Salzburg unter Siegzwang vs. Kärnten:
Kapitän Zickler wegen Muskelfaserriss out

1:1 gegen Altach erhöht den Druck auf Trappatoni Schachner: "Spielen jeder für sich, für die Auslage"

Österreichs Fußball-Meister Red Bull Salzburg steht heute im Heimspiel gegen SK Austria Kärnten unter Siegzwang. Die 0:3-Pleite im UEFA-Cup bei AEK Athen und das 1:1 am Wochenende in Altach haben den Druck auf Startrainer Giovanni Trapattoni erhöht. Zahlreiche Fan-Gruppierungen haben in den vergangenen Tagen bereits die Ablöse des 68-jährigen Italieners gefordert, der Ende der Vorwoche von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz in seinem Amt bestätigt worden war.

Nun folgen für die heimstarken Bullen zwar gegen Kärnten, Austria Wien und schließlich AEK Athen drei Spiele auf dem eigenen Kunstrasen, auf dem sie in der laufenden Bundesliga-Saison alle fünf Spiele gewonnen haben. Trapattoni muss aber ausgerechnet in dieser so kritischen Phase auf Kapitän Alexander Zickler verzichten. Der 33-jährige Deutsche zog sich gegen Ende der Partie in Altach einen Muskelfaserriss in der Wade zu und fällt rund drei Wochen aus.

"Zickler ist ein Leistungsträger, aber wir haben auch andere gute Spieler. Wir sind auf alle Fälle stark genug, um auch ohne ihn Spiele zu gewinnen", versprach Trapattoni-Assistent Thorsten Fink. Anstelle des Torschützenkönigs der vergangenen Bundesliga-Saison (22 Treffer) dürfte nun der 21-jährige serbische Neuzugang Djordje Rakic stürmen. "Aber auch Vratislav Lokvenc ist ein Topmann mit fast 70 Spielen im tschechischen Nationalteam", erinnerte Fink.

Auch eine Lösung mit zwei Stürmern scheint denkbar. Gegen die immer heftiger werdende Kritik an seiner Person und den mangelnden Offensivbestrebungen hatte sich Trapattoni bereits am Montag in aller Deutlichkeit zur Wehr gesetzt: "Natürlich verstehe ich die Ungeduld der Fans und die Unzufriedenheit mit dem Saisonverlauf. Aber vom gefeierten Don Giovanni zum Buhmann in Salzburg in nur vier Monaten, das geht mir etwas zu schnell."

Die nächste wichtige Entscheidung könnte nach dem Rückspiel gegen AEK am 4. Oktober fallen. "Wir haben eine kleine Krise, aber aus der werden wir herausfinden", betonte Fink, der weder Teamstimmung noch Trainingsintensität infrage gestellt wissen will.

Kärnten-Trainer Walter Schachner sieht das Mannschaftsgefüge bei den Salzburgern nicht intakt. "Sie spielen jeder für sich, für die Auslage", meinte der ehemalige 1860-München-Coach. Vorteil sei das für die Kärntner aber keiner. "Sie haben vielleicht im Moment ein bisschen Probleme, aber sie haben diese Qualität. Jeder Einzelne kann ein Spiel alleine entscheiden", erklärte Schachner. "Allerdings gewinnen sie ihre Spiele nicht gemeinsam, sondern alleine. Einfach, weil sie diese Klasse haben."

Klasse, an der es einigen jungen Kärnten-Spielern vielleicht noch fehlt. "Wir haben noch nicht diese Stabilität in der Mannschaft. So viele Routiniers haben wir nicht, die etwas mehr Sicherheit ins Spiel bringen können", erinnerte Schachner. Auf den 2:1-Sieg gegen Tabellenführer Austria Wien bei der Stadioneröffnung in Klagenfurt war am Wochenende eine 1:4-Heimpleite gegen den LASK gefolgt. "Da hat plötzlich fast gar nichts mehr gepasst", sagte Schachner, der sich in Salzburg "so gut wie möglich verkaufen" will.

Mögliche Aufstellungen:

Salzburg: Ochs - Bodnar, Vargas, Sekagya, Alex - Carboni, N. Kovac - Vonlanthen, Ilic, Leitgeb - Rakic

Ersatz: Özcan - Dudic, Steinhöfer, Miyamoto, Aufhauser, Pitak,
Janocko, Lokvenc

Es fehlen: Zickler, Meyer (beide Muskelfaserriss), Janko
(rekonvaleszent)

Fraglich: Jezek (Muskelprobleme)

Kärnten: Schranz - Bubenik, Weber, Ortlechner, Prawda - Wolf,
Ledwon, Zakany, Hauser - Kabat - Fidjeu-Tazemeta

Ersatz: Lienhart - Chaile, Plassnegger, Mössner, Krajic, Riedl,
Bürgler

Es fehlen: Kollmann (Oberschenkelzerrung), Pirker, Ketelaer,
Chiquinho, Hinum, Junuzovic (alle verletzt)

(apa/red)