Russisches Erdgas erreicht wieder die EU:
Pipelines nach Europa sind endlich in Betrieb

Monopolist Gazprom hat Gashahn wieder aufgedreht PLUS: Die Grünen wollen von Mitterlehner Antworten

Russisches Erdgas erreicht wieder die EU:
Pipelines nach Europa sind endlich in Betrieb © Bild: Reuters/Garanich

Russland hat nach fast zwei Wochen die Gaslieferungen über die Ukraine nach Europa wieder aufgenommen. Ein Sprecher des Staatskonzerns Gazprom erklärte es werde wieder Gas gepumpt. Als Konsequenz aus dem ukrainisch-russischen Gasstreit forderte EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso, die EU müsse die Abhängigkeit von Moskau und Kiew vermindern.

Russland hatte die Erdgaslieferungen in die Ukraine am 1. Jänner gestoppt. Am 7. Jänner wurde auch der Erdgastransit in die EU-Länder eingestellt. Beide Seiten beschuldigten sich gegenseitig, für das Dilemma verantwortlich zu sein. Hintergrund des Lieferstopps war ein Streit zwischen Russland und der Ukraine um die Gaspreise.

Abkommen beendet Gasstreit
Erst am Montag hatten Russland und die Ukraine ein Abkommen zur Beendigung ihres Gasstreits unterzeichnet und damit den Weg für eine Wiederaufnahme der Lieferungen in die EU frei gemacht. Die vom russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin und seiner ukrainischen Kollegin Julia Timoschenko erzielte Einigung sieht vor, dass die Ukraine künftig einen deutlich höheren Preis für Gas aus Russland zahlt.

Die Ukraine wird demnach 360 Dollar (278 Euro) pro 1.000 Kubikmeter bezahlen müssen. Im vergangenen Jahr waren es nur 179,50 Dollar. Der neue Preis für die Ukraine liegt damit aber immer noch 20 Prozent unter den europäischen Marktverhältnissen. Allerdings wird erwartet, dass die Gaspreise in Europa angesichts der sinkenden Nachfrage in diesem Jahr zurückgehen. Bis zum Sommer könnte nach Einschätzung von Experten auch die Ukraine nur noch 150 Dollar pro 1.000 Kubikmeter Erdgas bezahlen müssen.

Spürbare Wirkungen
Die Auswirkungen des Lieferstopps waren in Ländern auf dem Balkan und in Osteuropa zu spüren. Dort mussten Fabriken geschlossen werden, während Millionen Menschen in ungeheizten Wohnungen ausharrten. In der Slowakei trafen die ersten Gaslieferungen am Dienstag wieder ein, wie Wirtschaftsminister Lubomir Jahnatek mitteilte.

Angesichts des Gasstreits wurden Zweifel laut, ob Russland und die Ukraine verlässliche Energielieferanten seien. EU-Kommissionspräsident Barroso dringt auf eine gemeinsame europäische Energiepolitik. "Wir müssen aufhören, nur über Energiesicherheit zu reden, wir müssen etwas dafür tun", sagte Barroso nach der Wiederaufnahme der russischen Gaslieferungen. "Wir müssen uns auf den nächsten Winter vorbereiten." Die EU müsse ihre Abhängigkeit von Russland und der Ukraine vermindern.

Deutschlands Wirtschaftsminister Michael Glos hat als Konsequenz aus der Gaskrise gefordert, die deutschen Atomkraftwerke länger laufen zu lassen und neue Kohlekraftwerke zu bauen. Die Ausrichtung auf neue Gaskraftwerke mache ihm Sorgen, weil höhere Preise für die Verbraucher zu erwarten seien, sagte der CSU-Politiker am Dienstag in Berlin.
(apa/red)