Rüstung von

Mysteriöser Waffendeal

Finnland konfisziert 69 deutsche "Patriot"-Raketen - Übersetzungsfehler war schuld

Rüstung - Mysteriöser Waffendeal © Bild: APA/EPA/JUHA METSO

Eine im finnischen Hafen Kotka zufällig entdeckte deutsche Raketen-Lieferungen an Südkorea gibt derzeit der Öffentlichkeit einiges zum Rätselraten. 69 Luftabwehrraketen des US-Fabrikats "Patriot" sowie über 159 Tonnen militärischen Sprengstoffs wurden von den finnischen Behörden vorerst beschlagnahmt. Die Fracht an Bord des unter der Flagge der britischen Insel Man fahrenden Frachters "Thor Liberty" wurde an Land gebracht und wird derzeit nach Polizeiangaben von der Armee bewacht.

Der Waffentransport war bereits in der Vorwoche von finnischen Hafenbehörden im Zuge einer Kontrolle aufgedeckt worden. Ministerin Räsänen zufolge flog der Transport auf, weil der Militärsprengstoff nicht wie vorgeschrieben in Sicherheitscontainern, sondern in Säcken zu je 25 Kilogramm verpackt war.

Zudem seien die Patriot-Raketen aufgrund eines Übersetzungsfehlers irrtümlich als "Feuerwerkskörper" gekennzeichnet gewesen. In den Frachtpapieren seien die Waffen mit dem englischen Ausdruck "rockets" aufgeschienen. Der erste Hafenangestellte, der in Finnland damit zu tun hatte, habe dies missverstanden und mit dem finnischen Ausdruck für Feuerwerkskörper (ilotulitteitä) übersetzt. "Ein menschlicher Fehler" - so der Polizei-Ermittler Timo Virtanen.

Ermittlungen gegen Kapitän und Steuermann
Laut Virtanen hat der Übersetzungsfehler aber keine unmittelbare Auswirkung auf die laufenden Ermittlungen gegen Kapitän und Steuermann der "Thor Liberty". Die erforderliche Transitbewilligung für den Waffentransport - außer den Raketen eine mittlerweile mit 159 Tonnen bezifferte Ladung militärisch einsetzbaren Sprengstoffes - sei jedenfalls nicht erfolgt. "Das ist das Problem", so der Ermittler gegenüber der Nachrichtenagentur STT. Gegen die beiden wird wegen mutmaßlichen Verdacht Bruchs von Waffenexport- und Sicherheitsbestimmungen ermittelt. Der Rest der ukrainischen Schiffsbesatzung wurde von den Ermittlern als Zeugen vernommen.

Wenige Stunden zuvor hatte das Oldenburger Hauptzollamt mitgeteilt, dass das auf der britischen Insel Isle of Man registrierte Schiff über eine deutsche Waffenexportgenehmigungen für Südkorea verfüge. "Was die Ausfuhr angeht, ist es ordnungsgemäß gelaufen", sagte ein Behördensprecher am Donnerstag.

Nach Angaben des deutschen Zolls wurde der Militärtransport vor dem Verlassen der deutschen Hoheitsgewässer zweimal kontrolliert. Die Ausfuhr von Kriegswaffen ist per Gesetz streng reglementiert. "Ausführer war das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung", sagte der Sprecher.

Schiff in schwerem Sturm unterwegs
Der finnische Schifflotse Kaj Wikberg berichtete indes gegenüber dem Finnischen Rundfunk, dass der mit den Raketen und 150 Tonnen Sprengstoff beladene Frachter vor etwa zwei Wochen bei schwerem Sturm im südwestfinnischen Schärengebiet akut um Lotsenhilfe gebeten habe. Laut Wiberg herrschte zu diesem Zeitpunkt eine kritische Wetterlage mit Böen von um die 34 Meter pro Sekunde und bis zu neun Meter hohen Wellen.

Die ukrainische Besatzung habe in den gefährlichen, flachen Küstengewässern ohne Kartenmaterial navigiert. "Die Lage war für alle an Bord extrem. Ich weiß nicht, was sie ohne mich gemacht hätten", sagte der Lotse. Er habe Fotos von über den ganzen Rumpf verstreut liegenden Säcken mit dem Sprengstoff gesehen, sei aber sonst nur indirekt über die Last an Bord informiert worden. Laut Polizei-Aussendung bestand aufgrund der Beschaffenheit des Sprengstoffs kaum Explosionsrisiko. Inoffiziellen Berichten zufolge handelt es sich um das relativ zündungsträge aber starke Sprengmittel Nitroguandin.

Raketen "irrtümlich" beladen?
Der Eigentümer des Frachtschiffes hatte sich über den Fund der Rüstungslieferung "überrascht" gezeigt. Der Geschäftsführer des dänischen Unternehmens Thorcos, Thomas Mikkelsen, sagte gegenüber der finnischen Nachrichtenagentur STT, er habe selbst von dem Vorfall bisher nichts gewusst. Ein anderer Angestellter der Firma deutete an, dass die Raketen "irrtümlich" auf das Schiff geladen worden sein könnten.

Das von den USA entwickelte Waffensystem "Patriot" dient der Abwehr von Flugzeug- und Raketenangriffen. Die Flugkörper erreichen fast vierfache Schallgeschwindigkeit.

Kommentare

Irrtümlich Raketen geladen Was für eine Verarschung. Deutschland ist einer der größten Hersteller von Waffen und Kriegsmaterial während es sich gleichzeitig als Führungsland in der Sicherheitsgemeinschaft EU präsentiert. Schizophrenie pur.

Seite 1 von 1