Rotlichtprozess von

Belastungszeuge sagt aus

Ex-Geschäftsführer eines Lokals in Oberösterreich über Lösung von Geldproblemen

Die Angeklagten im Rotlichtprozess gegen Richard St. © Bild: APA/Neubauer

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Wiener Rotlichtboss Richard St. und fünf Mitangeklagte ist am Dienstag ein weiterer Belastungszeuge gehört worden. Der Oberösterreicher Rudolf F. war Geschäftsführer eines Rotlichtlokals in Oberösterreich. Den Angeklagten zufolge soll er Gelder veruntreut haben, Richard St.'s "Bugl" Peter A. sollte den Mann daraufhin zu dessen Boss Helmut Sch. in eine andere Bar bringen. Dass Peter A. beteiligt war und Rudolf F. misshandelte, hatte der hünenhafte Zweitangeklagte in seiner Einvernahme zugegeben. Strittig blieb der Auftraggeber der Aktion. Hier stellte Rudolf F. praktisch nur Vermutungen an.

Helmut Sch. war ein enger Geschäftspartner und Freund des Hauptangeklagten Richard St.. Am Montag war er aber als Belastungszeuge vor dem Schöffensenat (Vorsitz Stefan Erdei) im Wiener Landesgericht aufgetreten. Helmut Sch. besaß Rotlichtbetriebe im Innviertel, Rudolf F. war Geschäftsführer eines dieser Lokale. Das habe St. "aus irgendeinem Grund" nicht gepasst.

"Mir ist vorgekommen, die wollten mich wieder draußen haben", schilderte der Zeuge. Tatsächlich eskalierte die Situation: "Auf amoi ruaft mi der Launge (Peter A.'s milieuinterner Spitzname, er ist nach eigenen Angaben 2,13 Meter groß und 150 Kilogramm schwer, Anm.) aun: 'Kumm sofort her, der Sch. wü mit dir reden'. I hob's g'spürt und bin net 'kommen."

Aus Bett geholt und verprügelt
Nach weiteren Anrufen sei er untergetaucht. Nach einiger Zeit bekamen seine Widersacher einen Tipp, dass er sich mit drei Frauen in einer Pension aufhalte. Peter A., der Sechstangeklagte Andreas B., der aber passiv geblieben sein soll, und ein dritter Mann, der als Chauffeur fungierte, seien zeitig in der Früh aufgetaucht: "I bin aus dem Bett aussazogn worden, bumm, bumm, Haundschön, üba de Stiagn hoibat obagflogn", so Rudolf F..

Im Auto, einem dreitürigen Fiat Cinquecento oder möglicherweise auch ein nur unwesentlich größerer Toyota, sei er mit Peter A. im Fond gesessen, erzählte Rudolf F.. Peter A. habe ihn mit Handschellen angekettet und ihm "unzählige Schläge auf den Kopf - Kopfnüsse, auf guat Deitsch gsogt -" verpasst. Dazu gab es "Beschimpfungen Ende nie: Sie wollten meinen Sohn entführen, haben's mir ins Gesicht gesagt".

In der Gogo-Bar bei Helmut Sch. angekommen, sei er noch "in eine Rigips-Wand geflogen". "Guat hab' i nimmer ausgschaut", resümierte der Zeuge. Helmut Sch. habe entsprechend reagiert und Peter A. gefragt: "Seid's es wauhnsinnig worden?" In weiterer Folge habe Peter A. ständig telefoniert, mit Richard St. vermutlich. "Wer soll es sonst gewesen sein?", meinte Rudolf F.. "Der Helmut Sch. hat mi schließlich aussabracht, der Lange war ang'fressen."

Kommentare