Scharfe Kritik von Tierschützern an Zoo: Zucht nur fürs "Geschäft" mit Tierbabys?

Schönbrunn als "Vergnügungspark für Menschen" Tiergarten wehrt sich: Keine "aktive" Vermarktung

Scharfe Kritik hat der Österreichische Tierschutzverein (ÖTV) am Tiergarten Schönbrunn und der Zucht in Zoos geübt. Der kleine Eisbär "Knut" habe dem Berliner Zoo bisher einen zweistelligen Millionenbetrag eingebracht, der Wiener Zoo wolle am "Millionengeschäft" mit Tierbabys offenbar ebenfalls mitnaschen und züchte "auf Teufel komm raus", beanstandete die Organisation in einer Aussendung.

In Schönbrunn wurde der Vorwurf entschieden zurückgewiesen. "Da müssen wir viel mehr auf gutes Wetter hoffen, als auf große Attraktionen", so das trockene Kommentar von Zoosprecher Gerhard Kasbauer zu vermeintlichen Finanzerfolgen durch mehr Nachwuchs. Bei der Vermarktung würde diesbezüglich "nichts aktiv" betrieben. Tierbabys seien "natürlich eine Attraktion bei Besuchern", aber nicht ausschlaggebend bei den Gästezahlen, ganz im Gegenteil zu neuen Gebäuden wie dem 2000 eröffneten Aquarienhaus.

"Im Prinzip ist das natürlich ein absolut unsinniger Vorwurf", sagte Kasbauer zur APA. "Es ist weder steuerbar, noch verhinderbar, ob es Nachwuchs gibt." Das Panda-Babys werde in nächster Zeit vor allem "Geld kosten", da Systeme für Besucherströme und Videoübertragungen geschaffen werden müssten. Durch die "weltweite Sensation" werde es natürlich mehr Besucherinteresse geben, Geld, das dadurch hereinkomme, werde allerdings zum Teil wieder in Panda-Artenschutzprojekte in China investiert.

"Vergnügungsparks für Menschen"
Tiergärten seien nur "Vergnügungsparks für Menschen", kritisierte der ÖTV. Nach Nachwuchs bei Panda und Giraffen hoffe man in Schönbrunn nun auf Koala- und Eisbär-Babys. Dabei rate die EU diese Bären nicht mehr in Zoos zu halten. Die Zucht und der "Irrsinn der Zoohaltung" erfolge unter dem Vorwand des Artenschutzes, die Tiere würden ihr ganzes Leben in einer artfremden Umgebung eingesperrt.

Zoo: Betreiben Artenschutz
In den vergangenen zehn Jahr habe es in Schönbrunn ca. fünf Eisbärbabys gegeben, bei keinem habe es eine Vermarktung wie bei Knut gegeben, so Kasbauer. Der Hintergrund von Artenschutz sei Bewusstseinsbildung und die Nachzucht von aussterbenden Arten samt Auswilderungsprojekten. Statt der Prämise "lieber aussterben, als im zu Zoo halten", wolle man in Schönbrunn für die Erhaltung von bedrohten Rassen sorgen. (apa/red)