Scharfe Kritik von Busek an Schönborn:
Klare Distanzierung zu Islam-Kritik vermisst

Müsse dem Kardinal 'geistigerweise eine runterhauen' Zweiter NR-Präsident Spindelegger über Kritik empört

Scharfe Kritik von Busek an Schönborn:
Klare Distanzierung zu Islam-Kritik vermisst © Bild: APA/Oczeret

Scharfe Kritik an Kardinal Schönborn in Zusammenhang mit den islamfeindlichen Äußerungen aus der FPÖ hat Ex- ÖVP-Vizekanzler Busek geübt. Der wichtigste Kirchenvertreter Österreichs müsse sich entschieden gegen die "Hasskampagnen" stellen. Er habe das Gefühl, es müsse jemand dem Kardinal erst "geistigerweise eine herunterhauen", bis er aufwache, so Busek in der "Süddeutschen Zeitung".

In der "ZiB2" erklärte der EU-Koordinator für den Südosteuropa- Stabilitätspakt seine Forderung damit, dass alle in der Zivilgesellschaft, die "Orientierungsfunktion" haben, auch Orientierung geben sollten. Aus der Erzdiözese Wien hieß es, es müssten sich nicht nur Spitzenrepräsentanten melden.

Spindelegger: "Keine glückliche Aktion"
Die ungewöhnlich scharfe Kritik von Busek hat der Zweite Nationalratspräsident Michael Spindelegger am Donnerstag zurückgewiesen. Spindelegger erklärte, es sollte vermieden werden, die von der Grazer FPÖ-Spitzenkandidatin Susanne Winter gewählte Diktion fortzusetzen. "Das ist nicht der Stil, den wir von Erhard Busek gewohnt sind", so Spindelegger. Die Wortmeldung des ehemaligen Vizekanzlers und ÖVP-Obmanns sei jedenfalls "keine sehr glückliche Aktion". Spindelegger betonte, "man muss es der Kirche überlassen, wie und wann sie auf Ereignisse reagiert". Vertreter der katholischen Kirche hätten sich klar zu Wort gemeldet und daher sei "ganz klar, dass die Kirche diese Diktion und diese Form des Angriffs auf eine Religion entschieden ablehnt".

Kommentar dennoch erwünscht
Spindelegger räumte jedoch ein, dass auch er es begrüßen würde, wenn sich Kardinal Schönborn zur aktuellen Diskussion zu Wort melden würde. In Kürze wird Kardinal Schönborn beim Empfang des Ökumenischen Rates der Kirchen im Erzbischöflichen Palais eine Rede halten. Sein Pressesprecher, Erich Leitenberger, erklärte auf Anfrage, der Kardinal werde gewiss nicht zu den "Vorfällen in Unterpremstätten" direkt Stellung nehmen. Der Kardinal nutze die Rede beim jährlichen Empfang des Ökumenischen Rates üblicher Weise jedoch für eine "Tour d'Horizon" über die Entwicklungen in Gesellschaft, Kirchen und Religionen. (apa/red)