Bühne von

Shakespeare ertrinkt
auf der Perner-Insel

Shakespeares Frühwerk "Komödie der Irrungen" als schrille Revue auf Perner-Insel

"Komödie der Irrungen" bei den Salzburger Festspielen © Bild: APA/Barbara Gindl

Bei den drei Schauspielpremieren der Salzburger Festspiele verfolgt man eine eigenartige Dramaturgie: Man setzt auf Stück-Zertrümmerung. Auf Stephan Kimmigs ehrenhaften und über weite Strecken gelungenen Versuch, mit Goethes "Clavigo" das Gesinnungs-Regietheater zu parodieren, folgt nun Henry Mason mit seiner Shakespeare-Nummer. Er zeigt "Die Komödie der Irrungen" als eine Art harmlosen, aber überfrachteten Hollywood-Schinken.

Michaela Mandel (Bühne) zeigt ein Schiffswrack, das aus dem gefluteten Bühnenraum herausragt, die Schauspieler waten knietief durchs Wasser, von der Geschichte de Zwillingsbrüder Antipholus (Thomas Wodianka) und deren Dienern, ebenso Zwillinge (Florian Teichtmeister), die von einander in der Kindheit bei einem Schiffsunglück getrennt werden, einander wieder finden und durch ihr Verwechseltwerden in allerlei Kalamitäten geraten.

"Komödie der Irrungen" bei den Salzburger Festspielen
© APA/Barbara Gindl

Der Brite, sonst ein Meister im Arrangieren komplizierter Handlungen, zerdehnt die Handlung mit diversen Blues-, Jazz und Musicaleinlagen, weshalb erschließt sich ebenso wenig wie seine Versuche, Hollywood zu zitieren, etwa wenn der Sklave Dromio Kopf voraus gegen eine Tür gerammt wird. Das hat man alles schon besser gesehen, etwa in Martin Scorses "Wolfe of Wallstreet".

Viel Klamauk, derbe Scherze

Viel Klamauk, derbe Scherze, Clownerien, nichts lässt Mason aus, nur auf Shakespeare wartet man meist vergeblich in der Arena. Und wie packend, wie vielschichtig, wie tiefgründig dieses Frühwerk tatsächlich ist, zeigt sich bei den Auftritten Florian Teichtmeisters, wenn er die Zwillingsbrüder Dromio gibt.

"Komödie der Irrungen" bei den Salzburger Festspielen
© APA/Barbara Gindl

Weshalb aber der künstlerische Leiter der Festspiele Sven-Eric Bechtolf, selbst ein begnadeter Schauspieler, auf ein Ensemble setzt, mit dem man eher ein dörfliches Sommertheater bestreiten könnte als eine Festspielaufführung.

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