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Alle Achtung:
Das Samsung S8 im Test

Displaywunder mit "Überaustattung": Neuer Anwärter auf das Smartphone des Jahres?

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    Weit und breit nur Display - das ist der erste Eindruck vom S8. Samsungs neues Smartphone-Flaggschiff hat aber noch mehr zu bieten. WEITER: Impressionen vom neuen Samsung S8!

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    Die großen Displays, die beim S8 und S8+ über 80 Prozent der Gehäusefläche einnehmen, sind in ein kompaktes Chassis eingebettet.

Endlich mal was Neues! Dieser Gedanke drängt sich förmlich auf, wenn man das Samsung S8 zum ersten Mal einschaltet. Fast hat man das Gefühl, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Der riesengroße Bildschirm des neuen Luxus-Smartphones schmiegt sich um die Gehäusekanten als hätte das Gerät keinen Rahmen. Und er verschlingt auch den Home-Button an der Unterseite, an den man sich im Handyalltag über die Jahre hinweg schon gewöhnt hatte. Wie aber kann das in der Praxis funktionieren?

Das "Infinity Display" des S8 ist prinzipiell eine willkommene Abwechslung. Nach dem ersten Wow-Effekt wird man wieder vom Alltag eingeholt: Das Handling der getesteten Variante S8+ ist eindeutig anders, aber nicht zwangsläufig besser - und erfordert Feintuning.

© Samsung Hochwertige Verarbeitung, minimalistisches Design

Der Formatwechsel von 16:9 auf 18,5:9 bringt nämlich die Tücke mit sich, dass nicht alle Anwendungen im Vollbildmodus gestartet werden. Das lässt sich zwar in Menüs teilweise nachjustieren, zeigt aber nach Behebung eine andere Problematik auf: Der Bildschirm ist so lang, dass sich das Smartphone kaum noch einhändig bedienen lässt. Zumindest nicht bei der längeren Plus-Version, die sich lediglich in der Displaygröße und einem minimal größeren Akku vom normalen S8 unterscheidet.

Ein Tiefstapler...

Verstärkt wird dieser Umstand durch die glatten und abgerundeten Kanten des Geräts, die ein wenig Übung im Griff erfordern. Hinsichtlich Design sucht das Smartphone aber seinesgleichen. Das edle wasserdichte Gehäuse lässt keine Missverständnisse aufkommen, dass das S8 in der obersten Liga mitspielt. Und ist in minimalistischer Eleganz dennoch auf das Wesentliche fokussiert: Den Bildschirm.

Mit 5,8 bzw. 6,2 Zoll Diagonale in der getesteten Version punktet das riesige Super-AMOLED-Display vor allem bei der Wiedergabe von Videos. Das gewöhnungsbedürftige Format hat den Vorteil, schwarze Balken bei Filmen nahezu verschwinden zu lassen. Zudem gibt es eine sehr praktische Multitasking-Funktion, die Größe von Apps so anzupassen, dass man sie parallel auf einem Bildschirm laufen lassen kann, ohne Leistungseinbußen oder einen ständigen Wechsel hinnehmen zu müssen.

© Samsung Mehr Film, weniger Balken dank Formatwechsel

Ein Detail am Rande: Die maximale Auflösung von 2.960 x 1.440 Bildpunkten (WQHD+) mag eine nette Spielerei sein, entpuppt sich im Alltag aber ohne tragende Rolle. Vom Mehr an Pixeln profitiert vorrangig das technische Datenblatt, der Akku hingegen leidet darunter. Selbst Samsung hat die Auflösung ab Werk einen Gang auf 2.220 x 1.080 Bildpunkte (FHD+) runtergeschaltet. Wer möchte, kann aber jederzeit zwischen drei Auflösungen im Menü wechseln.

...mit übertriebener Sicherheit

Das pointierte Understatement setzt sich beim Einsatz physischer Tasten fort. Powertaste, Lautstärkeregler und die Taste für den Sprachassistenten Bixby sind wunderbar angenehm zu erreichen und lassen fast vergessen, dass beim S8 eine Taste "weggelassen" wurde: Die Home-Taste. Sie wird am Bildschirm "simuliert" und geht in alter Form keineswegs ab. Recht eigenartig und unintuitiv ist lediglich die Entscheidung, den Fingerabdruckscanner an der Rückseite des Geräts neben der Kamera zu platzieren.

Apropos: Fast schon gespenstisch ist das Überangebot an Sicherheitsvorkehrungen: Zum eben erwähnten Fingerabdruck gesellen sich noch Iris-Scan und Gesichtserkennung. Wozu das alles? Eine Gerätesicherung via Muster- oder PIN-Sperre reicht in der Regel immer noch aus. Auch hier gilt: Netter Bonus, aber ohne wesentlichen Mehrwert.

Der Zukunft einen Schritt voraus

Absolute Spitzenklasse steckt unter der Haube des S8. Samsungs Exynos-Prozessor mit acht Kernen (4+4) bietet in Kombination mit dem Grafikprozessor bis zu 30 Prozent Mehrleistung gegenüber dem Vorjahresmodell S7. Leistungstests wie der Benchmark 3DMark (3285 Punkte auf dem S8+) und AnTuTu (160273 Punkte auf dem S8+) bescheinigen Referenzwerte in der Androidklasse. Im Alltag macht sich das S8 mit schneller Navigation und kurzen Ladezeiten bemerkbar - ganz egal bei welcher Anwendung.

Das liegt auch am flotten internen 64-GB-Speicher, der bei Bedarf über micro-SD-Karte mit bis zu 256 GB aufgestockt werden kann. Das Internet-Modem des S8 unterstützt zudem LTE Cat 16 und somit Download-Geschwindigkeiten, die in Österreich von Mobilfunkanbietern noch nicht einmal ansatzweise ausgereizt werden können. Dieser Zeiger wird beim S8 also mittelfristig auf Anschlag stehenbleiben.

© APA/AFP Vollgepacktes Duo: Das S8+ und das S8

Als erstes Gerät unterstützt Samsungs neues Flaggschiff Bluetooth 5. Das bringt drei Vorteile mit sich: Zum einen wird der Datendurchsatz auf 2 Mbit/s verdoppelt, zum anderen die Reichweite auf 200 Meter enorm erhöht. Ganz neu: Das S8 ist in der Lage, sich gleichzeitig mit zwei Bluetooth-Accessoires zu verbinden.

Vergleichsweise wenig herumgefeilt wurde an der Kamera des S8. Die Hauptkamera an der Rückseite hat eine Auflösung von 12 Megapixel und überzeugt im Alltag durch schnellen Autofokus und verzögerungsfreies Auslösen. Selbst bei schwachem Umgebungslicht erzielt die Kamera brauchbare Resultate. Videos lassen sich in 4K-Auflösung mit 30 Bildern pro Sekunde aufnehmen, Full HD sind es sogar 60 Bilder pro Sekunde. Gute Nachrichten für Selfie-Fotografen: Die Auflösung der Frontkamera wurde von 5 auf 8 Megapixel erhöht.

Zuverlässiger Androide

Ausgeliefert wird das S8 mit Android 7.0. Offiziell verabschiedet hat man sich von Samsungs TouchWiz-Oberfläche, wenn auch nur optisch. Die Logik der Nutzerführung ist in vielen Fällen immer noch die gleiche. Das mag in manchen Fällen praktisch, in wenigen nervig sein: Insbesondere die neue Android-Version geht dennoch so flexibel damit um, dass man sich hervorragend mit dem S8 arrangieren kann.

© Samsung Absolut zuverlässige Kombo: S8 und Android 7.0

Nach wie vor sehr gut gefällt die Nutzung der Seiten-Paneele, die mit sinnvollen Features angereichert werden kann. Dieser Schnellzugriff lässt sich übrigens erstmals mit einer Gerätewartung belegen, die das Smartphone nach langem Gebrauch auf Vordermann bringt und beispielsweise unnötig belegten Speicher freischaufelt. Ebenfalls überzeugen konnten im Test kleine Details wie der einfache Zugriff auf alle Apps per vertikalem Fingerstreich über das Startmenü.

Hinsichtlich Nutzungsdauer erwies sich das Testmodell (S8+) als absolut zufriedenstellend für ein Smartphone der obersten Leistungklasse. Bei intensivem Gebrauch hält der Akku locker einen Tag lang durch, bei moderatem Einsatz muss das Gerät überhaupt erst alle zwei Tage einen Boxenstopp an der Steckdose einlegen.

Zwei Assistenten ist einer zuviel

Überfrachtet wirkt das S8 hinsichtlich persönlicher Assistenten, weil es gleich zwei an Bord hat. Samsungs eigener Assistent namens Bixby lässt sich deaktivieren, ist jedoch fest im System integriert und hat für den Schnellaufruf sogar eine eigene physische Taste spendiert bekommen. Die sich (noch) nicht für andere Zwecke belegen lässt. Schade.

© Samsung Derzeit nur auf Englisch: Der Sprachassistent Bixby

Mit dem Betriebssystem Android 7.0 hat es allerdings auch der Google Assistant in die S8-Reihe geschafft und gefällt im Alltag deutlich besser als Bixby. Das liegt in erster Linie daran, dass Bixby noch in Kinderschuhen steckt - und in deutscher Sprache erst gegen Ende des Jahres verfügbar sein wird.

Das Fazit

Die neue S8-Reihe zeigt, dass das Smartphone nicht "zu Ende erfunden ist". Im Gegenteil: Der erste Eindruck, ein Stück Zukunft in Händen zu halten, hält auch nach längerer Testzeit im Alltag stand. Samsung hat so ziemlich alles an Hightech reingepackt was derzeit bei einem Smartphone möglich ist und mit der Unterstützung zukünftiger Standards sogar noch vorausgedacht. Das macht das Samsung S8 zum derzeit besten (Android-)Smartphone auf dem Markt.

Es ist aber auf der anderen Seite auch nicht abwegig, beim neuen Samsung-Flaggschiff von einer gewissen Überausstattung zu sprechen, die entweder gar nicht notwendig ist oder noch gar nicht ausgereizt werden kann. Zudem ist die Investition gerade deshalb nicht billig: Das S8 kostet vertragsfrei rund 800 Euro, die größere Variante S8+ gar 900 Euro. Es wäre derzeit also nicht verwunderlich, wenn viele mit diesem Blick in die Zukunft lieber doch noch so lange darauf warten bis sie dann wirklich da ist.

Das Testgerät S8+ wurde News.at für den Zeitraum von einer Woche von Samsung zur Verfügung gestellt.