Salzburg kämpft um Olympia: Der Endspurt um die Winterspiele 2014 beginnt heute

Kandidatenstädte reichen Bewerbungsunterlagen ein Sotschi und Pyeongchang Konkurrenten Salzburgs

Salzburg kämpft um Olympia: Der Endspurt um die Winterspiele 2014 beginnt heute

Vancouver 2010 ist noch drei Jahre entfernt, da beginnt heute bereits der Endspurt um die Winterspiele 2014. Er wird am 4. Juli in Guatemala-Stadt vor dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) im Finale zwischen Salzburg, dem russischen Sotschi und dem südkoreanischen Pyeongchang entschieden.

Abstimmen wird das IOC auf der Basis der Bewerbungsunterlagen, die Salzburg, Sotschi und Pyeongchang dem IOC in Lausanne überreichen. Nach dem Kandidaten-Besuch der Evaluierungskommission im Frühjahr wird das IOC im Juni seinen endgültigen Prüfbericht vorlegen. Das Vorexamen des vergangenen Jahres sah Salzburg eindeutig als Nummer eins vor Pyeongchang und Sotschi. Salzburgs Bewerbungs-Chef Fedor Radmann glaubt, dass dieser Vorsprung auch in der IOC-Endbewertung erhalten bleibt.

Radmann, ehemals Vizepräsident des Organisationskomitees der Fußball-WM 2006 und dann sein Kulturberater gilt als ein mit allen Wassern gewaschener Experte des internationalen Sportgeschäfts. Sein Meisterstück lieferte er als Berater und Freund von Franz Beckenbauer ab. Bei den globalen Bewerbungsinitiativen für die WM war er für Taktik und Strategie zuständig, Beckenbauer für die Umsetzung.

Um die WM nach Deutschland zu holen, musste die Mehrheit der 24 Mitglieder in der FIFA-Exekutive organisiert werden. Diesmal geht es um rund 110 Entscheidungsträger in der IOC-Vollversammlung. "Die sind von völlig unterschiedlicher Herkunft. Eine erhebliche Anzahl der Olympier ist dem Wintersport nicht gerade nahe", sagt Radmann. Ganz andere Kriterien und Kräfte wirkten ein und machten eine Olympia- Kandidatur "schwieriger, aufwendiger, unkalkulierbarer". Da ist die Unterstützung von "Sonderbotschafter" Beckenbauer, der demnächst in Salzburg ein Haus bezieht, hoch willkommen.

Mächtiges Russland
Als stärkster Mitspieler im Kampf um die Winterspiele 2014 wirkt Russlands Präsident Putin. Mit Unterstützung von milliardenschweren Oligarchen will er aus Sotschi, dem Badeort am Schwarzen Meer, auch ein Wintersport-Dorado machen. Zu Putins Wirken gehören Einladungen von Spitzenfunktionären des Weltsports in den Kreml, oder auch Kontakte wie zu Karl Schranz: "Präsident Putin hat mich persönlich um Hilfe gebeten. Da habe ich sofort zugesagt", rechtfertigte sich die rot-weiß-rote Ski-Ikone vor der österreichischen Öffentlichkeit.

Bei der Bewerbung Pyeongchangs wiederum spielt das südkoreanische Weltunternehmen Samsung eine Hauptrolle. Die war bei der Wahl des Olympia-Ortes 2010 unrühmlich groß, Pyeongchang fehlten dennoch zwei Stimmen zum Sieg über Vancouver. IOC-Präsident Jacques Rogge ließ Samsung, einem von elf Topsponsoren des IOC, eine Abmahnung zukommen.

"Unsere Chancen sind verdammt gut"
"Unsere Chancen sind verdammt gut. In weiten Teilen der Olympischen Familie wird unser äußerst kompaktes, überschaubares Konzept anerkannt", sagt Radmann. "Heimelig" sollen die Winterspiele werden, "nicht gigantisch, ein bisschen wie Lillehammer 1994". Und dann sei "die Sicherheit ein ganz wesentliches Thema". Das "neutrale Österreich" könne sie garantieren, sagt Radmann und versagt sich einen Blick auf die Konkurrenz. Der Atommacht-Status von Nordkorea hat die gesamte koreanische Halbinsel zu einem verschärften Krisengebiet gemacht. Sotschi ist nicht all zu weit entfernt von Russlands Brennpunkt Tschetschenien.

Radmann, im März vergangenen Jahres an die Spitze der Salzburg-Bewerbung berufen, hat da eher mit inneren Problemen und Querelen zu kämpfen: Mit einem auf 772 Millionen Euro heruntergerechneten Etat, von dem die Olympia-Gegner in Salzburg sagen, er reiche zur Deckung der Kosten nie und nimmer aus; mit einer im Gegensatz zu Land und Bundesland eher dürftigen Zustimmung in Salzburg von rund 55 Prozent. Zudem steht der Prozess gegen IOC-Präsident Jacques Rogge bevor, den der frühere ÖSV-Langlauftrainer Walter Mayer wegen angeblicher Verleumdung anstrengt. Ob sich dieses Verfahren auf die Entscheidung in Guatemala auswirkt, ist aber fraglich.

(apa/red)