Rumänin Tomescu gewinnt den Marathon:
Eva Maria Gradwohl mit Platz 57 zufrieden

Gold-Gewinnerin siegt nach Solo in 2:26:44 Stunden Sprint um Silber entscheidet eine Kenianerin für sich

Rumänin Tomescu gewinnt den Marathon:
Eva Maria Gradwohl mit Platz 57 zufrieden © Bild: AP/Dunham

Mit dem Erfolg der Rumänin Constantina Tomescu in 2:26:44 Stunden, einer schwer geschlagenen britischen Weltrekordlerin Paula Radcliffe (23.) und der Steirerin Eva Maria Gradwohl auf Platz 57 (2:44:24) ist der Olympia-Marathon der Frauen in Peking zu Ende gegangen. Die Siegerin lief solo ins Ziel im Vogelnest-Stadion, den Sprint um Silber entschied die Kenianerin Catherine Ndereba (2:27:06) vor der Chinesin Zhou Chunxiu (2:27:07) für sich.

Mit nur maximal 24 Grad, einer Luftfeuchtigkeit von 73 Prozent und teilweise leichtem Regen war das 42,195-Kilometer-Rennen nicht zur befürchteten Hitzeschlacht geworden, am Ende war die Goldmedaillengewinnerin überrascht, dass ihr niemand nachgelaufen ist, als sie das Tempo erhöhte. "Ich habe so hart für diese Medaille gearbeitet, ich wollte unbedingt Edelmetall bei Olympia", genoss die 38-Jährige den großen Erfolg.

Die nächste bittere Olympia-Niederlage musste Radcliffe hinnehmen, die auf den letzten Kilometern von Krämpfen geplagt wurde, kurz stoppte, sich aber ins Ziel schleppte. 2004 in Athen war sie vier Kilometer vor dem Finish von Problemen gebremst worden und saß weinend mit dem Kopf in ihren Händen am Straßenrand. Nicht optimal waren die Vorzeichen für 2008, ein Ermüdungsbruch im Oberschenkel hatte den Start in Chinas Metropole ungewiss gemacht. "Ich weiß nicht genau, was heute passiert ist, es fühlte sich an, als ob ich mein Bein nicht mehr gebrauchen könnte", erzählte Radcliffe und muss auf London 2012 hoffen. "Das ist nicht das Ende. Aber vielleicht soll es einfach bei Olympia nicht sein."

Gradwohl lief beherztes Rennen
Ein beherztes Rennen lief Gradwohl, die als erste Österreicherin in einem Olympia-Marathon am Start war. Als sie wie gewöhnlich mit einem Lächeln im Gesicht das Ziel erreichte, hatte sie schon fast vergessen, dass sie unterwegs "blau" geworden war. "Das war heute ein Erlebnis! Ich habe mich am Start mit der Melanie Kraus abgesprochen, wir wollten den Kilometer auf 3:40 laufen und alle Kilometer wechseln. Dann hat das auch geklappt bis Kilometer 25, und dann streut dieses verrückte Biest einen 3:33-er ein ohne Vorwarnung. Noch dazu bergauf! Ich bin mitgegangen und war blau. Das hat mir das Genick gebrochen", berichtete die 35-Jährige.

Anschließend konnte die ÖLV-Rekordlerin (2:30:51 Stunden) nur noch Schadensbegrenzung betreiben, mit viel Trinken und auf einem Bergab-Stück hat sie ihren Laktatwert von knapp über 4 wieder auf 2,5 runtergeholt, war wieder in den Rhythmus gekommen und kämpfte sich ins Ziel, denn aufgeben kam nicht infrage. Gradwohl glaubt, dass die Rivalität zwischen den zwei Deutschen Läuferinnen Grund für die Tempoverschärfung war. "Jede wollte beste Deutsche werden und ich bin hops gegangen. Dass die schon bei Kilometer 25 anfangen zu taktieren, damit habe ich nicht gerechnet." Für Kraus zahlte es sich aus, sie wurde 38., Susanne Hahn landete auf 52.

Genussvoller Einzug ins Stadion
Gradwohl hätte die trockene Hitze der vergangenen Tage bevorzugt. "Als ich die Wolken sah, habe ich mich nicht gefreut. Bei trockener Hitze hätten andere mehr gelitten als ich." Entscheidend sei dies aber nicht gewesen. "Unverblümt gesagt: Wenn'st blau bist, bist blau, ob die Luft feucht oder trocken ist." Ein "cooles" Erlebnis sei der Einlauf ins Stadion gewesen, sie habe sich einfach vorgestellt, eine 400-m-Läuferin zu sein. "Bei der Stimmung war es Genuss und Belohnung für die vorigen 41,8 Kilometern."

Gradwohls Bilanz fällt positiv aus. Weil es ihr erstes Großereignis war. Weil sie Konkurrentinnen geschlagen hat, die mit ihren Bestzeiten vor ihr stehen. "Damit muss ich zufrieden sein. Es war eine lange Saison, ich trainiere seit November durch, es war zum Schluss schon ziemlich ermüdend. Es ist für mein Niveau noch eine zu lange Zeit, so lange durchzutrainieren. Ich brauche noch ein, zwei Jahre, damit ich es verkrafte, so ein Trainingsprogramm durchzuziehen." Wenn es der Handelsangestellten gelingt, ihr Umfeld weiterhin professionell zu gestalten, wird sie bis London 2012 weitermachen.
(apa/red)