Schauspielchefin der Wiener Festwochen
tot: Marie Zimmermann beging Selbstmord

51-Jährige sollte '08 Ruhrtriennale-Intendant werden "Große Trauer": Festwochen-Boss Bondy erschüttert

Schauspielchefin der Wiener Festwochen
tot: Marie Zimmermann beging Selbstmord

Die Schauspieldirektorin der Wiener Festwochen, Marie Zimmermann, ist tot. Zimmermann hat sich in einer psychiatrischen Klinik in Hamburg 51-jährig das Leben genommen. Ihren Tod bestätigte der Intendant der Wiener Festwochen, Luc Bondy. "Marie Zimmermann, meine Schauspieldirektorin und große Freundin, hat sich nach schwerer Krankheit entschlossen, aus dem Leben zu gehen. Ich und meine Freunde von den Wiener Festwochen sind mit großer Trauer erfüllt", so Bondy.

Marie Zimmermann wurde am 27. Dezember 1955 bei Aachen geboren, sie war seit 2001 Schauspieldirektorin der Wiener Festwochen. Für die Leitung des alle drei Jahre stattfindenden internationalen Festivals "Theater der Welt" in Stuttgart ließ Zimmermann sich 2005 als Schauspieldirektorin der Festwochen karenzieren und von Stefanie Carp vertreten. Ihr Vertrag mit den Wiener Festwochen hätte am 30. Juni 2007 geendet, ab kommenden Jahr sollte sie als Intendantin der Ruhrtriennale die Nachfolge von Jürgen Flimm antreten und das Festival bis 2010 leiten.

Betroffenheit von vielen Seiten
Die Hamburger Klinik, in der Zimmermann sich aufgehalten hatte, machte zur Todesursache Zimmermanns keine Angaben. Betroffenheit über den Tod Zimmermanns äußerten zahlreiche Kulturschaffende und Politiker. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, Kulturministerin Claudia Schmied und Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (alle S) zeigten sich bestürzt über das Ableben der "Lichtgestalt des Theaterlebens". Für den Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl, war sie "eine intellektuelle Vordenkerin, die immer das Gesamtgesellschaftliche im Auge hatte".

Betroffen hat sich die Intendantin des steirischen herbst, Veronica Kaup-Hasler, zum Tod von Marie Zimmermann geäußert. Der plötzliche Suizid Zimmermanns kurz vor dem Wechsel zur Ruhr-Triennale zeige, "wie fragil und verletzbar Menschen sein können, die scheinbar so stark sind und so einen Erfolgsweg hinter sich haben", sagte sie zur APA. Auch bei der Ruhrtriennale und im Wiener Volkstheater zeigte man sich schockiert und betroffen.

Mit ihrem Tod habe die deutschsprachige Bühne "eine inspirierende und leidenschaftliche Theatermacherin verloren" schrieben Ruhrtriennale-Intendant Jürgen Flimm, der nordrhein-westfälische Kultur-Staatssekretär Hans-Heinrich Grosse- Brockhoff und Jürgen Krings, der Geschäftsführer der Kultur Ruhr GmbH als Veranstalter der Triennale. "Voller Ideen" habe die 51-Jährige die Arbeit für ihre erste Spielzeit in der Saison 2008 bei dem bedeutenden Bühnenfestival übernommen. Unter Zimmermanns künstlerischer Leitung sollte das bedeutende Theater- und Opernfestival Programm-Bestandteil der Europäischen Kulturhauptstadt 2010 werden. Zimmermanns Planungen für die Ruhrtriennale sollen auch nach ihrem plötzlichen Tod fortgesetzt werden, verlautete laut dpa aus der Staatskanzlei in Düsseldorf.

Rabenhof: Brillante Gesprächspartnerin
Tief betroffen beklagt das Wiener Rabenhof Theater den Verlust von Marie Zimmermann. "Auf künstlerischer Seite war uns Marie Zimmermann durch ihren sehr persönlichen Zu- und Eingriff in die Wiener Theaterlandschaft ein unglaublich befruchtender Widerpart, der sich nie scheute, abseits der Hochkultur riskante Ideen zu verwirklichen; auf persönlicher Seite war sie uns eine brillante Gesprächspartnerin, die uns durch ihren unbestechlichen Außenblick immer wieder neue Horizonte eröffnen konnte", heißt es in einer Aussendung der Bühne.

Morak tief betroffen
Tief betroffen ist auch ÖVP-Kultursprecher Franz Morak über den Freitod der Festwochen-Schauspieldirektorin. "Das ist ein großer Verlust für das österreichische und internationale Kulturleben und ein großer Schmerz für alle, die Marie Zimmermann kannten, mit ihr arbeiten und Kultur erleben durften", so Morak in einer Aussendung.

Der ÖVP-Kultursprecher und vormalige Kunst-Staatssekretär würdigte Zimmermann auch in der laufenden Sitzung des Kulturausschusses im Parlament als "Spitzenmanagerin im Kulturbereich, die das Wiener und österreichische Kulturleben mit Sensibilität und Begeisterung bereichert hat. Sie hat die Kunst kompromisslos gelebt und weitergegeben. Wir werden sie sehr vermissen."

(apa/red)