Rudi Fußi von

Der ewige Rebell

Porträt. Allein gegen die Abfangjäger. Auf Kriegsfuß mit dem Kanzler. Bekämpfer der Blauen. Jetzt startet er ein Volksbegehren für Vermögenssteuern. Umfrage: Würden Sie unterschreiben?

Rudi Fußi - Der ewige Rebell © Bild: NEWS/Marcus E. Deak

Nur für eine Sache schämt sich Rudi Fußi wirklich. Einen Monat lang traute er sich nicht mehr aus dem Haus. Er habe sich damals benommen „wie der größte Volltrottel“. Dabei hatte der junge Mann mit der Öffentlichkeit noch nie ein Problem, im Gegenteil.

Was war passiert? Gerade erst hat Fußi im Alleingang ein Volksbegehren gegen die Eurofighter aufgestellt, 600.000 Menschen haben unterschrieben. Wenige Monate später ist er Kandidat in der „Millionenshow“. Der Mann, der Regierung und Rüstungsindustrie das Fürchten lehrte, ist nicht wiederzuerkennen. Er ist nervös wie nie zuvor. Die Beine zittern. Fußi gewinnt 15.000 Euro. Er braucht sie, um den Privatkonkurs abzuwenden.

In sein neues Projekt, ein Volksbegehren für Steuergerechtigkeit, wird er nicht mehr sein privates Geld stecken. „Jetzt gibt es Leute, die das Projekt finanziell und personell unterstützen.“ Nachsatz: „Das ist kein Fußi-Volksbegehren.“

Es waren nicht nur die zwanzig Tausender für die Eurofighter-Kampagne, die Fußi einst fast in den Ruin trieben. Geschätzte 26-mal, sagt er, hat ihn die FPÖ verklagt, wegen Beleidigung und übler Nachrede. Das habe ihn fast 200.000 Euro gekostet. Fußi ist eben nicht zimperlich, schon gar nicht, wenn es um die Blauen geht. Dass mit dem gebürtigen Steirer mitunter die Pferde durchgehen, halten Wegbegleiter auch für seine Achillesferse: Sein Temperament macht Fußi unberechenbar.

Der steht dazu, dass es in der Politik oft eine große Klappe braucht, um gehört zu werden. Ja, es passiere, dass er übertreibe und damit dem Anliegen – oder sich selbst – schade. „Aber man darf den Populismus nicht den Rechten überlassen.“

Fußis Mini-Partei „Die Demokraten“ sollte folglich auch politischer Zufluchtsort für enttäuschte FPÖ-Wähler werden. Bei den vorgezogenen Neuwahlen 2002 scheiterte er mit einer bundesweiten Kandidatur, bald darauf legte er den Parteivorsitz zurück, wurde SPÖ-Mitglied. Bereits seine dritte Partei: In seiner Jugend war er Vizechef der JVP Judenburg. Als er zum Studieren nach Wien geht, kommt ihm die ÖVP mit der Zeit „wahnsinnig unmodern“ vor. 1999 trat er aus.

Heimatloser Linker
Ausgetreten ist er mittlerweile auch aus der SPÖ. Eigentlich wollte er die Partei ja retten, gründete vor knapp drei Jahren die „SPÖ-Linke“, forderte eine personelle Erneuerung und die Rückkehr zu sozialdemokratischen Werten. Nicht erst seit er seinen Austritt öffentlich mit der Enttäuschung über die rote Führung begründet, steht er mit dieser auf Kriegsfuß.

Fußi weiß, was über ihn gesagt wird. Dass es keine Partei gibt, bei der er noch nicht gewesen ist. Dass er gern Volksbegehren über dieses und jenes ankündigt, aber selten umsetzt. Hauptsache, er könne sich wichtig machen. Lächerlich, sagt Fußi. Niemals würde er bei der FPÖ oder wieder bei der ÖVP andocken, da wette er sein Leben drauf. Er sei ein Linker, wenn auch ein heimatloser. „Es ging mir nie um mich, sondern um den Inhalt“, schwört er. Seine Droge sei die Politik, nicht die Aufmerksamkeit der Medien – aber die dürfe einen halt auch nicht stören.

Diese Gefahr besteht bei Fußi nicht. Seine Fernsehauftritte sieht er sich immer wieder an, analysiert sie genau – „aus einer Mischung aus Professionalität und Selbstverliebtheit“, wie er zugibt. Sein Talent zur (Selbst-)Vermarktung hat ihn inzwischen auch finanziell saniert. Fußi verdient sein Geld als PR-Berater, zuletzt beim Haushaltsgeräte-Hersteller Electrolux. Obwohl der Studienabbrecher nach eigenen Angaben mit hoch dotierten Angeboten geradezu überhäuft wird, ist er dabei, sich selbständig zu machen.

„Es geht nicht um Klassenkampf.“
Im Internet ( www.hermitdemzaster. at ) sammeln er und seine Mitstreiter gerade Unterschriften für das Volksbegehren. Wenn es 15.000 sind, werden die offiziellen Unterstützungserklärungen aufgelegt.

Wozu das Ganze? Weil die Politik einen Anstoß von außen brauche. Weil sie sich von der Wirklichkeit entferne. Weil ihr der Mut fehle. Fußi legt großen Wert darauf, dass es ihm „nicht um Klassenkampf“ gehe. Er wolle nur Ungerechtigkeiten beseitigen; weniger Steuern auf Arbeit, dafür mehr auf Vermögen. „Dass es immer welche geben wird, die mehr haben, ist unbestritten.“ Wie viele Unterschriften einen Erfolg darstellten, will er nicht sagen. Das Wichtigste sei, dass über das Thema diskutiert werde.

Mit dem Erfolg ist es bei ihm so eine Sache. Die Eurofighter und den Aufstieg der FPÖ konnte Fußi nicht verhindern, die SPÖ-Linke gibt es nicht mehr: „Ich war nicht immer erfolgreich. Aber ich kann mich in den Spiegel schauen.“