Saudis halten Tiroler Gastgeber auf Trab: Hektische WM-Vorbereitung in Österreich

Gebetsraum, exklusive Zimmer und eigener Koch "Stammgast" Tschechien gibt sich wieder pflegeleicht

"Stammgast" Tschechien und Saudi-Arabien haben ihre Vorbereitungsstützpunkte für die bevorstehende WM 2006 in Seefeld aufgeschlagen. Die Tiroler Gastgeber hatten es dabei mit zwei WM-Teilnehmern zu tun, die unterschiedlicher kaum sein hätten können. Während die Tschechen auf Extras größtenteils verzichteten, waren die Saudis da schon um einiges anspruchsvoller.

Die Tschechen vertrauen wie auch in der Vorbereitung auf die EM 2004 in Portugal (Out in Halbfinale) auf Tiroler Luft. "Die brauchen keine Extras, da läuft alles routinemäßig ab", berichtete Otmar Sommer, der Leiter des Sportsekretariats von Seefeld. Die Tschechen sind mit insgesamt 45 Personen angereist, trainiert wurde zweimal täglich am Seefelder Fußball-Platz.

Tschechen-Coach Karel Brückner, der den wiedergenesenen Salzburger Sturmtank Vratislav Lokvenc in den Kader berufen hat, war auch diesmal wieder zufrieden: "Es hat alles geklappt." Bezüglich WM wollte der Cheftrainer nicht viel sagen: "Abwarten, es ist ein Turnier." Auch der Ex-Austrianer Libor Sionko war in Seefeld, der nunmehrige Glasgow-Rangers-Kicker steht zwar nur auf Abruf, der WM-Einsatz von Routinier Vladimir Smicer ist jedoch mittlerweile in weite Ferne gerückt.

Tschechien: Professionell aber wortkarg
Professionell, abgeschirmt und zurückhaltend bereiteten sich also die Tschechen auf ihren Auftritt in Deutschland vor, begleitet von einem riesigen Journalisten-Tross gaben sich die Tschechen in nobler Zurückhaltung. Als das Brückner-Team im restlos ausverkauften Stadion von Axams, gegen den dortigen Westliga-Klub antrat (9:0) wollten die Spieler keine Interviews geben.

Interviews gab es keine, aber die unzähligen Fans und Kinder kamen auf ihre Rechnung. So schrieb Superstar Pavel Nedved mit einem tief ins Gesicht gezogenen Kapuzen-Sweater geduldig Autogramme.

Gebetsraum, exklusive Zimmer und eigener Koch
Saudi-Arabien brachte die Gastgeber schon wesentlich mehr ins Schwitzen. Die Anforderungen der Saudis: Im Hotel Alpenkönig musste ein eigener Aufenthaltsraum und auch ein eigener Gebetsraum (ausgerichtet nach Mekka) eingerichtet werden. Mit 55 Mann reisten die Saudis an, alle wurden in exklusiven Einzelzimmern untergebracht. Ein Fuhrpark vom Luxusbus bis zu fünf Mercedes-Limousinen musste gestellt werden, dazu noch ein persönlicher Betreuer für das Team, der rund um die Uhr dem Team zur Verfügung stand.

Während die Tschechen mit der österreichischen Hauben-Küche durchaus zufrieden waren, ließen die Saudis nicht nur einen eigenen Koch, sondern auch ihre eigenen Lebensmittel einfliegen. Während die Tschechen im Training zielstrebig aber nach außen hin zurückhaltend arbeiteten, herrschte bei den Saudis ein großer Spaßfaktor, sie waren offen für die Fans.

Im direkten Aufeinandertreffen der "Seefelder" war Tschechien im Innsbrucker Tivoli neu beim 2:0-Sieg eine Klasse für sich. Vor 5.500 Zuschauern trafen Baros (15.) und Jankulovski (91./Elfer).

(apa/red)