Rote Karte für Rassismus: Auf den WM-
Tribünen sind rassistische Parolen verpönt

Hakenkreuz & SS-Runen unter verbotenen Zeichen

Ein befreiendes "Heast, was kickt'n der z'samm?" gehört zum Standardvokabular eines emotionalen Fußballfans. Bei einem harmlosen "sich Luft machen" bleibt es jedoch nicht immer - rassistische Parolen auf der Tribüne sind bei Fußballspielen nach wie vor ein Problem. Vor allem von italienischen, spanischen und polnischen Anhängern erwartete sich Michael Fanizadeh von "Fußball gegen Rassismus in Europa" (FARE) bei der WM in Deutschland diskriminierende Äußerungen.

Rassistische italienische und spanische Sportfans richten ihre Beschimpfungen meist gegen schwarze Spieler, so der Fußball-Experte zur APA. Radikale polnische Fans würden oft organisierten, rechtsextremen Gruppen angehören, erklärte er. In WM-Stadien müsse man daher genauso mit berühmt-berüchtigten "Affenlauten" gegen dunkelhäutige Spieler wie mit Sieg-Heil-Rufen oder Salutieren während der Hymnen rechnen.

Verpönt seien grundsätzlich alle Begriffe, die Menschen auf Grund ihrer Herkunft, Religion, Hautfarbe oder sexuellen Orientierung diskriminieren, sagte Fanizadeh. So ist etwa der Spruch der Waffen-SS "Unsere Ehre heißt Treue vor Gott und Deutschland" laut FARE in Deutschland verboten. Auch Worte wie "Judenschwein", "Neger", "Jugo" oder "Zigeunerpack" seien Tabu. Wer sich beim Schimpfen nicht zurückhalten kann, solle die Nationalität des Spielers nennen. "Worte wie Angolaner oder Ghanaer sind besser als Nigger", meinte Fanizadeh.

Zu verbotenen Symbolen in WM-Stadien zählen laut FARE unter anderem Hakenkreuz, Keltenkreuz, Kammrad, Reichskriegsfahne, Hammer und Schwert, SS-Totenkopf sowie -Runen. Häufig seien bei neonazistischen Fußballfans auch einschlägige Zahlenkombinationen zu finden. So stehe "18" etwa für den ersten und den achten Buchstaben im Alphabet: A und H oder Adolf Hitler. Die Lettern "WAR" symbolisieren den englischen Spruch "Weißer arischer Widerstand".

Das Match Deutschland gegen Polen bezeichnete Michael Fanizadeh als "Problemspiel". Um deutsche Fußballfans sei es in jüngster Zeit zwar ruhiger geworden, sagte er, "was sich rund um die Stadien abspielen wird, ist aber schwer einzuschätzen", meinte der Fußball-Experte. So könnte die rechtsextreme Szene weniger streng überwachte Live-Übertragungen auf öffentlichen Plätzen als Bühne für ihre Anliegen nützen, meinte er.

Bei der WM in Deutschland werden unter anderem die Kapitäne der Viertelfinalmannschaften Statements gegen Rassismus verlesen. Zur sterilen Zone solle ein Fußballstadion jedoch nicht werden. "'Idiot' soll man sagen dürfen. Es darf schon emotional zugehen", meinte Fanizadeh.

(apa)