"Schicksalswahl" in Tirol: Van Staa hatte bei Stimmabgabe "gemischte Gefühle"

Landeshauptmann rechnet nicht mehr mit Absoluter Widersacher Dinkhauser bekam schon Gratulationen

"Schicksalswahl" in Tirol: Van Staa hatte bei Stimmabgabe "gemischte Gefühle" © Bild: APA/Gindl

Die unsicheren Prognosen für die Tirol-Wahl haben auch die Spitzenkandidaten nicht kalt gelassen. Tirols Landeshauptmann Herwig van Staa ging "mit gemischten Gefühlen" in den Wahltag, wie er bei der Stimmabgabe mit Ehefrau Luise im Gemeindeamt Obermieming betonte. "Ich rechne mit keiner Absoluten mehr", sagte er. Für das Land sei der Urnengang "eine Schicksalwahl".

Van Staa war einer von mehr als 24.000 Wahlkarten-Wählern. Am Programm standen nach der Stimmabgabe im Bezirk Imst das Bataillonsfest der Schützen in Karres und die 100-Jahr-Feier des Landestrachtenverbandes in Stams, ehe es am Nachmittag in Richtung Innsbruck gehen sollte. "Ich rechne mit keiner Absoluten mehr", sagte Van Staa. Er kritisierte neuerlich das Antreten des früheren AK-Präsidenten Dinkhauser, "Er hat aufs eigene Tor geschossen", meinte er in Anspielung darauf, dass Dinkhauser ebenfalls VP-Mitglied ist. Dass der Wahlkampf so hart werde, habe er nicht erwartet, "das hat sich Tirol nicht verdient".

Bei der Stimmabgabe blieb auch Zeit für "Small-Talk" mit dem Bürgermeister und den anderen Beisitzern. "Wenig Leute?", fragte Van Staa, um vom Ortschef beruhigt zu werden: "Die kommen nach dem Kirchen-Gehen". "Aber da geh'n auch nicht mehr so viele hin", konterte der Landeshauptmann.

Auch Dinkhauser kam mit Gattin
Widersacher Fritz Dinkhauser kam mit Ehefrau Heidi zu seinem Wahllokal in einer Volksschule in Innsbruck-Mühlau und durfte gleich beim Eingang Glückwünsche eines seiner Wähler annehmen. Dass er aufgeregt sei, verneinte Dinkhauser nicht: "Das ist wie bei einer Geburt." Bauchgefühl habe er "kein Richtiges". Wenn es nach den Schulterklopfern während des Wahlkampfes gehe, müsste er eigentlich gut abschneiden. Aber eine Wahl sei wie das Wetter, genaues wisse man nie. Ausgezahlt habe sich die Kandidatur mit seiner Liste in jedem Fall, meinte der frühere Arbeiterkammer-Präsident. Denn durch ihn hätten die Parteien wieder die Menschen entdeckt, schrieb er sich Wahlkampf-Zuckerl wie Sozialfonds und Jugendlichen-Freifahrt auf seine Fahnen. Den Tag will Dinkhauser, der leger mit Jeans und sportlicher Jacke zur Urne schritt, zunächst mit einer Wanderung verbringen. Gleich nach der Stimmabgabe ging es zum Frühstück.

Wie Dinkhauser bereits um acht Uhr früh kam der Grüne Spitzenkandidat Georg Willi am Wahltag in Begleitung von seiner Frau und dem Innsbrucker Gemeinderat Gebi Mair zur Stimmenabgabe in einer Hauptschule im Innsbrucker Stadtteil Hötting. Das anvisierte Ziel von 20 Prozent werde schwierig werden. "Damals war die Kandidatur von Dinkhauser noch nicht fix. Aber wir wollten trotzdem dabei bleiben", so Willi. Sollten die Grünen Prozentpunkte verlieren, wäre das "bei dieser Konkurrenz erklärbar", meinte Willi vorsorglich. Gespannt sei er auf das Stimmverhalten der Jungwähler. Sein 16-jähriger Sohn gehe heute das erste Mal wählen. "Allerdings nicht mit den Eltern, das wäre zu uncool", lachte Willi. Nach einem Bach-Konzert um 11.00 Uhr sei er mit seiner Familie zum Ripperlessen bei einer Nachbarin eingeladen. In die Partei-Zentrale werde er erst eher spät gehen. Die ersten Ergebnisse werde er sich telefonisch durchgeben lassen.

Lockere Atmosphäre bei Gschwentner
In lockerer Atmosphäre gab SPÖ-Spitzenkandidat LHStv. Hannes Gschwentner seine Stimme ab. Ganz alleine spazierte er ins Marktgemeindeamt von Kundl, um gegen 9.30 Uhr recht gut gelaunt seinen Wahltag zu starten. Allzu viele Sorgen machte sich Gschwentner nicht. Denn ab jetzt könne man das Ergebnis ohnehin nicht mehr beeinflussen und müsse schauen, was der Wählerwille bringe. Den Tag wollte Gschwentner in erster Linie mit seiner Mutter verbringen, hatte er schon im Vorfeld verlauten lassen.

Zuversichtlich schritt FPÖ-Spitzenkandidat Gerald Hauser zur Wahl im Gemeindeamt seiner Heimat-Gemeinde St. Jakob in Defereggen. Der freiheitliche Landesobmann, derzeit in Wien als Nationalratsabgeordneter aktiv, rechnete bei der Stimmabgabe damit, die 10-Prozent-Grenze sicher überspringen zu können. ÖVP und SPÖ prophezeite er schwere Verluste. Begleitet wurde Hauser von seiner Frau Carmen und den Kindern Anna und Joachim. Nach der Wahl stand für die Hausers ein Kirchenbesuch an, danach wartete der freiheitliche Spitzenkandidat als Wahlzeuge ab, bis die Stimmen in St. Jakob ausgezählt sind. Am frühen Nachmittag soll es dann von Osttirol in Richtung Innsbruck gehen.

(apa/red)