Scharner zurück im Team! Brückner holt
"Rebellen" wieder in Nationalmannschaft

Wigan-Legionär ersetzt verletzten Rene Aufhauser Auch Janko für Spiel gegen Italien nachnominiert

Scharner zurück im Team! Brückner holt
"Rebellen" wieder in Nationalmannschaft © Bild: Reuters/Zolles

Paul Scharner kehrt bereits im Rahmen des Testspiels gegen Italien am Mittwoch in den Kreis der österreichischen Nationalmannschaft zurück. Der England-Legionär wurde von Teamchef Karel Brückner für das Duell mit dem Weltmeister nachnominiert, weil Rene Aufhauser wegen einer Muskelverhärtung im Oberschenkel absagen musste. Dafür wurde dessen Salzburg-Clubkollege Marc Janko zusätzlich ins Aufgebot geholt, das nun auf 20 Spieler angewachsen ist.

Scharner zeigte sich in einer offiziellen ÖFB-Aussendung über sein Comeback erfreut. "Ich bin froh und glücklich, dass es noch geklappt hat mit der Einberufung. Ich werde mit aller Kraft versuchen, gute Leistungen für die Nationalmannschaft zu bringen und möchte meinen Teil dazu beitragen, dass wir ab September eine gute und erfolgreiche Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Südafrika spielen können", wurde der Niederösterreicher zitiert.

Zuletzt 2006 im ÖFB-Team
Zum bisher letzten Mal spielte der Wigan-Kicker am 16. August 2006 (1:2 gegen Ungarn in Graz) für die ÖFB-Auswahl und erklärte danach mit Hinweis auf das damalige Niveau der Mannschaft, er wolle nicht mehr für das Nationalteam spielen. Wenige Monate vor der EURO 2008 bat der Niederösterreicher um eine Rückkehr, stieß aber beim damaligen Teamchef Josef Hickersberger auf taube Ohren. Der Brückner-Vorgänger pardonierte zwar Emanuel Pogatetz nach dessen heftiger Kritik, beim zweiten Premier-League-Legionär kannte der 60-Jährige aber kein Pardon.

Ursprünglich hatte Brückner gegen Italien noch auf eine Nominierung von Scharner verzichtet, da dieser vor einigen Tagen wegen einer Bänderverletzung im Knöchel eine rund zehntägige Trainingspause hatte einlegen müssen. Zum Premier-League-Auftakt bei West Ham United (1:2) war der 28-Jährige aber bis zur 83. Minute im Einsatz - allerdings in seiner bei Wigan gewohnten Position als Innenverteidiger, während der 15-fache Internationale diesmal im ÖFB-Team aufgrund des Ausfalls von Aufhauser wohl im zentralen defensiven Mittelfeld vorgesehen ist.

Kontroversen um Spiel-Position
Die Frage seiner Spiel-Position war für Scharner stets eine essenzielle - so verweigerte er im Herbst 2003 bei der Austria seine Einwechslung, weil ihn der damalige Austria-Coach und nunmehrige deutsche Teamchef Joachim Löw für das rechte Mittelfeld vorgesehen hatte, während sich der dreifache Familienvater einen Einsatz im Zentrum wünschte.

Seine Zeit am Wiener Verteilerkreis war mit dieser Aktion beendet. Scharner ging nach Salzburg und im Sommer 2004 zu Brann Bergen. Von Norwegen schaffte er im Dezember 2005 den Sprung zu Wigan, wo er im Jänner 2006 im Liga-Cup-Semifinal-Hinspiel gleich in seiner ersten Partie für seinen neuen Club den Siegestreffer zum 1:0 erzielte. Erst vor knapp drei Wochen verlängerte der körperlich starke, aber als eigenwillig geltende Spieler, der eng mit Mentalbetreuer Valentin Hobel zusammenarbeitet, seinen Vertrag in Wigan bis 2011.

Von den Fans der "Latics" wurde Scharner zum besten Spieler des Vereins in der vergangenen Saison gewählt. Unter den aktuellen österreichischen Teamspielern könnte er weniger Anhänger haben, schließlich dürften einige österreichische Internationale seine Aussagen beim Team-Rücktritt 2006 noch im Hinterkopf haben. (apa/red)