Sausgruber will es noch einmal wissen:
Will die "rot-grüne Philosophie" verhindern

Landeshauptmann regiert nur mit Absoluter weiter Kritiker sprechen ihm jegliche Fähigkeit zur Vision ab

Sausgruber will es noch einmal wissen:
Will die "rot-grüne Philosophie" verhindern © Bild: APA/Stiplovsek

Vorarlbergs Landeshauptmann Herbert Sausgruber will es noch einmal wissen: Der 63-Jährige möchte weiterregieren, das aber nur mit einer absoluten Mandatsmehrheit. Ein Hauptmotiv für seine Wiederkandidatur ist - das sagt Sausgruber klar - die "rot-grüne Philosophie" zu verhindern. Sollte es mit der Absoluten nicht klappen, wird der seit 1997 amtierende Regierungschef zurücktreten.

Die Politik "seiner" ÖVP umfasst ein weites Spektrum von (ziemlich) weit links bis (ziemlich) weit rechts. Sozial gibt sich die Landes-ÖVP unter Sausgruber etwa, indem sie Zuschüsse für Familien und Pflege erhöht, die Tarife für Strom und öffentlichen Verkehr einfriert und den höchsten Heizkostenzuschuss aller Länder hat. Andererseits beschlossen ÖVP und FPÖ 2008 ein Gesetz, das den Bau von Minaretten möglichst verhindern soll.

Verwalter, nicht Gestalter
Sausgruber ist Umfragen zufolge der mit Abstand bekannteste und beliebteste Politiker im Ländle - was alles andere als Zufall ist. Werte, Denkweise und Auftreten des Landeshauptmanns scheinen zum westlichsten Bundesland zu passen: Vorarlbergs Regierungschef zeigt sich stets offen und freundlich, legt seine Zurückhaltung aber so gut wie nie ab. In der Sache ist Sausgruber keiner, der seine Position leicht aufgibt. Seine Vision ist ein wirtschaftlich starkes Vorarlberg mit menschlichem Antlitz. Seine Kritiker im Ländle sprechen ihm freilich jegliche Fähigkeit zur Vision ab. Für sie ist Sausgruber Verwalter, nicht Gestalter.

In Wien ist Sausgruber für seine alemannische Liebe zu größtmöglicher Eigenständigkeit bekannt, als Verfechter der Rechte der Länder und des Subsidiaritätsprinzips. Als alemannische Eigenschaft gilt auch Sausgrubers tiefe Heimatverwurzelung. Ihm möglicherweise zugedachte Aufgaben in der Bundeshauptstadt hat er stets abgelehnt.

Politische Bilderbuchkarriere
Sausgrubers Ernennung zum Landeshauptmann am 2. April 1997 war die beinahe logische Konsequenz einer politischen Bilderbuchkarriere: Seit 1972, nach seiner Promotion zum Doktor der Rechte und der Gerichtspraxis, steht Sausgruber im Landesdienst. Die politische Laufbahn begann drei Jahre später, als Sausgruber in seinem Heimatort Höchst (Bezirk Bregenz) in die Gemeindevertretung gewählt wurde.

1979 in den Vorarlberger Landtag gekommen, übernahm Sausgruber bereits 1981 das Amt des Klubobmanns der ÖVP-Fraktion. Seit Oktober 1986 ist Sausgruber Landesparteiobmann der Vorarlberger Volkspartei und hat dort das alleinige Sagen. Am 24. Oktober 1989 wurde er erstmals in die Landesregierung berufen, im Mai 1990 zum Landesstatthalter (Landeshauptmannstellvertreter) gewählt. Nach der Landtagswahl 1994 wurde er zum Nachfolger des damaligen Landeshauptmanns Martin Purtscher designiert. 1999 und 2004 wurde Sausgruber als Landeshauptmann wiederbestellt. 2004 eroberte die ÖVP bei der Landtagswahl außerdem die fünf Jahre zuvor erstmals verlorene absolute Mandatsmehrheit zurück.

Sausgruber ist seit 1973 mit seiner Frau Ilga verheiratet, Vater zweier Söhne sowie einer Tochter sowie vierfacher Großvater. Als politisches Vorbild gibt er u.a. den Vorarlberger Alt-Landeshauptmann Ulrich Ilg an. Zum Ausgleich geht Sausgruber täglich joggen.

(apa/red)