Royale Rotlicht-Connection: Wie der in den Polizeiskandal verwickelte Sex-Betrieb läuft

FORMAT über die Hintermänner des "Goldentime" Welche Rolle Prinz Michael von Liechtenstein spielt

Royale Rotlicht-Connection: Wie der in den Polizeiskandal verwickelte Sex-Betrieb läuft

Wolfgang Bogner, 42, kassiert in seiner FKK-Sauna Goldentime in der Wiener Karl-Gunsam-Gasse 80 Euro Eintritt je Besucher und Tag. Schwimmbecken, Kino sowie Speis und Trank sind inklusive. Bogners Gäste sind Prostituierte und Freier, die laut Prospekt "gemeinsam entspannen und zusammenfinden". Die Prostituierten nehmen im Goldentime 50 bis 70 Euro je halbe Stunde. "Wir sind kein Bordell", meint Bogner trotzdem. "Wir kommen mit einer Sauna-und einer Buffetkonzession aus. Was meine Kunden treiben, geht nur sie etwas an." FORMAT über die Hintermänner des Goldentime.

Bogner hat es bisher tunlichst vermieden, sein Geschäftsmodell FKK-Sauna, das deutschen Vorbildern nachempfunden ist, an die große Glocke zu hängen. Der Rotlichtszene war der Betrieb seit Gründung 2003 ein Dorn im Auge, das rechtliche Fundament ist dünn, und den Behörden ist die Firma suspekt: Razzien gab es teils im 14-Tage-Rhythmus.

Doch seit zwei Wochen steht das Etablissement im Mittelpunkt einer spektakulären Polizeiaffäre: Der Wiener Kripochef Ernst Geiger wurde wegen Verdachts auf Verletzung des Amtsgeheimnisses vom Dienst suspendiert. Er soll seinem Freund Bogner einen Razziatermin gesteckt haben. Die Ermittlungen des BIA (Büro für interne Angelegenheiten) gegen Geiger finden vor dem Hintergrund polizeiinterner Machtkämpfe statt, in die auch der Wiener Landespolizeikommandant Roland Horngacher und Polizeipräsident Peter Stiedl verwickelt sind.

Sauna-Affäre kostet Kunden
Dem schrägen Bordellverschnitt in Simmering tut das gar nicht gut. "Kunden bleiben bereits aus", klagt Bogner.

Brisanz am Rande: Die Gründungsgeschichte des Sexbetriebs ist mit schillernden Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft gespickt. Die Liste der Prominenten, die jetzt mit Bogner oder der Goldentime-Sauna indirekt in Verbindung gebracht werden, reicht vom früheren Innenminister und jetzigen Purkersdorfer Bürgermeister Karl Schlögl über den Exstaatssekretär und jetzigen SPÖ-Nationalratsabgeordneten Peter Wittmann und den Exfinanzminister und Steuerberater Andreas Staribacher bis zum einstigen Libro-Boss André Rettberg.

Prinz Michael von Liechtenstein Direktor von Goldentime
Selbst Prinz Michael von Liechtenstein lässt sich jetzt mit der Goldentime-FKK-Sauna in Zusammenhang bringen: Der Adelige scheint in einem FORMAT vorliegenden "Certificate of Incorporation" als Direktor der auf den Bahamas residierenden Goldentime-Muttergesellschaft Triangle Consultants Co. Ltd. auf, die als Treuhandgesellschaft fungiert (siehe Faksimile).

Initiator der Goldentime-Sauna war laut dem am Wiener Handelsgericht aufliegenden Firmenakt der Wiener Unternehmer Werner Schmuck, der hauptberuflich über seine Teleinfo-Online-Vertriebs-GmbH mit dreißig freien Mitarbeitern Telekabelanschlüsse vertreibt. Das Investment brachte Schmuck mithilfe von Investoren auf, darunter die Lippay Privatstiftung eines FORMAT bekannten Wiener Unternehmers, die sich über ihre Seneca Management & Consulting GmbH beteiligte. Vorstand der Lippay-Stiftung ist Staribacher, der dementiert, mit der Sauna zu tun zu haben.

Schmuck und seine Geldgeber hatten mehrere hundert Kunden täglich erwartet, doch vorerst kamen bloß zwei Dutzend zahlende Gäste. Für die Sauna, die mit 28 Mitarbeitern 100.000 Euro Fixkosten pro Monat produziert, setzte es 2003 statt der erwarteten fetten Gewinne 165.552 Euro Bilanzverlust.

Bogner löste Schmuck als Geschäftsführer ab. Er bildet die Achse zu Schlögl und Wittmann: Bogner und Schlögl sind verschwägert, zudem betrieben sie mit Wittmann die SBW (Schlögl, Bogner, Wittmann) Consulting-und Beteiligungs-GmbH. Das Trio wollte, teils im Auftrag von Banken, maroden Unternehmen bei der Finanzierung und Restrukturierung helfen.

Die SBW kam nie in Schwung. Bogner, der zuvor auch im Spielautomaten-Geschäft tätig gewesen war, setzte sich zur Goldentime-Sauna ab. Schlögl: "Bogner ist mein Schwager. Das ist alles." Auch Wittmann betont, nichts mit der Sauna zu tun zu haben. Bogner motzte sie mit Promotionkarten, Preisnachlässen für Sonntage oder Services wie Autowaschen während des Besuchs auf. Inzwischen ist das Etablissement so erfolgreich, dass er an der Expansion nach Innsbruck arbeitet.

Lesen Sie im aktuellen FORMAT, wer die wahren Eigentümer des Betriebes sind!