Rumänen sorgten für erste CL-Sensation:
Cluj besiegt den AS Roma auswärts mit 2:1

Chelsea glückt mit neuem Coach Einstand nach Maß Anorthosis trotzte Werder auswärts einen Punkt ab

Rumänen sorgten für erste CL-Sensation:
Cluj besiegt den AS Roma auswärts mit 2:1 © Bild: Reuters/Karahali

Vorjahresfinalist Chelsea, Italiens Champion Inter Mailand und der FC Barcelona sind mit souveränen Auftritten in die Fußball-Champions-League-Gruppenphase gestartet. Im Mittelpunkt standen mit dem CFR Cluj und Rapid-Bezwinger Anorthosis Famagusta aber zwei andere Clubs, die Rumänen gewannen bei der AS Roma völlig überraschend nach 0:1-Rückstand noch 2:1, die Zyprioten holten beim Österreicher-Club Werder Bremen ein achtbares 0:0.

Der Champions-League-Einstand von Chelsea-Coach Luiz Felipe Scolari an der Stamford Bridge hätte vom Ergebnis kaum besser verlaufen können. Tore von Lampard, Joe Cole, Malouda und Anelka brachten den "Blues" vor den Augen von Österreichs Tennis-Davis-Cup-Team einen klaren 4:0-Heimsieg gegen Girondins Bordeaux und die Führung in Gruppe A. Die britische Presse sah Chelsea bereits auf dem Weg auf den Thron. "Nach dem Untergang von Moskau ist Chelsea wieder in Gang", schrieb der "Daily Telegraph".

Trotzdem war der Coach des englischen Tabellenführers nicht vollauf zufrieden, wie er erklärte: "Wir sind gut gestartet, haben aber zu viele Fehler gemacht. Wir haben das Spiel nicht genug kontrolliert und ihnen zu viele Bälle gelassen." Unabhängig davon sei aber das Resultat "das Wichtigste" gewesen. Bordeaux-Manager Laurent Blanc war demgegenüber enttäuscht: "Wir haben so hart gekämpft, um in die Champions League zu kommen, und dann waren wir nicht aggressiv genug und schwach."

Roma blamierte sich gegen Cluj
Während die Franzosen eine erwartbare Niederlage hinnehmen mussten, blamierte sich die in der Serie A nach zwei Runden mit nur einem Zähler auf Rang 17 liegende Roma gegen CL-Neuling Cluj und schlitterte in eine Krise. Trotz Traumstart (Panucci/17.) setzte es aufgrund eines Doppelpacks des starken Juan Culio eine verdiente 1:2-Heimniederlage im Stadio Olimpico. "Wenn wir so spielen, haben wir es gegen jeden Gegner schwer", sagte Roma-Coach Luciano Spalletti. Er werde allerdings sicher nicht zurücktreten. Die "La Gazzetta dello Sport" titelte am Mittwoch: "Was für ein Desaster!"

Im Freudentaumel befindet sich hingegen Clujs Coach Maurizio Trombetta, der ausgerechnet in seiner Heimat den größten Erfolg in der 101-jährigen Vereinsgeschichte des rumänischen Meisters feiern durfte. "Vor dem Spiel hätte niemand mit so einem Ergebnis gerechnet, aber es war absolut verdient", meinte der Italiener. Trombetta war erst im Laufe des Monats als Nachfolger von Ioan Andone nach einem schwachen Saisonstart der Rumänen präsentiert worden. "Ich habe die Früchte seiner Arbeit geerntet", freute sich der Cluj-Trainer. Seine Elf habe nun eine große Injektion an Selbstvertrauen bekommen, trotzdem habe sich an der Ausgangslage wenig geändert. "Wir sind Zweiter in der Gruppe, aber es wird schwierig werden, dort zu bleiben."

In der "Österreicher"-Gruppe B untermauerte Inter Mailand mit einem 2:0-Auswärtserfolg bei Panathinaikos Athen seine Favoritenstellung. Schwedens Teamstürmer Zlatan Ibrahimovic zeigte sich nach überwundener Knieverletzung in Spiellaune und sorgte bei den Toren der beiden Brasilianer Mancini und Adriano jeweils für den Assist. "Er hat nicht getroffen, aber einen großartigen Job gemacht", lobte Inters Coach Jose Mourinho den 26-Jährigen. Zu den Verlierern zählte auch ÖFB-Teamkapitän Andreas Ivanschitz, der nach der Verletzung von Karagounis bei den Griechen schon in der 36. Minute eingewechselt wurde und immer wieder - vor allem bei Standardsituationen - für Gefahr sorgte. Laut "Pana"-Coach Henk Ten Cate ("Wir haben ganz gut gespielt") hätten die größere Erfahrung und individuelle Qualität den Ausschlag für den Sieg der Mourinho-Truppe gegeben.

Anorthosis trotzte Werder auswärts einen Punkt ab
Für die zweite Sensation sorgte Anorthosis. Die Zyprioten, die in der zweiten Quali-Runde Rapid ausgeschaltet hatten und Zypern zum ersten Mal überhaupt in der Königsklasse vertreten, holten in Bremen ein 0:0. Dem deutschen Vizemeister gelang damit auch beim fünften Champions-League-Start hintereinander kein Auftaktsieg. "So kann man international nicht auftreten. Wir haben nicht den nötigen Biss gehabt", war Manager Klaus Allofs stinksauer.

Die Truppe von Coach Thomas Schaaf war zwar klar überlegen, allerdings im Abschluss - Pizarro, Rosenberg, Sanogo und Almeida vergaben kläglich - mehr als stümperhaft. "Im Abschluss hat uns ein Schuss Qualität gefehlt", analysierte Innenverteidiger Per Mertesacker, der den ÖFB-Teamspieler Sebastian Prödl endgültig aus der Mannschaft gespielt hat. Genauso wie der Ex-Grazer musste auch Martin Harnik 90 Minuten von der Bank aus zusehen.

Ein Befreiungsschlag gelang dem FC Barcelona, der in der Primera Division mit nur einem Punkt aus zwei Spielen gestartet ist, mit dem 3:1-Heimsieg gegen Sporting Lissabon dank Toren von Marquez, Eto'o und Xavi. "Der Sieg war genau das, was uns bisher gefehlt hat, und gibt uns viel Selbstvertrauen", sagte Kameruns Stürmer Samuel Eto'o. Im zweiten Gruppe-C-Duell behielt Schachtjor Donezk auswärts im St. Jakobs Park gegen den FC Basel mit 2:1 die Oberhand.

Athletico Madrid nimmt Eindhoven auseinander
Das schnellste Tor der Partien erzielte Sergio Aguero, der beim 3:0-Triumph von Atletico Madrid in der Gruppe D beim PSV Eindhoven bereits nach acht Minuten traf. In der 36. Minute sorgte der 20-Jährige mit dem 2:0 für die Vorentscheidung. "Aguero macht uns das Leben leichter", meinte Sturmkollege Luis Garcia. Und auch 3:0-Torschütze Maniche lobte den Doppeltorschützen: "Ich finde keine Wörter, um ihn zu beschreiben, in zwei bis drei Jahren wird er der beste Spieler auf der Welt sein."

Deutlich härter musste Liverpool kämpfen, ehe der 2:1-Auswärtssieg bei Olympique Marseille sichergestellt war. In den Mittelpunkt spielte sich einmal mehr Kapitän Steven Gerrard, der die Partie mit einem Doppelpack innerhalb von sechs Minuten drehte. "Gerrards erstes Tor war fantastisch, aber er und das Team können besser spielen", sagte Liverpool-Coach Rafael Benitez. Der Matchwinner wusste jedenfalls, wem die Engländer den Sieg zu verdanken hatten. "Wir waren in der zweiten Hälfte stark unter Druck. (Anm./Goalie) Reina war der eigentliche Held", betonte Gerrard. Marseille hatte auch das letzte direkte Champions-League-Duell mit Liverpool im Velodrome-Stadium (Dezember 2007/0:4) verloren.
(apa/red)