Rundumschlag von Ex-Profi Jan Ullrich:
Ehemaliger Toursieger kritisiert Erik Zabel

'Jedes Kind nimmt mehr Medikamente, als wir dürfen' Ullrich fühlt sich von Öffentlichkeit unfair behandelt

Rundumschlag von Ex-Profi Jan Ullrich:
Ehemaliger Toursieger kritisiert Erik Zabel © Bild: AP/Fantitsch

Drei Tage vor dem Start der 95. Tour de France in Brest hat der vor 16 Monaten zurückgetretene Jan Ullrich via "Sport Bild" noch einmal Schlagzeilen produziert. Er hasse den deutschen Verbands-Präsidenten Rudolf Scharping und habe die "zwei Gesichter" seines ehemaligen Team-Kollegen Erik Zabel zu Gesicht bekommen, sagte der Deutsche in einem Interview, in dem er erneut - für einen späteren Zeitraum - das Schreiben eines Buches ankündigte.

"Ich brauche das Buch, um mit dem ganzen Thema abzuschließen. Ich bin noch nicht so weit. Ich würde Schaum vor den Mund bekommen, wenn ich jetzt darüber nachdenken müsste. Bisher gibt es nur eine verdrehte Geschichte", sagte Ullrich.

"Ich war derjenige, der nach der Königs-Etappe der Deutschland-Tour mit ihm auf dem Tandem im Regen fahren musste, damit er seine Bilder bekommt und aus Dank bekommt man nur auf die Fresse. Solche Menschen hasse ich", sagte Ullrich über Scharping und erklärte, dass er immer noch auf die 50.000 Euro-Prämie des Nationalen Olympischen Komitees für seinen Olympiasieg 2000 in Sydney warte. Das IOC untersucht unterdessen weiter, ob Ullrich seine Goldmedaille wegen Dopings nicht aberkannt wird.

"Der Mensch Erik hat zwei Gesichter"
Über Zabel, der bei seiner 14. Tour wahrscheinlich seinen Abschied gibt, meinte Ullrich: "Als er erfolgreich wurde, habe ich ihn wirklich kennengelernt. Der Mensch Erik hat zwei Gesichter, eins vor der Kamera und eins dahinter. Das gefällt mir nicht. Ich bin Radfahrer geworden, kein Schauspieler."

Dem Toursieger von 1997 ist von der Bonner Staatsanwaltschaft nachgewiesen worden, dass er Kontakt zum Doping-Kartell Fuentes hatte. Trotzdem leugnet Ullrich weiter hartnäckig, gedopt zu haben: "Ich habe nie jemanden betrogen. Ich fühle mich nicht als Betrüger. Ich bin ein gerechter Mensch und war immer ein fairer Sportler."

"Jedes Kind nimmt mehr Medikamente, als wir dürfen"
Er wählte den Vergleich mit einem Kindergarten. "Die Grenzen im Radsport sind wie in der Kinderkrippe. Jedes Kind nimmt wahrscheinlich mehr Medikamente, als wir dürfen. Ich habe mir nie medizinisch vollgestopft einen unfairen Vorteil gegenüber anderen verschafft. Gott ist mein Zeuge. Das nehme ich auch mit ins Grab. Ich bin sehr stolz auf meine Karriere", sagte der zweifache Zeitfahr-Weltmeister, dem vorgeworfen wird, er soll vom spanischen Doping-Arzt Fuentes Blutdoping, EPO und Wachstums-Hormone erhalten haben.

Ullrich fühlt sich in der öffentlichen Wahrnehmung weiter ungerecht behandelt: "Ich wurde unter der Gürtellinie angegriffen, meine Familie attackiert. Mir wurde ein paar Mal ins Herz geschossen. Ich bin noch dabei, die Wunden zu nähen", erklärte Ullrich, dessen T-Mobile-Team ihn vor dem Tourstart 2006 wegen Doping-Verdachts erst suspendiert und dann entlassen hatte.
(apa/red)