"Sauna-Affäre": Gerichtliche Vorerhebung gegen Kripo-Chef Ernst Geiger beantragt

Soll Bordellbesitzer über Razzien informiert haben Verdacht des Amtsmissbrauchs steht im Raum<br>PLUS: Auch Ex-Regierungsmitglieder verwickelt?

In der "Sauna-Affäre" hat die Staatsanwaltschaft am Donnerstag wegen des Verdachts auf Verletzung des Amtsgeheimnisses die Einleitung gerichtlicher Vorerhebungen gegen den Top-Kriminalisten Ernst Geiger beantragt. Er war am Mittwoch vom Dienst suspendiert worden, weil ihm angelastet wird, einem Betreiber eines Rotlicht-Etablissements Tipps über zumindest eine anstehende Razzia gegeben zu haben. Er selbst bestreitet die Anschuldigungen.

Nach einem vorläufigen Bericht des Büros für Interne Angelegenheiten (BIA) stehe weiter der Verdacht des Amtsmissbrauchs im Raum, begründete Polizeipräsident Peter Stiedl der APA die Suspendierung des Leiters der kriminalpolizeilichen Abteilung. Stiedl: "Der Kollege Geiger bestreitet die Vorwürfe." Dem Kriminalisten wird angelastet, "in zumindest einem Fall eine bevorstehende Razzia verraten" zu haben.

Weitere Karriereambitionen Geigers dürften unabhängig vom Ausgang eines allfälligen Gerichtsverfahrens jedenfalls fürs erste dahingeschmolzen sein. Wie Stiedl im ORF-Mittagsjournal sagte, kann der Beamte sich wegen des anhängigen Disziplinarverfahrens nicht für den Posten des Leiters der kriminalpolizeilichen Abteilung bewerben. Derzeit ist Geiger interimistischer Chef der im Vorjahr neu geschaffenen behördlichen Dienststelle. Die endgültige Besetzung soll in absehbarer Zeit per Ausschreibung festgelegt werden.

Konkret soll es bei den Vorwürfen um eine Razzia gehen, die am 10. März in dem Saunaclub hätte stattfinden sollen. Geiger soll diese Polizeiaktion telefonisch dem Besitzer des Clubs "gesteckt" haben. Er selbst wies diese Vorwürfe bei seinen Einvernahmen zurück.

Geigers Stimme bei Überwachung aufgezeichnet
Die Überwachung der Ferngespräche des Saunabetreibers war gerichtlich angeordnet worden, dabei zeichneten die Ermittler auch Geigers Stimme auf. Bei den Gesprächen handle es sich um "textliche Aussagen, die in eine bestimmte Richtung interpretiert werden könnten", so Stiedl. Die Razzia wurde daraufhin nicht durchgeführt, hieß es aus Ermittlerkreisen.

Rund um den Club untersucht die Polizei auch geschäftliche Verbindungen zum ehemaligen Libro-Manager Andre Rettberg: Laut Landeskriminalamt Niederösterreich steht der Verdacht im Raum, dass das Etablissement mit Geldern von Rettberg mitfinanziert worden ist. "Es gibt derzeit noch aktuelle laufende Ermittlungen", sagte ein Ermittler. Die Gelder könnten Teil von Rettbergs Vermögen sein, so der Kriminalist: "Wir suchen einen Haufen Geld, insgesamt rund 70 Millionen Schilling (5,09 Mio. Euro, Anm.)."

Ex-Regierungsmitglieder verwickelt?
Im Zuge der Sauna-Affäre sind auch die Namen früherer Spitzenpolitiker in den Medien aufgetaucht. Unter anderem soll der frühere SP-Innenminister Karl Schlögl zu dem Geschäftsführer des Saunabetriebes geschäftliche Beziehungen unterhalten haben. Laut "Standard" sind auch der ehemalige Finanzminister Andreas Staribacher und Ex-Staatssekretär Peter Wittmann mit dem Mann in Verbindung gestanden.

Der nunmehrige SPÖ-Abg. Peter Wittmann hat "ehrenrührige" Darstellungen über geschäftliche Beziehungen zum Geschäftsführer des Saunabetriebes zurückgewiesen. Er sei weder geschäftlich noch privat "involviert". "Dieser Vorwurf ist völlig aus der Luft gegriffen", erklärte Wittmann im Nationalrat, nachdem die ÖVP das Thema aufs Tapet gebracht hatte.

(apa/red)