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Toter nach Messerstecherei

Türkische Familienfehde dauert über 20 Jahre und eskalierte jetzt in Bischofshofen

Salzburg - Toter nach Messerstecherei © Bild: APA/Vogl

Ein seit zwei Jahrzehnten schwelender Konflikt innerhalb einer türkischstämmigen Großfamilie im Salzburger Pongau ist am Montagabend in Bischofshofen eskaliert. Ein erst 17-Jähriger bat seinen 39-jährigen Onkel und dessen 58-jährigen Vater zu einer Aussprache auf einen Parkplatz. Dort stach er schon nach kurzem mit einem mitgebrachten Küchenmesser auf die beiden ein. Der Ältere starb, sein Sohn überlebte nach einer Notoperation im Krankenhaus. Das Motiv der Fehde ist der Polizei noch nicht bekannt.

"Den Grund für den Familienstreit kennen wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht", sagte Oberst Albert Struber, Leiter des Landeskriminalamtes Salzburg, am Dienstag bei einem Pressegespräch. Ob es um Frauen oder verletzte Ehre gehe, wäre zurzeit reine Spekulation. Tatsache sei aber, dass die Auseinandersetzung bereits seit 20 Jahren besteht.

Am Montag forderte der 17-Jährige seinen Onkel und dessen Vater zum Streitgespräch. Es wurde kurz vor 21.00 Uhr ein Treffen am Verkaufsplatz eines Autohändlers in Mitterberghütten vereinbart. Der Bursch war schon etwas früher dort und "versteckte ein mitgebrachtes, 32 Zentimeter langes Küchenmesser sowie einen Spurstangenkopf, den man auch als Totschläger verwenden kann, unter einem Gebrauchtwagen, mit der Absicht, diese - wenn nötig - auch zu verwenden", so der Kriminalist. Kurz darauf erschienen der Onkel in Begleitung seiner Frau und dessen Vater, der eine Schwester mitbrachte.

Was dann genau passiert ist, konnte Struber noch nicht sagen. Auf jeden Fall soll der Bursch sehr rasch auf die beiden eingestochen haben. Wie oft genau, wird erst die Obduktion klären, die noch nicht durchgeführt wurde.

Zustand des Überlebenden stabil
Der 58-Jährige erlag noch am Tatort seinen Verletzungen, sein Sohn wurde schwer verletzt ins Krankenhaus Schwarzach eingeliefert. Er wurde noch in der Nacht notoperiert. Dabei wurden insgesamt acht Stiche gezählt. "Heute ist sein Zustand bereits stabil, es besteht keine Lebensgefahr", sagte Spitalssprecher Karl Söllhammer am Dienstag auf Anfrage der APA. Der Patient habe nach Angaben seines betreuenden Arztes Verletzungen im Bereich des Bauches und des Oberkörpers erlitten, Organe wurde aber nicht schwer verletzt, so Söllhammer.

Der mutmaßliche Täter warf nach der Auseinandersetzung die Waffe am Rande des Verkaufsplatzes weg, rannte in eine naheliegende Pizzeria und verständigte von dort aus die Polizei. Er wurde kurz darauf festgenommen, gestand laut Struber zwar die Tat, gab aber zu Protokoll, aus reiner Notwehr gehandelt zu haben. Ob diese Version stimmt, werden erst die weiteren Zeugenbefragungen ergeben. Seine beiden Opfer waren offenbar unbewaffnet zum Treffen erschienen, zumindest haben die Tatortbeamten keine Waffen gefunden.

Verwandtschaft sorgt für Verwirrung
Kurz nach der Tat trafen auf dem Verkaufsplatz und auch im Spital Dutzende Angehörige und Bekannte der Opfer ein, sodass die Polizei ein Großaufgebot an Mitarbeitern einsetzen musste, um Spurensicherung und Ermittlungen nicht zu gefährden. "Das war ein Mordsauflauf", so der LKA-Chef. Dies könnte auch etwas mit der anderen Trauerkultur zu tun haben.

Die Ermittlungen der Polizei gehen in Richtung Mord und Mordversuch, sagte Struber. Ob der 17-Jährige wegen seines geringen Alters und der damit verbundenen geringeren Strafandrohung vorgeschickt wurde, um den Familienkonflikt zu beenden, konnte der Kripo-Oberst nicht beantworten.