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Massendemo bei minus 20 Grad

Weit über 100.000 Russen demonstrieren trotz klirrender Kälte vor Präsidentenwahl

Russland - Massendemo bei minus 20 Grad © Bild: APA/EPA/MALTSEV

Massendemos trotz klirrender Kälte von minus 20 Grad: Zehntausende Russen haben in Moskau an Demonstrationen für und gegen die Regierung von Ministerpräsident Wladimir Putin teilgenommen.

An einem Protest gegen Putin beteiligten sich bei eisigen Temperaturen um die minus 17 Grad Celsius nach Angaben der Opposition rund 120.000 Menschen, die Polizei gab ihre Zahl mit 36.000 an. Genau einen Monat vor der Präsidentenwahl am 4. März forderten die Kreml-Kritiker eine ehrliche Abstimmung und mehr politische Freiheiten. Eine Kundgebung zur Unterstützung der Regierung zog laut Polizei knapp 140.000 Demonstranten an.

Größte Aktion seit etwa 20 Jahren
Die Agentur Interfax meldete aus zahlreichen Städten weitere Anti-Regierungs-Kundgebungen mit insgesamt mehreren tausend Teilnehmern. Es handle sich um die größten Aktionen seit etwa 20 Jahren, wie Agenturen meldeten. In der Hauptstadt waren 9.000 Sicherheitskräfte im Einsatz

"Wir sind hier mindestens 120.000 Menschen", sagte einer der Organisatoren, der frühere Abgeordnete Wladimir Ryschkow, bei der Kundgebung gegen Putin. Ryschkow ist Ko-Vorsitzender der Oppositionsbewegung Parnas, die nicht zu der umstrittenen Parlamentswahl am 4. Dezember zugelassen worden war. Die Moskauer Behörden hatten den Gegnern Putins für Samstag eine Kundgebung mit maximal 50.000 Teilnehmern erlaubt.

Die Regierungskritiker trugen bei ihrer Demonstration erneut weiße Bänder als Zeichen ihrer Protestbewegung. "Wir werden demonstrieren, bis sie gehen", war mit Blick auf Putin und Präsident Dmitri Medwedew auf Transparenten zu lesen. Auch die Zulassung des ausgeschlossenen Oppositionspolitikers Grigori Jawlinski zur Präsidentenwahl wurde gefordert. "Hier sind Menschen mit völlig unterschiedlichen politischen Ansichten versammelt - Linke, Rechte, Nationalisten, alle", sagte Antikorruptionsaktivist Alexej Nawalni, eines der bekanntesten Gesichter der Protestbewegung.

Putin will am 4. März erneut Präsident werden
Die Führung in Moskau sieht sich seit der Parlamentswahl am 4. Dezember mit der größten Protestbewegung konfrontiert, seit Putin im Jahr 2000 zum ersten Mal Staatschef wurde. Am 4. März will er sich wieder zum Präsidenten wählen lassen, Medwedew soll dann das Amt des Ministerpräsidenten übernehmen.

Bei einer Gegenkundgebung von Anhängern des Ex-Präsidenten und Präsidentschaftskandidaten Putin protestierten vor allem Beschäftigte von Staatsunternehmen sowie Lehrer gegen die Gefahr einer Revolution. "Putin ist super!" und "Chaos - nein, Putin - ja!" war auf Transparenten zu lesen. Im Internet hatten sich zuvor viele Beschäftigte staatlicher Einrichtungen wie Behörden, Schulen und Krankenhäusern darüber beklagt, zur Teilnahme an der Putin-freundlichen Kundgebung gezwungen zu werden.

Putins Gegner fürchten, dass der Regierungschef bei einer gefälschten Wahl zum dritten Mal in den Kreml einzieht. Er absolvierte bereits von 2000 bis 2008 zwei Amtsperioden als Präsident, ehe er wegen einer Verfassungsbeschränkung zunächst an Dmitri Medwedew übergeben musste.