Menschen von

"Ich bereue Millionen an Dingen"

Hollywoodstar Rupert Everett zieht Bilanz eines bewegten Lebens

ITALY VENICE FILM FESTIVAL 2015 © Bild: APA/EPA

Berühmt wurde er vor 18 Jahren als schwuler Kumpel von Julia Roberts in „Die Hochzeit meines besten Freundes“. Heute ist Rupert Everett 53 Jahre alt und einer der wenigen geouteten Vertreter der Traumfabrik. In „A Royal Night Out – Ein königliches Vergnügen“ (ab 1. Oktober im Kino) verkörpert er jetzt König Georg VI., den Vater der späteren Queen Elizabeth II. Im Interview mit news.at sprach er über seine Erfahrungen mit Heroin, warum Sex sein gesamtes Leben bestimmt hat und Begräbnisse für ihn emotional befriedigender sind als Hochzeiten.

News.at: Sie spielen in „A Royal Night Out“ König George VI., wie ist Ihr Bezug zum britischen Königshaus?
Ich bin kein Royalist, aber ich erfreue mich an der königlichen Familie. Die Queen mag ich am liebsten.

News.at: Wie erklären Sie sich die große Popularität der Queen?
Ich glaube das liegt daran, dass sie schon so lange am Thron sitzt. Jeder schaut auf sie, verbindet etwas mit ihr, und findet dadurch auch etwas von sich selber wieder. Jeder weiß zum Beispiel, was er getan hat als Charles und Lady Diana geheiratet haben.

News.at: In „A Royal Night Out“ sagt die junge Elizabeth in einer Szene: „Ich wäre am liebsten das unbekannte Mädchen im Bus“. Haben Sie auch manchmal das Gefühl, dass Sie nicht bekannt sein möchten?
Nein, ich habe das komplette Gegenteil gefühlt, wollte berühmt sein, von den Menschen auf der Straße erkannt werden. Ich wollte also so gesehen das Mädchen in der Limousine sein.

News.at: Bereuen Sie etwas in Ihrem Leben?
Millionen an Dingen. Aber das permanente Bereuen ist Zeitverschwendung. Natürlich denkt man sich immer wieder einmal „Hätte ich dies oder jenes nicht getan“. Aber man hat es getan – und es nicht mehr zu ändern.

News.at: Sie bereuen nicht einmal, dass Sie Heroin genommen haben?
Nein. Ich bin nicht gestorben, weil ich es genommen habe. Ich habe mich nicht mit HIV infiziert. Ich habe dadurch auch nicht mein Gehirn zerstört, habe es geschafft mein Leben weiterzuführen. Also, wenn es ums Bereuen von Dingen geht, steht Heroin sicher nicht ganz oben auf meiner Liste.

News.at: Es ist aber auch nicht üblich ohne Probleme von so einer schweren Droge loszukommen. Dafür braucht es einen starken Charakter.
Ich wollte als Schauspieler unbedingt Erfolg haben und weiterkommen. Das hat meine Drogenkarriere deshalb immer auch in geregelten Bahnen gehalten.

News.at: Gibt das wilde Partytier von damals heute nicht mehr?
Oh nein, ich bin 56. Das mit den Parties ist endgültig erledigt für mich. Dafür fühle ich mich zu alt.

News.at: Fühlen Sie sich auch für moderne soziale Medien wie Facebook und Twitter zu alt?
Ja, denn es ist nicht meine Art zu kommunizieren. Außerdem fehlt mir der Glamour, den ich im Showbusiness mag. Facebook ist extrem langweilig und es macht süchtig. Mein Freund zum Beispiel ist andauernd auf Facebook.

News.at: Postet er da auch Fotos von Ihnen?
Um Gottes Willen, nein. Er liest stumpfsinnige Beiträge darüber, dass eine Frau in Brasilien im Supermarkt durchgedreht ist oder ähnliches. Um einen Showbusiness-Ausdruck zu verwenden: Facebook ist öde. Man lässt sich nur auf totalen Schwachsinn ein.

News.at: Aber Ihr Freund hat da offenbar eine andere Einstellung.
Oh ja. Er liebt es die ganze Zeit Selfies zu machen. Kein Wunder: Er ist ja auch erst 35.

News.at: Sie sagen, dass Sie heute kein Partygeher mehr sind. Was hat sich in Ihrem Leben noch verändert?
Ich bin mehr zu einem Individuum gereift, lese sehr viel, liebe Bücher. Ich sitze einfach nur gerne herum und tue nichts. Wenn man Schauspieler ist, macht das einen leicht verbittert. Denn es ist ein hartes Business: Du wirst hochgehoben, wieder fallen gelassen, hochgehoben, wieder fallen gelassen. Es ist nicht leicht, damit klar zu kommen, ohne sich in einen grummeligen alten Mann zu verwandeln. Aber da kann man nur sagen: C’est la vie.

News.at: Frühen haben Sie immer betont, dass Sex der Motor Ihres Lebens ist. Was ist es heute?
Meinen Film über Oscar Wilde zu machen. Ich werde Regie führen und auch die Rolle des Oscar Wilde übernehmen – das ist mein Lebenstraum. Erst dadurch habe ich realisiert, dass ich mein gesamtes bisheriges Leben Sex gewidmet habe. Dabei ist es mir nicht nur darum gegangen, Sex zu haben, sondern auch für andere attraktiv zu sein. Meine ganze Karriere hat sich nur ums „cruisen“ (Anm. die Suche nach Sexualpartnern) gedreht.

News.at: Sie haben sich immer sehr für die Gleichstellung Homosexueller eingesetzt. In den USA wurde kürzlich die Ehe für Homosexuelle legalisiert. Wie stehen Sie dazu?
Ich finde das zwar großartig, für mich persönlich ist aber die Ehe keine erstrebenswerte Form der Beziehung. Als ich ein Kind war haben meine Eltern die ganze Zeit gestritten und eigentlich habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht, als, dass sie sich scheiden lassen. Außerdem finde ich eine Hochzeitszeremonie auch uninteressant. Hochzeitsoutfits, Hochzeitstorten, Hochzeitspartys, Flitterwochen und dann auch noch diese schrecklichen Blumen – mit dem ganzen Zeug kann man mich jagen.

News.at: Sie gehen also nicht mal hin, wenn Sie nur Gast sind?
Ich gehe niemals auf eine Hochzeit. Ich bevorzuge Begräbnisse. Sie sind emotional befriedigender. Und zumindest weiß man: Die Sache mit dem Tod, die währt wirklich bis in alle Ewigkeit. Ich habe übrigens das Gefühl, dass Homosexuelle heutzutage viel öfter heiraten als Heterosexuelle.

News.at: Woran liegt das?
Weil es so ein Kampf war, und immer noch ist, dass man es tun kann. Vielleicht haben homosexuelle Menschen deshalb auch ernstere Absichten, wenn sie heiraten. Sie haben deshalb auch oft Kinder. Eben, weil man so viel Arbeit und Einsatz investieren muss. Heirat, Kinder – das bedeutet in der heterosexuellen Welt einfach nicht mehr viel. Die Kinder von Homosexuellen wachsen deshalb vielleicht auch behüteter auf, weil sie für ihre Eltern etwas ganz Besonderes sind.

News.at: Hatten Sie nie das Bedürfnis selber Kinder zu haben?
Nein, denn ich finde, dass es viel weniger Menschen auf der Erde geben sollte. Die Menschheit ist wie eine Horde Schaben: wir überfluten die Erde. Dabei sind wir auch noch extrem ich-bezogen. Ich finde nicht, dass wir derzeit in eine sehr spannende Richtung gehen. Und da braucht die Welt nicht auch noch einen weiteren, der so ist wie ich.

Kommentare

naja.... ich denk, dass der heroinkonsum doch a bissl was angestellt hat.. aber anyway, sir. i love you :D

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