Russischer Oligarch will Lenzing kaufen:
Faserhersteller hat mehrere Interessenten

Auch indischer Birla-Konzern hätte Kauf-Interesse Raiffeisen strebt nach einer rot-weiß-roten Lösung

Russischer Oligarch will Lenzing kaufen:
Faserhersteller hat mehrere Interessenten

Seit gut einer Woche wird erneut intensiv über den künftigen Eigentümer des Faserherstellers Lenzing spekuliert. Die italienische UniCredit will als Eigentümerin der Bank Austria deren Unternehmensbeteiligungen loswerden, um endlich Bares zu sehen, berichtet eine Zeitung. Der russische Oligarch Andrej Kozitsyn aus Jekaterinburg habe nun auch offiziell sein Interesse an Lenzing bekundet. In der Vergangenheit wurden auch schon dem indischen Birla-Konzern deutliche Avancen nachgesagt.

Doch auch der Russe hätte das nötige Geld für eine Lenzing-Übernahme, schreibt die "Kleine Zeitung". Seine UGMK - frei übersetzt Ural-Berg Metallurgische Company - mit ihren 40 Unternehmen - mache jährlich rund 2 Mrd. Euro Umsatz. Das ist fast doppelt so viel wie Lenzing mit ihren rund 5.000 Mitarbeitern erwirtschaftet. Auf den Plan getreten sei Kozitsyn Mitte September in Kärnten - als Gast des Südosteuropa Forums Velden. "Ja, ich will Lenzing kaufen", soll Kozitsyn dort offiziell gesagt haben.

Der Russe habe von den Verkaufsabsichten der Lenzing-Eigner gehört und sei direkt von Velden nach Linz gereist, um sich vor Ort ein Bild von dem Unternehmen zu machen. Viktor Koksharov, quasi Kozitsyns Ministerpräsident in der Republik Swerdlowsk, kündigte dem Bericht zufolge schon vor dem Forum an, dass seine Gäste Nägel mit Köpfen machen wollten und nach Kärnten gekommen seien, um zu investieren. Der Millionär Koksharov ist österreichischer Honorarkonsul im russischen Jekaterinburg und spricht perfekt Deutsch.

Auch die Inder haben Interesse
Wie in der Vergangenheit schon mehrmals berichtet, soll vor allem auch der indische Lenzing-Konkurrent Birla reges Interesse an dem Unternehmen zeigen. In Indien baut Lenzing seine Produktion ebenso aus wie in China und in Österreich: Im burgenländischen Heiligenkreuz hat der Konzern 25 Mio. Euro in die Tencel-Faserfabrik investiert. In Nanjing, China, hat er gerade ein Viscosefaserwerk in Betrieb genommen; im indischen Mumbai startet ein weiteres in 2011.

Raiffeisen sucht rot-weiß-rote Lösung
Die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ) ist an Lenzing-Anteilen interessiert, bekräftigte RLB-Chef Ludwig Scharinger im Interview mit dem "WirtschaftsBlatt" (Montag-Ausgabe). Parallel dazu sollen für den oberösterreichischen Flugzeugzulieferer FACC (Fischer Advanced Composite Components), an der Scharinger über die Salinen gemeinsam mit Hannes Androsch zu 47,5 Prozent beteiligt ist, in Kürze fünf bis sechs Kaufinteressenten präsentiert werden.

Für einen Kauf des oberösterreichischen Faserherstellers Lenzing stand die RLB schon einmal Gewehr bei Fuß. Das Konsortium, das sich um Scharinger formiert hatte, kam aber nicht zum Zug - "da gab es kartellrechtliche Probleme", so der Bankenchef. Die Bank Austria hätte damals alles abgeblasen.

"In der Zwischenzeit haben wir den Eindruck, dass hier Mailand (die Bank-Austria-Mutter UniCredit, Anm.) das Sagen hat. Sollte man spüren, dass ein Verkauf zur Diskussion steht, werden wir schauen, dass wir wieder was zustande bringen", sagte Scharinger. Die Lenzing AG sei ganz wichtig für die Region, für die Arbeitnehmer und vor allem für die Forstwirtschaft - für diese sei sie aufgrund des großen Holzverbrauches fast wie ein Leitbetrieb.

Derzeit gibt es laut Scharinger zwar kein Verkaufs-Procedere. Sollte es doch sehr schnell gehen mit dem Verkauf, dann müsse man schnell handeln und schauen, wie so ein Konsortium aussehen könnte. "Ich glaube nicht, dass das ein einzelner Käufer übernimmt. Und wenn es einer allein übernimmt, wäre das für Lenzing wahrscheinlich gar nicht ideal", so der RLB-Chef.

Für ein Konsortium wiederum müsse man die Verkaufsbedingungen kennen. "Da muss man wissen, wo hat man sich hinzulegen." Man führe nicht vorher Gespräche über einen Verkauf, wenn es noch keine Beschlüsse gebe. Informell werde freilich viel geredet über solche Themen. "Aber informell soll auch informell bleiben."

Die RLB wird sich jedenfalls anschauen, ob Lenzing die 399. Beteiligung der RLB Oberösterreich wird. "Lenzing ist uns sicher nicht einerlei. Es müssen aber auch passende Partner zusammenkommen", sagte Scharinger.

(apa/red)