Ruinieren Banken die Wirtschaft? Kritik der
Unternehmen an Kreditvergabe wird lauter

FORMAT stellt Argumente beider Seiten gegenüber Wirtschaft beklagt Kreditklemme, Banken defensiv

Ruinieren Banken die Wirtschaft? Kritik der
Unternehmen an Kreditvergabe wird lauter © Bild: APA/Schlager

Auf den ersten Blick ist die Welt der Banken wieder in Ordnung: Die Erste Group vermeldete im ersten Halbjahr ein Plus des Betriebsergebnisses von knapp 20 Prozent, bei der Bank Austria stieg es gar um mehr als 50 Prozent. Auch die britischen Institute Barclays und HSBC oder die Deutsche Bank konnten ansehnliche Gewinne verbuchen – mitten in der Finanzkrise. Weniger erfreulich sind die Erfahrungen, die Unternehmen im vergangenen halben Jahr mit den Banken gemacht haben: Kredite zu bekommen ist mühsamer geworden.

Manche Betriebe werfen den Kreditinstituten vor, Geld zu scheffeln und den Rest der Wirtschaft in den Ruin zu treiben. Und das, obwohl der Steuerzahler erst kürzlich die Finanzbranche gerettet hat. Agieren die Banken also wirklich zu egoistisch?

Kritik der Wirtschaft
Vor allem für Immobilien- und Autounternehmen gibt es laut Notenbank einen starken Rückgang bei den Kreditvolumina. Weniger Darlehen erhalten auch Dienstleister und Händler. In der Eurozone sind die Darlehen an Unternehmen im Juni wegen der Rezession im Rekordtempo geschrumpft. „Das größte Problem für Betriebe ist es derzeit, Überbrückungskredite zu bekommen“, sagt Brigitte Jank, Chefin der Wiener Wirtschaftskammer. „Daher fordern wir, dass geförderte ERP-Kredite nicht nur für Investitionen, sondern auch zur Überbrückungsfinanzierung verwendet werden sollen.“

Die Wirtschaft zahlt einen Teil der Systemkosten der Krise. Zwar argumentieren die Banken, dass jetzt im Gegensatz zu früher die wahren Risikokosten verrechnet werden. Doch das Pendel hat in die andere Richtung ausgeschlagen, die Banken agieren derzeit übervorsichtig.

Verteidigung der Banken
Laut Notenbank ist in den ersten Monaten 2009 das Kreditvolumen österreichischer Banken an Unternehmen sogar um rund fünf Prozent gestiegen. Damit ist das Wachstum deutlich geringer als in den vergangenen Jahren. „Man bekommt schon Darlehen. Aber Kredite aufstocken ist schwieriger geworden“, sagt Manfred Reichl, Berater und Investor. Für Projekte, bei denen früher 20 Prozent Eigenkapital notwendig waren, muss jetzt mindestens doppelt so viel mitgebracht werden.

Am Markt wird derzeit eine Eigenkapitalquote von acht bis neun Prozent von Banken verlangt. Um gegen Kreditausfälle gewappnet zu sein, wäre es von Vorteil, wenn die Quote sogar bei rund zwölf Prozent läge, sagt Franz Hahn vom WIFO. „Es ist ein Gebot der Stunde zu schauen, dass unser Eigenkapital möglichst hoch ist“, erklärte auch Erste-Group-Chef Andreas Treichl. Dass die staatliche Bankenhilfe kaum in der Realwirtschaft ankommt, liegt etwa laut RZB-Boss Walter Rothensteiner daran, dass 80 Prozent des Partizipationskapitals verbraucht wurden, weil die Kreditportfolios aufgrund schlechterer Ratings mit mehr Eigenkapital unterlegt werden müssen (das verlangt das Basel-II-System). Die Intention des Gesetzgebers war auch in erster Linie eine Absicherung der Finanzbranche. „Ziel des Bankenpakets war eine Bilanzstärkung der Banken“, sagt Harald Waiglein vom Finanzministerium.

Die Banken haben keine andere Wahl, als jetzt möglichst viel Speck anzusetzen. Pleiten von Kreditinstituten würden auch viele Opfer in der Realwirtschaft fordern. Das liegt daran, dass Banken, wie Berater Reichl sagt, ein „sonderbares Zwitterwesen“ sind: einerseits privatwirtschaftlich geführt, andererseits mit tragender Funktion für die Volkswirtschaft. Daher müssen sie auf eine möglichst stabile Bilanz achten. Die derzeit von Bank Austria oder Erste Bank erzielten Gewinne sind kein Grund, sich zurückzulehnen. Denn die Pleitewelle, die zu hohen Wertberichtigungen zwingen wird, ist erst im Anmarsch. „Wir haben das Schlimmste noch nicht gesehen, die schwierigste Zeit liegt vor uns“, sagt Beraterin Chikova.

Miriam Koch

Lesen Sie im FORMAT 32/09, warum die Banken der Politik schwere Vorwürfe macht!

Kommentare

Die Zinsen sind\'s Solang das gewöhnliche Zinssystem beibehalten wird, kann sich nichts ändern. Zentralbanken "verkaufen" Geld mit Zinsen an Baken bzw. den Staat. Der Staat muss dann natürlich einen Gegenwert hergeben für dieses Geld. Und das sind unsere Ressourcen wie Wasser, Land, usw. Der Staat kann gar nicht schuldenfrei werden, da dieses Geld verzinst ist, und er somit immer in der Schuldenspirale gefangen ist. Dieses System ist fehlerhaft und Krisen sind unter solchen Bedingungen einfach nicht vermeidbar. Draufzahlen tut wie immer der Bürger.
Hier ein leicht verständlicher Film zu diesem Thema:
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