Schattenseiten eines wirtschaftlichen Auf- stiegs: Chinas Umweltsituation alarmierend

Zunehmend schwere Probleme bei Wasserversorgung Auch Luftverschmutzung & Abholzung Problemfelder

Laut aktuellem Ranking des Weltwirtschaftsforums liegt China in punkto Wettbewerbsfähigkeit weltweit auf dem 13. Rang und damit vor Ländern wie Kanada, Australien oder Österreich. Die wirtschaftliche Stärke des 1,3-Milliarden-Einwohner-Landes hat jedoch ihren Preis, wie ein Blick auf die aktuelle Umweltsituation zeigt. Im Bereich der Trinkwasserversorgung kommt es zunehmend zu schweren Problemen. Daneben sind die fortschreitende Luftverschmutzung sowie die Abholzung von Waldbeständen Problemfelder, die Sorge bereiten.

Laut Geo Jahrbuch 2006 des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) mussten im vergangenen Jahr im Norden des Landes 96 Mio. Menschen ohne adäquate Wasserversorgung auskommen. In den südwestlichen Regionen hatten mehr als 17 Mio. Menschen mit Trinkwasserknappheit zu kämpfen. Eine Umfrage in 600 chinesischen Städten ergab, dass zwei Drittel von ihnen unzureichende Wasservorräte aufwiesen. Eine von sechs Städten war von akuter Wasserknappheit bedroht. Der Grund für diese Probleme liegt einerseits in vermehrt auftretenden Dürreperioden. Andererseits sind viele Grundwasservorräte durch die achtlose Entsorgung industrieller Abwässer verseucht und für die Verwendung als Trinkwasserquellen unbrauchbar geworden.

Wenig Anlass zur Freude gibt ein Blick auf die Situation der Luftqualität: Laut Informationen der Internetplattform http://www.china2day.de produziert China nach den USA heute global die meisten Treibhausgase. Der wichtigste Brennstoff ist nach wie vor Kohle, bei dessen Verbrennung Schwefeldioxid (SO2) entsteht. Dieses ist verantwortlich für den sauren Regen. Die Folge sind unter anderem ein Lungenkrankheits- und Krebsrisiko, das in China weit über dem in anderen Ländern liegt. Laut einem Bericht der Weltbank sind es vor allem die Bewohner der Städte im Norden Chinas, darunter Peking, Qingdao oder Linfen, die unter hohen Schadstoffwerten in der Luft zu leiden haben.

In Bezug auf die Urwaldbestände in Asien schlug die Umweltschutzorganisation Greenpeace im Vorjahr Alarm: Nachdem fortschreitende Abholzung, etwa im Bereich des Gelben Flusses sowie im Umfeld der Gewässer Jangtse, Songhua und Nen, schon 1998 zu schweren Überflutungen geführt hatten, schränkte die Regierung die den Abbau von Waldbeständen im eigenen Land zwar ein. Bis dahin verursachte Schäden des Ökosystems gelten dennoch als irreparabel. Abgesehen davon ist China als einer der weltgrößten Produzenten von Sperrholz, Möbel und Papier nun dazu übergegangen, dafür benötigte Ressourcen aus nahen Ländern wie Papua-Neuguinea oder Indonesien zu importieren. Traurige Konsequenz: Chinas Erfolg auf dem Exportmarkt wird zur Bedrohung für die dortigen Urwälder.

Laut Informationen von http://www.china2day.de liegen die Wurzeln der aktuellen Probleme Jahrzehnte zurück: Während des von Mao ausgerufenen "Großen Sprungs" von 1958 bis 1960 sei massiv in die Natur eingegriffen worden. Zahlreiche Wälder seien abgeholzt, Moore und Feuchtwiesen trockengelegt worden. Bis zu den 1970er Jahren hätte man zahlreiche Umweltprobleme überhaupt ignoriert. Ausgeschöpfte, verschmutzte und daher nicht mehr weiterverwendbare natürliche Ressourcen sind die Probleme, mit denen das heutige China konfrontiert ist.

(apa/red)