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Alt-Erzbischof Eder tot

Hardliner eckte öffentlich oft an und sorgte in Salzburg für große Austrittswellen

Georg Eder © Bild: APA/Roland Schlager

Der Salzburger Alt-Erzbischof Georg Eder ist am Samstag mit 87 Jahren verstorben. Der Geistliche war von Dezember 1988 bis Jänner 2003 Oberhirte in Salzburg. Kirchenintern galt er als romtreuer Hardliner. Er war ein Hardliner, der öffentlich oft aneckte, etwa durch die Äußerung, Aids wäre eine "Strafe Gottes".

Erst vor wenigen Wochen war der emeritierte Erzbischof von seinem Wohnhaus in das Altersheim übersiedelt. Seine Haushälterin Maridi war bis zuletzt an seiner Seite, wir die Diözese in einer Presseaussendung am Samstag mitteilte. Über den Ablauf der Begräbnisfeierlichkeiten berät heute, Samstag, noch das Salzburger Domkapitel. Die Details würden noch bekanntgegeben werden, hieß es.

Georg Eder wurde am 6. März 1928 als drittes von sechs Kindern einer Bergbauernfamilie in Mattsee geboren. Nach der Volksschule in Mattsee kam er 1946 in das erzbischöfliche Gymnasium Borromäum in Salzburg. Nach der Matura trat Eder in das Priesterseminar der Erzdiözese Salzburg ein, wo er auch Generalsenior war, und studierte in Salzburg Theologie.

Georg Eder
© APA/Erzdiözese Salzburg

1956 empfing Georg Eder im Dom zu Salzburg von Erzbischof Andreas Rohracher die Priesterweihe. Nach ersten Seelsorgserfahrungen in Zell am See ernannte Rohracher ihn 1960 zum bischöflichen Sekretär. In den Folgejahren setzte Eder seine theologischen Studien fort und schloss diese 1964 mit einer bibelwissenschaftlichen Doktorarbeit ab. 1965 erfolgte die Berufung als Pfarrer von Lofer, gleichzeitig war der junge Priester Ministrantenseelsorger. 1970 folgte seine Berufung als Pfarrer von Altenmarkt (im Pongau), wo Eder ab 1981 als Dechant bis zu seiner Bischofswahl wirkte.

Mediale Diskussionen

Als Erzbischof sorgte Eder medial immer wieder für Diskussionen: In einem Interview mit der Kirchenzeitung "Rupertusblatt" legte er am 22. Jänner 1989 sein Programm dar: Er wolle durch seine Ansichten und sein Programm niemanden vor den Kopf stoßen. Es könne aus "verschiedenen Strömungen in der Kirche etwas Gutes wachsen, denn niemand hat allein den Heiligen Geist gepachtet. Auch der Andersdenkende will die Kirche nach bestem Wissen im Sinne Jesu gestalten." Als ersten Andersdenkenden erwischte es jedoch den Präsidenten der Katholischen Aktion (KA), Franz Horner. Der Politologe hatte in Artikelserien im Februar 1989 nachgewiesen, dass die Kirche ihre eigenen Regeln verletze. Dafür anerkannte Eder die Wiederwahl Horners durch die KA nicht.

Aids als "strafe Gottes"

Scharfe Kritik erntete der Salzburger Oberhirte Ende 1989 mit der öffentlichen Erklärung, Aids sei "eine Strafe Gottes für widernatürliches sexuelles Verhalten". Zudem sei Abtreibung auch nach Vergewaltigung strikt abzulehnen. Aufsehen erregte auch Eders Schreibverbot für den Linzer Theologen Bernhard Liss, den diözesanen Berater für Fragen zu Ehe und Partnerschaft, im "Rupertusblatt". Zu den 500-Jahr-Feiern der Entdeckung Amerikas luden die katholischen Salzburger Hochschulwochen den in Brasilien wirkenden österreichischen Missionsbischof Erwin Kräutler als Festredner ein - Eder verbot als Verantwortlicher für diese Hochschulwochen seinem Amtsbruder das Wort.

Georg Eder
© APA/Harald Schneider Eder mit Papst Johannes Paul II.

Österreichweite Anerkennung gab es für Eder, als er im Februar 1998 gemeinsam mit seinen Amtskollegen Christoph Schönborn, Johann Weber und Egon Kapellari eine Erklärung unterschrieb, in der die vier Bischöfe ihre "moralische Gewissheit" zum Ausdruck brachten, dass die gegen Kardinal Hans Hermann Groer erhobenen Vorwürfe (sexueller Missbrauch von Jugendlichen, Anm.) "im Wesentlichen zutreffen".

Größte Austrittswellen

Bei der Brandkatastrophe am Kitzsteinhorn stand Eder den Hinterbliebenen und den geschockten Kaprunern nicht an Ort und Stelle bei: Diese Aufgabe überließ er dem Ortspfarrer. Das Trauer-Pontifikalamt im Salzburger Dom sechs Tage nach der Katastrophe zog Eder jedoch an sich: Er beharrte auf einer Eucharistie, an der nach dem Kirchenrecht "Andersgläubige" nicht mitwirken dürfen. So war die evangelische Superintendentin Luise Müller von einer Zeremonie zum Gedächtnis auch an katholische und evangelische Christen ausgeschlossen. Eder löste mit alledem öffentliche Kritik und die bis zu diesem Zeitpunkt größte Wellen von Austritten in der 1.300-jährigen Geschichte der Salzburger Kirche aus.

Über den Ablauf der Begräbnisfeierlichkeiten berät heute noch das Salzburger Domkapitel. Sobald die Termine feststehen, werden sie bekanntgegeben.

Kommentare

Oliver-Berg

Unser lieber Bruder Eder war nicht gerade für seine Toleranz und Empathie bekannt. Gott sei Dank haben wir mit Franziskus einen gütigen und toleranten Papst, der sich auf unterschiedliche Situationen und Herausforderungen einstellen kann und die Nöte und Sorgen der Menschen versteht.

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