Sabotageverdacht in schwedischem AKW: Sprengstoff-Spuren bei zwei Handwerkern

Zwei verdächtige Männer wieder auf freiem Fuß Einer der drei Reaktoren vorbeugend abgeschaltet

Sabotageverdacht in schwedischem AKW: Sprengstoff-Spuren bei zwei Handwerkern © Bild: AP/Scanpix/Madej

Nach dem Sprengstoffalarm im schwedischen Atomkraftwerk Oskarshamn werden zwei Männer wegen möglicher Vorbereitung zur Sabotage verdächtigt. Zwei der drei Reaktoren sind weiterhin außer Betrieb. Bei einem stichprobenartig durchgeführten Sicherheitscheck waren in der Früh bei einem der beiden Arbeiter Spuren von Sprengstoff entdeckt worden. Die Polizei riegelte die Anlage ab und nahm in der Folge zwei Männer fest.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die beiden wegen des Verdachts der Vorbereitung zur Sabotage. Sie wurden nach eingehenden Verhören vorerst wieder auf freien Fuß gesetzt. Einer der beiden hatte ein Einkaufssackerl mit Toilette-Artikeln bei sich, an dessen Griff die Sprengstoffspuren mit Hilfe eines Detektors entdeckt wurden. Die Betreibergesellschaft OKG betonte wiederholt, die Sicherheit des Kraftwerks sei zu keiner Zeit bedroht gewesen bedroht.

Dennoch wurden die Bereiche der beiden stillstehenden Reaktoren von Bombenexperten eingehend durchsucht. Dabei wurden keinerlei Hinweise auf Sprengstoff oder andere Sabotage-Akte gefunden. Auch Hausdurchsuchungen bei den Verdächtigen ergaben diesbezüglich kein Resultat.

Erinnerungen an London 2005
Die Polizei gab an, bei den Sprengstoff-Spuren handle es sich vermutlich um Triacetontriperoxid (TATP), das auch bei den Bombenanschlägen in London 2005 eingesetzt wurde, mit endgültiger Sicherheit könne dies aber erst nach der eingehenden Analyse des Stoffes gesagt werden. Diese dürfte noch einige Tage dauern. TATP ist ein hochexplosiver Sprengstoff. Der Sprengstoffexperte Svante Karlsson erklärte, das Material sei sehr instabil. Eine zivile Nutzung gebe es nicht.

Zu den Festgenommenen erklärte die Polizei, es handle sich um 1955 und 1962 geborene Schweden. Der Ältere von beiden sei im Zusammenhang mit geringfügigeren Delikten amtsbekannt. Nähere Einzelheiten über die Identität der beiden Arbeiter nannte die Polizei jedoch nicht.

Weiterer Reaktor abgeschaltet
Zum Zeitpunkt des Zwischenfalls war einer der drei Reaktorblöcke des Kraftwerks wegen routinemäßiger Wartungsarbeiten abgeschaltet, an dem die beiden Verdächtigen für eine angemietete Firma beschäftigt waren. Aus Sicherheitsgründen wurde ein weiterer Block abgeschaltet. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Verdächtigen sich auch dort aufgehalten haben könnten, hieß es seitens der Kraftwerksleitung.

Zuletzt wurde auch Kritik an den nicht lückenlosen Sicherheitskontrollen in dem Kraftwerk laut. Ein Vertreter der schwedischen Strahlensicherheitsbehörde SKI kritisierte in einem Radio-Interview, der Sprengstoff-Fund sei ein "Zufall" gewesen. In Schweden gelten seit Anfang des Jahres neue Sicherheitsregeln für Atomkraftwerke, denenzufolge die Betreiber alle das Kraftwerksgelände betretenden Personen systematisch auf Waffen und Sprengstoff kontrollieren müssen.

Umweltminister besorgt
Laut Isaksson sind die Vorgaben an den anderen AKW-Standorten Schwedens, in Ringhals und Forsmark, bereits lückenlos erfüllt. In Oskarshamn hatte man ursprünglich um Aufschub bis ins Jahr 2010 gebeten und bis Dezember dieses Jahres auch erhalten. Nun will man sich aber beeilen: "Wir arbeiten daran, diese Lösung hier im Werk bis 1. Oktober umzusetzen", sagte einer der AKW-Sprecher, Roger Bergman. Nach dem Vorfall besorgt zeigte sich auch Umweltminister Andreas Carlgren: "Das erinnert daran, wie verletzbar die Atomkraft für Sabotage und andere menschliche Fehlleistungen ist", so der Minister.

Im Atomkraftwerk Oskarshamn stehen drei Reaktoren, die zusammen rund zehn Prozent des Elektrizitätsbedarfs Schwedens abdecken. Der Betreiber OKG gehört gemeinsam dem deutschen E.ON-Konzern und dem finnischen Unternehmen Fortum. Die anderen sieben Reaktoren Schwedens werden von dem schwedischen Vattenfall-Konzern betrieben. (apa/red)