Rove wirft das Handtuch: Spitzenberater von Bush zieht sich mit Ende August zurück

Rove gilt als Architekt der Wahlsiege von Bush Rove bleibt für den US-Präsident ein "lieber Freund"

Rove wirft das Handtuch: Spitzenberater von Bush zieht sich mit Ende August zurück

US-Präsident George W. Bush muss in den letzten eineinhalb Jahren im Weißen Haus auf seinen wichtigsten Berater verzichten. Sein langjähriger politischer Weggefährte Karl Rove tritt Ende August als stellvertretender Stabschef zurück. Der 56-Jährige begründete in einem Interview der Zeitung "Wall Street Journal" seine Entscheidung mit dem Wunsch, mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen.

In einer gefühlsbetonten Stellungnahme im Garten des Weißen Hauses und in Anwesenheit des Ehepaars Bush pries Rove den "weitsichtigen Mut" des Präsidenten. Bush verteidige die USA gegen einen "brutalen Feind in einem gefährlichen Konflikt, der dieses neue Jahrhundert prägen wird". Er sei stolz, 34 Jahre lang ein Wegbegleiter von Bush gewesen zu sein.

Bush bezeichnete Rove als einen "lieben Freund" seit sehr langer Zeit. Dies werde er auch künftig bleiben. Zweifellos sei Roves Weggang "ein großer Verlust", betonte die stellvertretende Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino. Rove sei ein "wunderbarer Kollege gewesen, ein guter Freund und ein brillanter Kopf". Vor Rove hatten in den vergangenen Monaten schon mehrere andere politische Weggefährten Bushs das Weiße Haus in Washington verlassen, unter ihnen der politische Berater Dan Bartlett und Finanzchef Rob Portman.

Rove galt als der wichtigste Berater Bushs schon aus der gemeinsamen Zeit in Texas in den 80er Jahren. Der Präsident bezeichnete ihn als "Architekten" seiner Wahlsiege. Er habe schon länger über einen Rücktritt nachgedacht und nun sei einfach die Zeit gekommen, nach Texas heimzukehren und sich mehr seiner Familie zu widmen, sagte Rove. Der Abschied falle ihm nicht leicht. Rove werde jetzt ein Buch über die Bush-Präsidentschaft schreiben, berichtete das "Wall Street Journal". Auch wenn der US-Präsident in Umfragen derzeit nicht gut beurteilt werde, so sei er doch sicher, dass Bushs Rolle in der Geschichte künftig positiver gesehen werde, meinte Rove im "Wall Street Journal".

Rove gilt als eine der schillerndsten Figuren in der US-Politik. Während er in der Republikanischen Partei als "strategisches Genie" bewundert wird, warfen ihm Demokraten vor, für schmutzige Kampagnen im Wahlkampf verantwortlich zu sein. Rove wurde auch beschuldigt, in die Affäre um die gezielte Enttarnung der CIA-Agentin Valerie Plame verstrickt gewesen zu sein. Rove wurde aber nie von der Staatsanwaltschaft angeklagt. Kürzlich war er auch wegen einer Justizaffäre um die Entlassung von acht Bundesanwälten durch das Justizministerium unter Druck geraten. Die Bundesanwälte behaupten, sie seien entlassen worden, weil sie nicht "Bush-freundlich" genug gewesen seien. Auch bei dieser Entscheidung habe Rove eine Rolle gespielt, meinten Demokraten. (apa)