Ukraine-Krise von

Russische Sanktionen "schmerzen"
heimische Landwirtschaft

2013 wurden Agrar-Produkte im Wert von 240 Mio. Euro nach Russland exportiert

Milchkühe in Brandenburg. © Bild: APA/dpa/Patrick Pleu

Der russische Importstopp für westliche Agrarprodukte "schmerzt schon", sagt der Chef der Vereinigung der Österreichischen Milchverarbeiter (VÖM), Helmut Petschar. Ursprünglich hatte es am Donnerstag noch Hoffnungen gegeben, womöglich würden sich Milchprodukte nicht auf der Sanktionsliste Russlands finden - aber gefehlt, auch diese sind mit von der Sanktionspartie.

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Was besonders schmerzt ist die Tatsache, dass es bei den Milchprodukte-Ausfuhren nach Russland zuletzt eine klar steigende Tendenz gab und Exporte für die Branche wichtiger werden. Die Milch-Exporte aus Österreich nach Russland stiegen zuletzt allerdings auch, weil zahlreiche deutsche Betriebe schon von Ausfuhren nach Moskau gesperrt gewesen waren, wie Petschar erinnerte.

Geringe direkte Auswirkungen

Insgesamt ist der Anteil der Russland-Exporte verglichen zu den Gesamten der Milchbranche nämlich verschwindend gering - von laut Petschar rund einer Milliarde Euro schweren Ausfuhren gehen nur Waren im Wert von knapp 14 Mio. Euro (Gesamtjahr 2013) an die Wolga. Vermischt mit dem kommenden Aus der EU-Milchquoten - die Österreich meist schon überlieferte - seien generell Verschiebungen am Milchmarkt zu erwarten. "Europaweit ist generell mehr Milch zu erwarten, wir müssen aber in Zukunft vom Export leben", so Petschar.

Prinzipiell darf nicht vergessen werden, dass alle EU-Staaten von den Sanktionen betroffen sind, sich also die Russland-Ausfuhren quasi vorerst einmal kumulieren.

Summa summarum wurden im vergangenen Jahr nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums agrarische Waren (Zollkapitel 1 bis 24) im Wert von 237,6 Mio. Euro aus Österreich nach Russland exportiert.

Österreichs Außenhandel mit Russland.
© APA/Rainer Waxmann

Fleischwaren aus Österreich machten mit 49 Mio. Euro hinter Lebensmittelzubereitungen (83 Mio. Euro) wertmäßig den größten Brocken aus. Anka Lorenz, Geschäftsführerin der Bundesinnung Lebensmittelgewerbe der Wirtschaftskammer, meinte, dass die gesamten nun betroffenen Waren, die bisher aus Österreich nach Russland gingen, nicht alleine im EU-Markt unterzubringen seien. "Stark abzuwarten" sei es nun, "wie sich die Preise in der EU entwickeln werden", noch wären Einschätzungen aber "Kaffeesudleserei".

Keine Kompensation "von heute auf morgen"

Insgesamt sei es "nicht von heute auf morgen zu kompensieren", wenn ein "wichtiger Abnehmer wie Russland" wegfalle. Gerade mit Milchprodukten habe man zuletzt richtig gut Fuß gefasst und in Russland einen "Boom" erlebt - dank hochqualitativer Produkte haben man sich gegen industrielle Hersteller als Österreicher durchsetzen können, sagte Lorenz.

Wurstwaren haben sich schon früher als Milchprodukte in Russland etabliert, erklärte Lorenz. Mittelfristig werden sich sowohl Milch- als auch Fleischwaren-Exporteure neue Märkte suchen müssen, befürchtete die Fachfrau. Umgekehrt seien "sicher russische Importeure und die Bevölkerung auch nicht glücklich mit den neuesten Entwicklungen", so Lorenz. Als Russland nämlich zu Jahresanfang Schweinefleischeinfuhren aus der EU stoppte, seien die Preise wenige Wochen danach "durch den Plafond geschossen". Wenn dies mit allen Lebensmitteln geschehe, wäre das für weite Teile der Bevölkerung ein Problem. Also könnte sich Russland auch selbst Schwierigkeiten bereiten.

Bauernbund will Ausgleichsmaßnahmen

Zuvor hatten bereits der ÖVP-Bauernbund und die Landwirtschaftskammer Österreich Abfederungsmaßnahmen für die heimischen Landwirte gefordert, "sollten die Einbußen übermäßig und untragbar werden", wie Bauernbund-Präsident Jakob Auer sagte. Dann müsse mit der EU und der Bundesregierung über Ausgleichsmaßnahmen diskutiert werden.

Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter hat (ÖVP) den Ball an die EU-Kommission in Brüssel weitergespielt. "Wir brauchen eine europäische Antwort", sagte er im Ö1-"Frühjournal". Die Kommission werde entsprechende Vorschläge liefern. 28 individuelle Maßnahmen in 28 Mitgliedsstaaten seien nicht richtig. Der EU-Rat habe sich für Sanktionen entschieden, das sei zu respektieren, könne jetzt diejenigen, die den Schaden hätten, aber nicht alleine stehen lassen, sagte der Minister.

Voriges Jahr exportierte Österreich agrarische Waren (Zollkapitel 1-24) um knapp 238 Mio. Euro nach Russland, die Hälfte davon könnte wegfallen. Die Preise würden verfallen, erwartete Gerald König von LGV im Radio. Insgesamt exportierte Österreich in den vergangenen Jahren jeweils agrarische Waren im Wert von fast 10 Mrd. Euro.

Enormer Schaden für Österreich

Beim Schweinefleisch, sagte Hans Schlederer von der Schweinebörse, sei es so, dass man nach Russland bisher besonders fettes Fleisch wie Rückenspeck, "Produkte die am europäischen Markt nicht wirklich gut absetzbar sind", exportiert habe. Der Schaden betrage für Österreichs Fleischverarbeiter bis zu einer Million Euro pro Woche.

Die Firmen würden sich um Ersatzmärkte umschauen müssen oder die Produktion zurückfahren, mehr könne man derzeit betroffenen Unternehmen nicht sagen, so Dietmar Fellner, Österreichs Wirtschaftsdelegierter in Moskau im "Frühjournal".

Kommentare

Wer ist die EU?
Unsere regierunh hat in Brüssel bedingungslos zugestimmt. Mitterlehner hat frohlockt, "auch wenn es weh tut". Auch vom Bundeskanzler bis zum Außenminister haben unsere regierungsmitglieder täglich um Sanktionen gebettelt. Non schieben sie diese Verwatwortung (wieder einmal) feige nach Brüssel.

11223344 melden

da sieht man wie blöd und unverantwortlich diese bescheidene eu ist. überall den senf dazugeben aber für nichts gut. diese diktatur gehört endlich abgeschaft. wenn die merkel oder die franzosen krieg spielen wollen dann viel spass dabei aber lasst die anderen länder mit euren blödheiten in frieden. der putin hat schon recht was es tut, die ukraine hat ihre derzeitige regierung nur mit einem militärputsch erreicht und dass ist ebenso illegal wie das was sie jetzt aufführt. lasst diese idioten doch ihren bürgerkrieg alleine ausfechten und haltet still. es geht niemanden etwas an was dort intern läuft.

Rumor13 melden

Korrekt.
Die EU sollte sich nicht als Weltpolizist aufpudeln.Die Amis haben ja oft genug gezeigt was dabei rauskommt............

Die Sanktionen sind ein Schuss ins eigene Knie.Hauptsache Frankreich und England haben noch ihre Waffengeschäfte mit Russland rasch VOR den Sanktionen abgewickelt.Was ist doch die EU für ein Sch.....verein.

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