährlich."

»Bist du deppert«

Wenn die WM für einen Sportler schon vorbei ist, wie sehr zittert man dann mit den Kollegen und Freunden mit?
"Bei der Superkombi war ich schon daheim. Da bin ich bis auf zehn Zentimeter am Fernseher dran gewesen und habe Romed Baumann beim Slalom hinuntergeschrien. Da habe ich mich voll hineingesteigert und mir gedacht: „Bist du deppert.“ Da ist es kurz mit mir durchgegangen."

Wie sehr berührt es dich dann, wenn du Erfolge der Kollegen siehst?
"Das ist schön. Ich gönne das jedem. Der Beste hat das an dem Tag verdient. Auch wenn ich selbst fahre. Lake Louise zum Beispiel. Svindal hat gewonnen, und zwar klar und deutlich. Mit der Fahrt gehörte es ihm einfach gegönnt. Da bin ich nicht neidisch. Ich habe mich riesig über meinen zweiten Platz gefreut. Das war meine Leistung, das habe ich verdient und das muss ich so hinnehmen."

Hat es dich überrascht, wie gut die Stimmung bei der Heim-WM ist? Dass es so abgeht, auch wenn kein Österreicher gewinnt?
"Nein. So sind die Fans. Wir waren letztes Jahr beim Weltcupfinale schon hier und da ist es auch richtig rund gegangen. Hier sind natürlich viele Österreicher, aber ich finde es cool, dass sie bei den anderen Nationen auch so schreien, jeden Läufer runterbegleiten. Als ich das erste Mal in Wengen war bin ich die Superkombi gefahren und es war richtig schwierig. Dann bin ich ins Ziel gekommen und die Leute haben so geschrien, dass ich mich gefragt habe: „Was ist jetzt los? Bin ich vorn, habe ich gewonnen?“ Dann habe ich mich umgedreht und war Letzter. Aber so sind die Fans und das ist richtig cool."

Das ist also allgemein beim Skifahren so?
"Ja, das ist überall so. Bei den Schweizern hat mich das schon sehr beeindruckt und hier auch. Es ist toll, dass die Fans nicht nur auf Österreich, sondern auch auf andere Nationen getrimmt sind."

»Richtig cooles Gefühl«

Sind das Momente in denen man weiß, warum trainiert?
"Das sind auch solche Momente. Es dürfen ja nicht viele runterfahren. Und dann bist du da unten auf einem großen Feld, wo du alleine stehst und die Leute jubeln dir zu. Das ist schon ein richtig cooles Gefühl. Und wenn du dann auch noch gut fährst und mitjubeln kannst, dann ist es noch cooler."

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