Russischer Abzug aus Georgiens Kernland: Strategisch bedeutende Stadt Poti geräumt

Truppen ziehen sich auf ursprüngliche Linien zurück Mission der EU-Beobachter von Russland unabhängig

Russischer Abzug aus Georgiens Kernland: Strategisch bedeutende Stadt Poti geräumt © Bild: Reuters/Mdzinarishvili

Russland hat nach dem Waffenstillstand im Südkaukasuskonflikt seine letzten Soldaten aus Westgeorgien wie mit der EU vereinbart abgezogen. Zwischen der Schwarzmeerstadt Poti und dem Ort Senaki seien die fünf russischen Kontrollposten am Samstag komplett geräumt worden. Das bestätigte der Sprecher des georgischen Innenministeriums, Utiaschwili, in Tiflis.

"Dies beweist, dass sich die russische Seite streng an die Vereinbarungen hält", sagte Moskaus Außenamtssprecher Nesterenko laut der Agentur Interfax. Der Abzug der russischen Truppen aus Westgeorgien blieb nicht ohne Reaktionen der Bewohner vor Ort. Während die Konvois in Richtung der abtrünnigen Provinz Abchasien rollten, passierten sie die nordgeorgische Stadt Sugdidi. Dort sangen Georger über Lautsprecher ihre Nationalhymne und ein Lied gegen den russischen Ministerpräsidenten Putin. In den Straßen der Stadt hatten sich nach der Bekanntgabe des Rückzugsbeginn im georgischen Radio zahlreiche Schaulustige versammelt. Viele Einwohner verfolgten die russischen Konvois von ihren Fenstern aus.

Rückzug zum Ausgangspunkt
"Ich bin zufrieden, dass sie gehen - und vor allem, dass sie nicht wiederkommen", sagte Lali Schorja, die sich mit anderen an einer Bushaltestelle im Ort getroffen hatte. Auch das russische Staatsfernsehen hatte den Abbau der Verteidigungsanlagen und die Abfahrt von Konvois mit Lastwagen und gepanzerten Fahrzeugen in Richtung Abchasien gezeigt.

Am Montag hatte der französische Präsident und amtierende EU-Ratsvorsitzende Sarkozy dem russischen Staatschef Medwedew die Zusage abgerungen, die Truppen binnen eines Monats hinter die Linien vor Beginn der Kämpfe um Südossetien Anfang August zurückzuziehen. Die fünf Stützpunkte in Westgeorgien sollten demnach bis Montag geräumt sein. Russlands Außenminister Lawrow wollte am Sonntag Abchasien besuchen und am Montag weiter nach Südossetien reisen.

Mission der EU-Beobachter von Russlanf unabhängig
Nach der Eskalation des Konflikts mit Georgien hatte Russland insgesamt 25 Kontrollpunkte im Kernland aufgebaut, 13 davon in Zentralgeorgien, zwölf weitere im Westen nahe Abchasien. Rund 1.500 Soldaten wurden dort stationiert. Deren Abzug ist nun Voraussetzung für die Entsendung von 200 EU-Beobachtern. Die EU-Außenminister wollen an diesem Montag deren Entsendung beschließen. Brüssel will die Experten auch in den von Russland als unabhängig anerkannten Regionen Abchasien und Südossetien einsetzen. Die Entsendung von EU-Beobachtern in die von Georgien abtrünnigen Gebiete machte Putin unterdessen von deren Zustimmung abhängig. "Südossetien und Abchasien sind jetzt souveräne Staaten", sagte Putin. (apa/red)