Salzburger Festspiele vom 26.07. – bis 31.08.2008

Salzburger Festspiele vom 26.07. – bis 31.08.2008 © Bild: Klaus Lefebvre

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Salzburger Festspiele

Das Programm im Überblick

Videos bisheriger Festspielaufführungen:

Eugene Onegin – 2007

Zauberflöte - 2006

Rosenkavalier – 2005

Erwin Schrott
Geboren 1972 in Montevideo, Uruguay, heute einer der führenden Bassbaritone im Mozart-Fach. „Wenn ich älter werde, kommen wohl die dramatischen Verdi-Rollen.“

ERWIN SCHROTT IM INTERVIEW. Der Leporello im neuen ,Don Giovanni‘ über Mozart, Selbstkritik und Anna.

NEWS: Was bedeutet es Ihnen, Mozart in Salzburg zu singen?

Schrott: Es ist aufregend, hier zu sein, so wie Opernsingen überhaupt eine dauernde Herausforderung ist. Ich liebe Mozart und fühle das Genie, das er in jedes Werk gelegt hat. In seiner Heimatstadt zu singen ist eine Ehre. Hoffentlich gefällt es ihm auch! Den Leporello zu singen – und nicht den Giovanni, den ich viel öfter verkörpert habe – ist ein Riesenspaß: Der Dienercharakter ist verzwickter – drei Akte voller Freude, Angst, Wut. Die menschliche Natur eben, die Don Giovanni mit seinem teuflischen Charakter fehlt.

NEWS: Macht es das Leben einfacher oder anstrengender, Teil eines Opernpaars zu sein?

Schrott: Das lässt sich nicht statistisch beantworten. Ob die Dinge leichter oder schlimmer werden, hat nichts mit dem Beruf der handelnden Personen zu tun. Die Menschen sind, wie sie sind, und nicht, womit sie ihr Brot verdienen. Natürlich hilft es, im selben Beruf zu arbeiten – du triffst Menschen, die dir ähnlicher sind, mit gleichen Interessen. Und am Ende entdeckst du womöglich Gemeinsamkeiten abseits der Arbeit. Und dann verliebst du dich. Aber das passiert ständig und ist bekanntlich nicht auf Musiker beschränkt.

Fest zur Festspieleröffnung am Samstag, 26. Juli 2008 - 100 Konzerte, Veranstaltungen und Ausstellungen bei freiem Eintritt!

Programmhighlights:

Wolfgang A. Mozart, Don Giovanni
Mit dem religiösen Drama El Burlador de Sevilla y Convidado de Piedra des Tirso de Molina betrat 1613 erstmals die Gestalt des Don Juan die Bühne, deren Herkunft jedoch im Dunkeln liegt: Während die einen ihn als einen der spanischen Volksfantasie entsprungenen Mythos betrachten, nennen andere Quellen als reales Vorbild einen Don Juan Tenorio aus Sevilla, einen leichtsinnigen Verführer und Genussmenschen aus der Zeit Don Pedros des Grausamen, der, als er den Gouverneur von Sevilla ermordet hatte, von Mönchen in ein Kloster gelockt und heimlich hingerichtet wurde. Darauf sprengte man das Gerücht aus, die Grabstatue des Ermordeten sei lebendig geworden und habe den Mörder bestraft. Wurde der Unhold zur Lust und Befriedigung des Publikums lange Zeit mit der Höllenfahrt gebührend bestraft, so misst Mozart ihm in seiner Oper eine neue Dimension zu. Bei ihm wird der Bösewicht zum ersten Mal nachgerade zum Sympathieträger – eine Spur, die nachfolgende Dichter und Denker aufgegriffen haben. Mozart wäre nicht Mozart, hätte er nicht auch in diesem Wesen den Funken Gottes entdeckt, und so mag die Frage erlaubt sein: Ist Mozarts Don Giovanni vielleicht doch kein Mythos, keine Ur-Gewalt, Eros oder Dionysos ähnlich, sondern nur ein Mensch wie wir, der um die Endlichkeit seiner Existenz weiß und deshalb seine Spanne Leben auskosten will? Ronny Dietrich

Giuseppe Verdi, Otello
Otello ist ein intimes Drama, eine nüchterne Betrachtung der zerstörerischen menschlichen Emotionen: Eifersucht und Neid. Aber diese Emotionen existieren nur innerhalb eines sozialen Kontextes. Die Macht Venedigs begründete sich auf Kommerz und Kastenwesen: Um sicherzustellen, dass der Wohlstand den adligen Familien erhalten blieb, anstatt sich über Generationen zu zerstreuen, war es üblich, dass in jeder Familie nur ein Sohn und eine Tochter heiraten durften. Die übrigen wurden Geschäftsleute oder Politiker, Nonnen oder alte Jungfern. Angesichts vieler unverheirateter Adliger verwundert es nicht, dass Venedig bald den Ruf einer sexuell freizügigen Stadt genoss. Die drei Hauptprotagonisten der Tragödie sind von der Gesellschaft ausgeschlossen: Otello ist ein Fremder, der sich aufgrund seiner kulturellen, sprachlichen, religiösen und regionalen Herkunft abhebt; Jago ist ebenfalls kein Adliger; Desdemona hat ihre adlige Familie verraten und sich von ihr losgesagt, indem sie gegen den Willen ihres Vaters geheiratet hat. Cassio hingegen ist Teil des Establishments. Eine Gesellschaft wie diese bietet den idealen Nährboden für den verderblichen Virus der Eifersucht – vor allem, wenn der Betroffene ein Außenseiter ist, für den die inneren Abläufe der venezianischen Gesellschaft ein Rätsel bleiben, ein Abgrund von Andeutungen und Augenzwinkern, während ihre Moral nur allzu offensichtlich ist. Stephen Langridge

Charles Gounod, Romeo et Juliette
Shakespeares außergewöhnliches Schauspiel Romeo und Julia war in der Renaissance ein radikaler Text. Shakespeare griff darin neue Ideen, die am Hofe unter den Neuplatonikern populär waren, auf und dramatisierte sie. Die Neuplatoniker waren der Ansicht, dass man durch individuelle Liebe einen Weg finden könne, die Welt zu erfassen. Shakespeare weitete diesen Ansatz zu einer gesellschaftlichen Tragödie aus, in der die Liebe die öffentliche Fehde zwischen zwei verfeindeten Familien heilt. Gounod, der 250 Jahre später den Stoff bearbeitet, hat ein ganz anderes Interesse. Von Wagner beeinflusst (vor allem von dessen Tristan) geht es ihm darum, wie individuelle Liebe Zugang zu Gott gewährt, ein Gedanke, der Shakespeares Publikum blasphemisch erschienen wäre. Gounods Oper kreiert eine emotionale Traumlandschaft des Schauspiels – und sie in den tempelhaften Gemäuern der Felsenreitschule zu inszenieren, gibt einem die Möglichkeit, die Ekstaste des Sich-Verliebens durch Gounods Musik zu erleben. Gounod jedoch treibt die Sache noch weiter, indem er die radikalen Implikationen darstellt, wenn zwei junge Leute Bedeutung nicht nur in der Liebe sehen, sondern auch im Tod – als Weg zum Göttlichen. Diese Erfahrung und die emotionalen Auswirkungen für die Gesellschaft, in der sie leben, beschreibt die traumhafte Bahn, auf der Gounods Oper sich bewegt, und auch die Bahn der heutigen Inszenierung. Bartlett Sher

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