Salzburger Festspiele von

Ein Debakel erster Klasse

Salzburger Festspiele - Ein Debakel erster Klasse © Bild: APA/Gindl

Mit dem Opernprogramm des neuen Salzburger Festspielintendanten Markus Hinterhäuser konnte sich das Angebot seiner Theaterchefin Bettina Hering nie vergleichen. Doch war das Gezeigte zumindest respektabel: solides, vorhersehbares Stadt- bis Staatstheater und ein akzeptabler Not-„Jedermann“, der nach dem Ausfall des Regieteams immerhin mit dem Hauptdarsteller Tobias Moretti reüssieren konnte. Zum Finale aber produzierte die griechische Filmregisseurin Athina Rachel Tsangari ein Debakel erster Klasse: Frank Wedekinds „Lulu“ tangierte auf der Perner Insel zwischenzeitlich den Bereich des Amateurtheaters.

THEMEN:

Lulu, die Kindfrau, das Triebwesen, das Raubtier, das seine blutige Spuren in der Männerwelt hinterlässt, Täterin und Opfer zugleich: Wedekinds Werk hat sich seine Aura und sein Rätsel seit mehr als 100 Jahren bewahrt. Die theaterunerfahrene Regisseurin aber dilettiert hier ohne die erforderliche professionelle Grundausstattung am lebenden Objekt. Lulu ist verdreifacht: Aus einem Klumpen Urschleim kriechen die Schauspielerinnen Anna Drexler, Isolda Dychauk und (in gebrochenem Deutsch radebrechend) Ariane Labed. Manchmal chorisch, manchmal abwechselnd deklamieren sie den Text durch Mikroports. Es ergeht ihnen nicht anders als den anderen, zum Teil gestandenen Schauspielern (unter ihnen Rainer Bock und Maik Solbach): Da die Texte nicht gearbeitet und die Personen nicht geführt sind, ereignet sich auf finsterer Bühne zwischen schmutziggrauen, blasenartigen Ballons das pure Nichts. Lediglich Fritzi Haberlandt als Geschwitz erzeugt gleichsam in Privatinitiative etwas wie eine Bühnengestalt.