Salzburger Festspiele von

Philharmonisches Prachtfeuer

Riccardo Muti im Großen Festspielhaus

Riccardo Muti © Bild: APA/EPA/JAVIER DEL REAL/HANDOUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY

Der Dirigent Riccardo Muti, der Pianist Yefim Bronfman und die Wiener Philharmoniker sorgten mit Brahms und Tschaikowsky für ein denkwürdiges Konzertereignis.

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Analytiker, die jeden Winkel einer Partitur ausleuchten und trotzdem ein Höchstmaß an Emotionalität generieren, wie Riccardo Muti sind auf den Konzertpodien eine Rarität. Beim Konzert der Wiener Philharmoniker im Großen Festspielhaus in Salzburg war das zu erleben. Muti führte mit den "Wienern" und einem der führenden Pianisten unserer Zeit, Yefim Bronfman, Brahms’ 2. Klavierkonzert in B-Dur auf und stellte es Tschaikowskys 4. Symphonie in f-Moll gegenüber. Der Bogen spannte sich über ein denkwürdiges Konzert, das zwei Romantiker als innovative Musikdramaturgen auswies.

Blechbläser ertönen bei Brahms und Tschaikowsky zu Beginn. Wie Suchende, die sich vorsichtig auf unbekanntes Terrain vorwagen, muten die ersten Töne bei Brahms an, bis das Klavier an ihre Seite tritt. Fast 20 Minuten währt dieser erste Satz, der als eigenständige Komposition seine Berechtigung hätte. Muti führt deutlich vor: hier liegt nicht "nur" ein Klavierkonzert vor, sondern eine Komposition, die zwischen den Genres, Symphonie und Kammermusik ihre verschiedenen Identitäten zeigt. Vor allem im langsamen dritten Satz entfaltet Muti eine kammermusikalische Pretiose. Denn darin hat Brahms ein Cello-Solo (exzellent Tamas Varga) eingebaut. Leicht, zart und dann wieder kraftvoll, auf höchster Virtuositätsstufe bringt Bronfman den Solo-Part atemberaubend.

Tschaikowsky 4. Symphonie nach der Pause lässt Muti zur philharmonischen "Feststunde" geraten. Prächtiger Streicherklang paart sich mit überirdischen Soli wie jene von Klarinettisten Daniel Ottensamer. Im Andantino bringt Muti Tschaikowsky zum Schweben und lässt im dritten Satz echtes Klangtheater entstehen. Trotzig hüpfen die Streicher in einem sich ständig wiederholenden Thema im Pizzicato. Da stimmt jeder Ton, mit Präzision erzeugt Muti Spannung. Im vierten Satz nimmt Muti die Bezeichnung "Allegro von fuoco" "Schnell mit Feuer" in jeder Hinsicht wörtlich und steigert den prächtigen philharmonischen Cinesmascope-Sound zum im Klangfeuerwerk, ohne auf Transparenz zu verzichten. Jubel im ausverkauften Großen Festspielhaus.