Salzburger Festspiele von

"Ein Thriller aus der
Kino-Ästhetik der Fünfzigerjahre"

„Die Geburtstagsfeier" von Harold Pinter bei den Salzburger Festspielen

Salzburger Festspiele - "Ein Thriller aus der
Kino-Ästhetik der Fünfzigerjahre" © Bild: APA/BARBARA GINDL

Die Welt konnte nach den apokalyptischen Ereignissen des Krieges nicht mehr dieselbe sein wie zuvor. Sie schuf sich neue Ordnungen, aber die Angst vor dem Ausgeliefertsein des Einzelnen an irrationale Mächte war geblieben, und das begleitende Theater der Fünfzigerjahre trug die Züge einer granzparanoiden Weltskepsis. Einer seiner bedeutendsten Exponenten war der Brite Harold Pinter, der 2005 – Jahrzehnte nach seiner Glanzzeit und drei Jahre vor seinem Tod – mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

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Damals wollte die Häme kein Ende nehmen, man verortete Pinters beharrliches Festhalten am absurden Theater in der Steinzeit. Wie unrecht man ihm tat, zeigt die lange, anregende, anstrengende und höchst faszinierende Aufführung seiner 1958 uraufgeführten Groteske „Die Geburtstagsfeier" bei den Salzburger Festspielen.

In einer verrotteten Standpension perpetuiert das Betreiberpaar seine senilen Hass- und Streitrituale in der Endlosschleife. Der einzige Gast ist ein angeblicher Konzertpianist, ein fettiger, vor Schmutz starrender Haustyrann. Da mieten sich unerwartet zwei höfliche Herren ein, und sie wollen den Musikus abholen, nicht ohne ihm zuvor eine Geburtstagsparty ausgerichtet zu haben. Was er begangen hat und was man von ihm will, ob seine Widersacher Verbrecher oder Polizisten sind, bleibt unentschlüsselt, denn es geht um Grundsätzliches: die systematische Zerstörung eines Menschen bis zur Auslöschung seiner Persönlichkeit.

»Die große Andrea Breth erschafft mit der ihr eigenen kalten, grausamen, sarkstischen Präzision einen Thriller aus der Kino-Ästhetik der Fünfzigerjahre.«

Die große Andrea Breth erschafft mit der ihr eigenen kalten, grausamen, sarkstischen Präzision einen Thriller aus der Kino-Ästhetik der Fünfzigerjahre. In dem von Martin Zehetguber gebauten Raum wuchert schon das Schilf. Hier erfüllt sich ein Hinrichtungsritual mit Zeitlupen- und Geräuscheffekten, sensationell geleuchtet, perfekt geschnitten. Stilprinzip ist die Langsamkeit, eine Provokation in Zeiten des zusehends vertrottelnden Theaterfrohsinns. Aber Breths fulminante Personenführung erzeugt einen ungeheuren Sog. Schauspieler, die man sonst in solcher Qualität kaum wahrnimmt – etwa Roland Koch und Oliver Stokowski als groteskkomisches Henkerpaar – wachsen über sich hinaus. Im Haus walten sehenswert Nina Petri und Peter Siegenthaler, Andrea Wenzl ist ein junger Irrwisch im klaustrophobischen Ambiente, und Max Simonischek gibt dem Opfer Stanley das ihm zustehende Geheimnis.

Schauspielertheater dieser Konsequenz ist selten geworden und die Übernahme ans Akademietheater ein Geschenk.