Schade ÖTV, alles ist vorbei: Argentinier für Österreichs Daviscup-Team doch zu stark

1:4 - Melzer ging gegen Jung-Star del Potro unter Russland erst nach Kampf im Daviscup-Viertelfinale

Schade ÖTV, alles ist vorbei: Argentinier für Österreichs Daviscup-Team doch zu stark

Das österreichische Daviscup-Team muss seit der Rückkehr in die Weltgruppe im Jahr 2004 zum vierten Mal en suite in die Relegation. Nach 0:5-Niederlagen in den USA und Australien sowie dem Heim-2:3 im Vorjahr gegen Australien scheiterte die ÖTV-Truppe diesmal in der Linzer Intersport-Arena an Argentinien. Die Vorentscheidung zum 1:3 brachte eine 5-Satz-Niederlage von Jürgen Melzer gegen den Daviscup-Debütanten Juan Martin del Potro.

Die Mannschaft von Gilbert Schaller muss nun zumindest ein weiteres Jahr darauf warten, um zum ersten Mal seit 1995 bzw. zum insgesamt vierten Mal in ein Weltgruppen-Viertelfinale einzuziehen. Um diese Chance zu bekommen, ist das Überstehen der für 21. bis 23. September angesetzten Relegation Voraussetzung. Der Gegner wird am 11. April in London zugelost. Die Aufgabe könnte um nicht vieles leichter werden, als es jene gegen Argentinien war.

Gegen den Vorjahres-Finalisten war durchaus mehr drinnen, doch blieben die Gastgeber bis zur Entscheidung ohne Einzel-Erfolg. Nach der Niederlage von Stefan Koubek gegen Jose Acasuso war die Dreisatz-Schlappe von Melzer gegen Guillermo Canas wohl der Knackpunkt. Doch Österreichs Nummer eins hätte beim 6:7(4),6:3,4:6,6:4,2:6 gegen Del Potro die Wende einleiten können. "Eigentlich war ich der Fittere. Ich habe alles gegeben, was ich gehabt habe."

Der Weltranglisten-30. hatte gegen den von Argentiniens Kapitän Alberto Mancini anstelle von Acasuso aufgebotenen Del Potro eine im Grunde starke Leistung geboten, musste nach unnötigen Fehlern aber zwei Satz-Rückständen nachlaufen. Im 5. Satz hatte man dann Vorteile für Melzer erwartet, denn sein Gegner war in solchen Marathons ohne Erfolgserlebnis gewesen. Melzer: "Aber er hat dann den 2. Aufschlag mehr attackiert, mehr Winner geschlagen."

Damit machte der aufstrebende Youngster seinen Fitness-Mangel wett. Schaller: "Vor Del Potros Leistung muss man den Hut ziehen. Er war konsequenter. Jürgens Leistung war spielerisch okay. Aber er hatte leider Hänger, war in wichtigen Situationen zu nervös." Mancini lobte den Weltranglisten-67. Del Potro - "Ein großer Spieler, der noch größer werden kann" - und hob die Dichte an guten Spielern als wesentlichen Trumpf der Argentinier hervor.

Bei Melzer war in Satz 5 beim Break zum 5:2 nicht nur nochmals Hoffnung aufgekommen, sondern es wurden auch Schmerzen einer Handgelenksblessur akut. Diese hatte er sich in Melbourne bei der Niederlage gegen den Spanier Tommy Robredo zugezogen. "Ich habe vor dem Daviscup eine Kortison-Spritze erhalten, aber jetzt muss ich mir etwas überlegen. Mit Schmerzen kann ich nicht spielen." Nun will der 25-Jährige auf US-Tournee gehen.

Das Abschluss-Einzel hat schließlich Alexander Peya gegen Guillermo Canas mit 6:4,1:6,4:6 verloren, womit die Gäste die Heimreise als 4:1-Sieger antraten. Peya wäre auch beim Stand von 2:2 an Stelle von Stefan Koubek zum Einsatz gekommen, das hatte Gilbert Schaller schon vor der Partie von Jürgen Melzer entschieden gehabt. Für Peya war es in seinem 13. Daviscup-Match die 8. Niederlage, dabei hat er 2 von 6 Singles verloren.

Die Leistung des Zagreb-Halbfinalisten gegen den ehemaligen Top-Ten-Spieler war aber dennoch passabel. "Alex hat mehr den Weg nach vorne gesucht als es Stefan macht", erklärte Schaller seine Entscheidung für Peya. "Nur fehlte ihm die Konstanz." Der Weltranglisten-106. selbst sah die Wende Anfang des 2. Satzes. "Im 1. habe ich gut aufgeschlagen. Aber dann hat Canas besser ins Spiel gefunden." Im Endeffekt gab das ÖTV-Team alle vier Einzel ab.

Die Argentinier machen sich hingegen nun ein weiteres Mal auf den Weg, den Daviscup erstmals zu gewinnen. Wie immer seit 2002 haben sie die 1. Runde nun einmal überstanden - zum sechsten Mal en suite. Vom 6. bis 8. April trifft der Vorjahres-Finalist nun auswärts auf Schweden, die Skandinavier setzten sich in Weißrussland 3:2 durch.

Russland erst nach Kampf im Daviscup-Viertelfinale
Wirklich spannend haben es in den Tennis-Daviscup-Erstrundenbegegnungen nur Australien und Titelverteidiger Russland gemacht. Letztere fixierten erst im entscheidenden fünften Spiel den Aufstieg in das Viertelfinale, Australien verlor den entscheidenden Punkt gegen Belgien und muss nun wie Österreich in die Relegation. Vorzeitig hatten sich Deutschland, Spanien, Frankreich, Argentinien, Schweden und die USA für die besten Acht der Weltgruppe qualifiziert.

Chile verpasste gegen Russland nur knapp den Sturz des Vorjahres-Champions. Nachdem Australian-Open-Finalist Fernando Gonzalez gegen Marat Safin zum 2:2 ausgeglichen hatte, holte Igor Andrejew gegen Nicolas Massu noch die Kastanien für die Vorjahres-Champions aus dem Feuer. Lleyton Hewitt konnte das vorzeitige Aus seines Teams zwar durch den Sieg gegen Olivier Rochus noch verhindern, Kristof Vliegen besiegelte dann jedoch mit einem Dreisatz-Erfolg über Chris Guccione das Ausscheiden der "Aussies".

Auch der Sieger von 2005 muss in diesem Jahr in die Relegation: Kroatien unterlag Deutschland mit 2:3. Den entscheidenden Punkt holte Tommy Haas, der gegen Ivan Ljubicic in drei Sätzen erfolgreich blieb. Im Viertelfinale (6.-8. April) trifft Deutschland nun auswärts auf Belgien. Die USA spielen nach dem 4:1-Sieg über Tschechien gegen Spanien, das 3:2 gegen die Schweiz gewann. Frankreich (4:1 gegen Rumänien) bekommt es nun mit Russland zu tun, Österreich-Bezwinger Argentinien muss gegen Schweden (3:2 gegen Weißrussland) antreten.

Endstand Österreich - Argentinien: 1:4
Argentinien damit im Viertelfinale gegen Schweden

Stefan Koubek - Jose Acasuso 6:7(6),1:6,4:6
Jürgen Melzer - Guillermo Canas 6:7(6),2:6,4:6
Julian Knowle/Melzer - Acasuso/Sebastian Prieto 6:3,6:7(2),6:1,7:5
Melzer - Juan Martin del Potro 6:7(4),6:3,4:6,6:4,2:6
Alexander Peya - Canas 6:4,1:6,4:6

(apa/red)