Schiffskatastrophe von

Festnahmen nach Wolga-Unglück

Ermittlungen gegen Schiffsbetreiber- Taucher bergen zahlreiche Leichen aus Wrack

Schiffskatastrophe - Festnahmen nach Wolga-Unglück © Bild: APA/EPA/Kochetkov

Drei Tage nach dem schweren Schiffsunglück auf der Wolga in Russland haben Taucher mittlerweile 112 Leichen aus dem Wrack geborgen. Darunter seien etwa 20 Kinder. "Wir vermuten in dem gesunkenen Ausflugsschiff 'Bulgaria' weitere Tote", sagte ein Sprecher der Rettungskräfte nach Angaben der Agentur Interfax.

Das Boot liege auf dem Grund auf der Seite und sei wegen der Dunkelheit in etwa 20 Metern Tiefe schwer zu durchsuchen. Die rund 750 Kilometer östlich von Moskau am Sonntag bei einem Sturm untergegangene "Bulgaria" soll nächste Woche gehoben werden.

Zwei Schiffsbetreiber festgenommen
Die Betreiber des Schiffes, von denen bereits zwei festgenommen wurden, hätten den technischen Zustand völlig vernachlässigt, berichteten Medien in Moskau. Zudem sei das Boot vor einiger Zeit in "Bulgaria" umbenannt worden, da es unter dem ursprünglichen Namen "Ukraina" zu große Schulden in Wolga-Häfen angehäuft habe. Ein Experte habe die nötigen Reparaturen an dem 1955 gebauten Boot auf umgerechnet 175.000 Euro geschätzt, dies hätten die Besitzer abgelehnt. Zudem sei die Crew seit Monaten nicht bezahlt worden. "Dass die Mannschaft rund 200 statt der erlaubten 140 Passagiere auf das Schiff ließ, beweist ihre Inkompetenz", sagte ein Ermittler.

Staatstrauer nach Unglück
Nach dem schweren Schiffsunglück gedachte das Land am Dienstag mit einer Staatstrauer der Opfer. An öffentlichen Gebäuden wurden Fahnen auf halbmast gesenkt, größere Veranstaltungen wurden abgesagt. Das Fernsehen verzichtete auf Werbe-und Unterhaltungssendungen. In der Stadt Kasan legten Menschen an der Wolga Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Nach letzten Angaben waren 79 Menschen gerettet worden.

Bei dem schwersten Schiffsunglück in Russland seit 25 Jahren starben auch der Kapitän und seine Frau. Insgesamt befürchten die Rettungskräfte mehr als 110 Todesopfer. Nach letzten Angaben waren 79 der schätzungsweise 200 Menschen an Bord gerettet worden.