Salzburg nur mehr Schatten seiner selbst: Kann "Trap" Karren aus dem Dreck ziehen?

Aussprache soll Meister wieder in Erfolgsspur bringen Hochhauser schäumt: "So kann es nicht weitergehen"

Red Bull Salzburg ist von der Verteidigung des Meistertitels in der T-Mobile-Bundesliga derzeit weit entfernt. Nach dem UEFA-Cup-Aus gegen AEK Athen blamierte sich die Trapattoni-Elf beim starken Aufsteiger LASK (1:4) und hat als Tabellenfünfter schon sieben Punkte Rückstand auf Leader Austria. Neben den Salzburgern läuft es auch für die neuntplatzierte Austria Kärnten (1:2 gegen Rapid) weiter nicht nach Wunsch. Während beziehungsweise nach der zweiwöchigen "Länderspielpause" könnte es deshalb Konsequenzen geben.

"Was wir abgeliefert haben, führt nie zum Erfolg. So kann es nicht weitergehen. Wir müssen uns alle zusammensetzen und die Situation in Ruhe analysieren", machte "Bullen"-Sportdirektor Heinz Hochhauser deutlich. Der Posten von Chefcoach Giovanni Trapattoni stehe aber nicht zur Diskussion. "Es ist eindeutig klar, dass wir mit Trapattoni weitermachen, aber wir müssen auch mit ihm sprechen." Auch der "fast sprachlose" Salzburg-Goalie Timo Ochs stärkte dem Italiener den Rücken, indem er betonte: "So etwas habe ich selten erlebt. Jeder Einzelne muss sich jetzt an der Nase fassen. Das hat nichts mit dem Trainer zu tun."

Auswärts noch ohne Sieg
Die auswärts noch sieglosen Salzburger waren bei ihrer zweiten Meisterschaftsniederlage in Serie viel zu statisch und spielten zu sehr durch die Mitte. "Wir haben es dem LASK sehr einfach gemacht und den Retourgang in der Kabine vergessen", sagte Hochhauser. Auch habe die Lauf- und Kampfbereitschaft zu wünschen übrig gelassen. Am 20. Oktober sind Christoph Leitgeb und Co. im nächsten Heimspiel gegen Sturm Graz wohl schon zum Siegen verdammt, sollten sie noch ein Wörtchen um den Titel "Winterkönig" (nach der 23. Runde) mitreden wollen.

Trapattoni selbst führte auch die Doppelbelastung als Grund für die zweithöchste Auswärtsniederlage in der Red-Bull-Ära nach dem 0:4 bei Sturm Graz am 4. März 2006 (unter Kurt Jara) an. "Die Gegner waren frischer als wir, wir haben die 90 Minuten gegen Athen in den Beinen gespürt und zu viele Räume gelassen", resümierte der "Maestro". Den Titel hat der 68-Jährige aber noch nicht abgeschrieben. "Die Liga dauert lange, ich denke, die Mannschaft kann die Meisterschaft noch gewinnen."

Zweifel bei LASK-Trainer Daxbacher
Im Titelkampf befindet sich überraschend der mit vier Punkten Rückstand erste Austria-Verfolger LASK. "Es war in meiner Ära als LASK-Trainer sicher die beste Leistung. Die Mannschaft war im Kopf völlig frei, fast jeder Spieler hat sein gesamtes Potenzial abgerufen", meinte Erfolgscoach Karl Daxbacher. Der zweite Platz freue ihn zwar sehr, "aber ich weiß nicht, ob es kraftmäßig im Titelkampf reicht."

Das Erfolgsgeheimnis des Aufsteigers ist leicht erklärt: Routiniers wie Vastic, Baur, Hota und Panis ergänzen sich gut mit den jungen, hungrigen Klein, Hoheneder oder Saurer. Dazu spielt sich der kroatische Stürmer Mario Mijatovic als Ersatzmann für den gesperrten Mayrleb in den Vordergrund, er erzielte gegen Salzburg seine Saisontreffer vier und fünf. "Bei uns blühen im Moment Spieler auf, die bei anderen Vereinen schon abgeschrieben waren", erwähnte Daxbacher.

Kärnten kommt nicht in Fahrt
Weiterhin keinen Grund zum Jubeln hatte hingegen Kärnten-Coach Walter Schachner. Nach der vierten Niederlage in Serie liegen die Klagenfurter zwar weiterhin sechs Punkte vor dem Tabellenende, allerdings haben die Innsbrucker mit einem Sieg im noch nicht terminisierten Nachtragsspiel gegen den dritten Tabellennachzügler Altach die Chance, den Abstand auf drei Zähler zu verringern. "Wir sind momentan in des Teufels Küche, sowohl in der Offensive als auch in der Defensive", meinte Schachner.

Bei einer weiteren Fortsetzung des Negativlaufes könnte es auch bald Konsequenzen geben. "Ich verlange von den Spielern maximalen Einsatz, nach dem Altach-Heimspiel (31. Oktober) werden wir sehen, ob es Konsequenzen gibt", verriet Präsident Mario Canori. Die Kärntner empfangen in den noch ausstehenden drei Oktoberspielen zunächst Wacker Innsbruck (20.10.), ehe nach dem Auswärtsspiel in Mattersburg (27.10.), Altach im EM-Stadion gastiert.

Hoffnung gibt dem Kärnten-Coach vor allem die Rückkehr von U20-WM-Teamspieler Zlatko Junuzovic, der ab der 65. Minute ein erfolgreiches Comeback gab. "Wir haben erst in den letzten 20 Minuten so gespielt, wie wir von Beginn an spielen hätten sollen. Ich bin sehr gut ins Spiel gekommen, aber trotzdem sehr enttäuscht", sagte Junuzovic, der nach langer Verletzungspause genauso wie Chiquinho wieder im Kader aufschien.

Freude bei Rapid
Im Lager von Rapid herrschte nach den schlechten Vorzeichen mit vier verletzungsbedingten Ausfällen verständlicherweise Freude über die drei Punkte und den Vorstoß auf Platz vier vor. "Es war ein Kraftakt von uns. Man hat gesehen, dass man sich auf die Burschen verlassen kann", gab Coach Peter Pacult preis, der Heikkinen-Ersatzmann Georg Harding besonders lobte: "Es ist toll wie dieser Bursche bei Rapid Fuß gefasst hat."

Die Spielpause kommt für die Wiener vor dem Derby gegen die Austria am 21. Oktober im Horr-Stadion (Kavlak: "Wir haben mit dem Sieg ein Zeichen gesetzt und freuen sich schon auf das Derby") gerade rechtzeitig. "Körperliche Erholung hört sich jetzt gut an", betonte Mittelfeld-Regisseur Steffen Hofmann.

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(apa/red)