Rückkehrer Scharner kritisiert ÖFB-Abwehr:
"Tor zum 2:1 dürfen wir nicht bekommen"

Der "Rebell" ist mit Comeback trotzdem zufrieden Wigan-Legionär spielte auf ungewohnter Position

Rückkehrer Scharner kritisiert ÖFB-Abwehr:
"Tor zum 2:1 dürfen wir nicht bekommen" © Bild: APA/EPA/Horcajuelo

Mit dem Resultat im ersten Länderspiel seit seiner Rückkehr ins österreichische Fußball-Nationalteam war Paul Scharner sichtlich zufrieden. "Immerhin haben wir doppelt so viele Tore geschossen wie bei der gesamten EURO 2008", grinste der England-Legionär nach dem 2:2 am Mittwoch in Nizza gegen Italien.

Scharner wurde vom neuen Teamchef Karel Brückner in dessen 4-1-4-1-System als Staubsauger im Mittelfeld aufgeboten und erfüllte seine Aufgabe mit einer taktischen Disziplin, wie man sie beim Niederösterreicher in seinen vorangegangenen 16 Auftritten in der ÖFB-Auswahl nicht immer gesehen hatte. "Ich habe versucht, die Ruhe hineinzubringen, die gefehlt hat, und ich glaube, es ist mir gelungen."

Dabei wurde der 28-Jährige auf einer Position eingesetzt, die der Premier-League-Kicker schon seit vielen Monaten nicht mehr bekleidete. "Bei Wigan spiele ich immer Innenverteidiger. Das ist ein anderes Bewegungsmuster, aber ich habe gleich wieder gut zurückgefunden", erklärte Scharner.

"Über Defensive lässt sich streiten"
Aufgrund der zwei Treffer gegen die traditionell defensivstarken Italiener müsse die Leistung in der Offensive gepasst haben, "aber über die Defensive lässt sich streiten", monierte der Ex-Austrianer und ärgerte sich vor allem über die Entstehung des ersten Gegentreffers unmittelbar vor der Pause. "So ein Tor dürfen wir nicht bekommen, da hätten wir nicht auf Abseits spielen dürfen."

Der Anschlusstreffer der Elf von Neo-Teamchef Marcello Lippi war doppelt bitter, da er ausgerechnet in der stärksten Phase der Österreicher fiel. Dass die Nummer 103 der FIFA-Weltrangliste die Nummer drei der Welt von der 30. bis zur 45. Minute in Bedrängnis bringen konnte, lag laut Scharner an einer taktischen Modifizierung. "Ich habe als einziger 'Sechser' begonnen, dann haben wir umgestellt mit Jürgen Säumel mit zwei 'Sechser' gespielt, und von da an ist es bis zur Pause besser geworden", analysierte der Niederösterreicher.

Verletzungs-Aus nach erster Halbzeit
In der Halbzeit blieb Scharner in der Kabine, weil sein zuletzt lädiertes Sprunggelenk wieder angeschwollen war. "Aber das war eine reine Vorsichtsmaßnahme", meinte der ÖFB-Internationale, der hofft, rechtzeitig für das Meisterschafts-Heimspiel am Sonntag gegen Chelsea wieder fit zu werden.

Bis zur nächsten Team-Zusammenkunft ab 1. September in Lindabrunn, wo sich die Mannschaft auf die ersten Partien der WM-Qualifikation im Wiener Happel-Stadion gegen Frankreich (6. September) und in Litauen (10. September) vorbereitet, wird Scharner aber wieder im Vollbesitz seiner Kräfte sein. Und spätestens in der dortigen Abgeschiedenheit sollen alle internen Probleme, die durch seinen ÖFB-Rücktritt vor zwei Jahren entstanden, endgültig ad acta gelegt werden. Gleich zu Beginn des Trainingslagers sei eine Unterredung mit dem gesamten Kader geplant. "Ich bin in den vergangenen zwei Jahren ruhiger geworden und habe dazugelernt", betonte Scharner, der nach eigenen Angaben bisher Einzelgespräche mit Andreas Ivanschitz und Emanuel Pogatetz führte.

(apa/red)